Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 1.1883

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ses die kleine Tabula ober das Sigillum
zu befestigen. Ein unterrichteter Priester
wird dieses Heiligthum ebenso unversehrt
lassen, wie das Sepulchrum eines Altäre
fixum. Keinesfalls möchten wir rathen,
das Sepulchrum an der unteren ^Fläche
einzugraben. Diese Art kennt das Ponti-
sikalbuch nicht; überdies wird nicht die
innere Fläche des Sigillum, ans welche
die hl. Reliquien in diesem Falle zu liegen
kommen, sondern nur die untere Fläche
des Sepulchrum mit EHrysam gesalbt.
Endlich ist die Gefahr, daß nach Eintrock-
nen des Gypses oder Cements die kleine
Tabula (Sigillum) ihrem Gewichte folgt
und locker wird oder heranssällt, nicht zu
unterschätzen. Den Konsekrationsakt brau-
chen wir nicht mehr zu beschreiben; er ist
ganz derselbe wie bei dem Altäre fixum,
nur fällt die Weihe des Stipe5, die Sal-
bung der Front des Stipes und die Ver-
bindung desselben mit der Tabula mittelst
der Salbung mit EHrysam weg, weil die
entsprechenden Bautheile bei der tragbaren
Platte nicht vorhanden sind. Aus den
Rubriken dieses Weiheaktes haben wir auch
die für die technische Herstellung des Trag--
altars geltenden Grundsätze gezogen. Im
Uebrigen dürfen wir nur noch ans die
artistische Beilage zu Nr. 3 Fig. 7a, 7b
und 7c verweisen. Die bUgegebenen Grö-
ßenverhältnisse sind nicht maßgebend. Je
nach Umständen kann man sich nach den
im Texte angegebenen richten.

Wir können diesen Gegenstand nicht
schließen, ohne nochmals ans das zurück-
zukommen, was wir oben am Anfang der
Seite 5 über die Verwendung des Altäre
portable bis zur Konsekration des Altars
gesagt haben. Seitdem sind uns brief-
liche Mittheilungen zugekommen, nach wel-
chen Manche die einfache Auslegung des
Tragaltars auf die Fläche der Men5a für
besser halten. Die Altartücher werden
also zugleich über das 3—4 cm höhere
Altäre portatile ansgespannt, und das
ist gewiß nicht schön. Der Kelch steht
ans einer verhältnißmäßig schmalen Fläche
erhöht; das ist gefährlich; im Falle auch
kleine Partikeln im Ciborium konsekrirt
werden sollen, hat letzteres aus dem Al-
täre portatile nicht Raum genug, muß
also auf den unkonsekrirten Stein gestellt
werden; und das ist unerlaubt. Wir rä-

chen also wiederholt: die Confessio eines
neuen Altars in die Mensa zu verlegen,
wie es die artistische Beilage Fig. 1a und
1b vorzeichnet, und in die Vertiefung des
Falzes das Altäre portatile zu legen,
wie oben S. 5 näher beschrieben ist. Es
steht sogar gar Nichts im Wege, den Trag-
altar durch Eingießen flüssigen Cements
in die Fugen etwas zu befestigen, wenn
man mehrere Jahre aus die Konsekration
warten muß. Man kann es unverletzt
wieder ausheben, wenn man mittelst des
Schlageisens den Falz um ein Paar Mil-
limeter vergrößert. Das schadet gar nichts,
wenn die für das Sigillum bestimmte
Platte etwas größer ist, als das Altäre
portatile. Vor der Konsekration kann
durch Abspitzen Alles wieder in Ordnung
gebracht werden.

Zur Illustration der im Bisherigen
über die Konstruktion der Bestandtheile-
des Altäre fixum gegebenen Ausführung
verweisen wir gleichfalls ans die artistische
Beilage. Fig. 1a gibt den perspektivischen
Aufriß, Figur 1b den Schnitt nach der
Tiefe mitten durch das Sepulchrum eines
Altarsteins mit dem Reliquiengrab in der
Mensa (vergl. Text S. 4 und 5); Fig. 5
denselben Altar von größerem Umfang für
den Fall, daß die Mensa wegen ihrer
Größe nicht aus Einer Platte hergestellt
werden kann (s. S. 4 Sp. 1 Nr. 2);
Fig. 2 zeigt das Sepulchrum im Stipes
(S. 5 Sp. 2); Fig. 4a und 4b den
perspektivischen Aufriß und Schnitt des
Altars mit dem Reliquiengrab an der
Vorderseite, Fig. 3 den Schnitt des Steins
mit dem Sepulchrum an der Rückseite des
Stipes (s. S. 5 Nr. 2 und 3). Fig. 6,
8a und 8b und Fig. 9 und 10 werden int
Schlußartikel besprochen werden.

Die Darstellung im Tempel

tn der bildenden Kunst.

Was ans dem Gebiet christlicher Kunst
allein Halt und Sicherheit zu geben ver-
mag, was allein bewahren kann vor dem
Versinken in den Schlamm des Materialis-
mus, oder vor dem Verirren in den Nebel
eigener pietistischer oder ästhetischer Phanta-
stereien und subjektiver Schwärmerei, —
das ist das starke Band der kirchlichen
Kunsttradition. Ein Künstler, der sich nicht
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