Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 1.1883

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Archiv für christliche Kunst.

Organ des Rottenburger Diözesan-Vereins für christliche Rnnst.

Uerausgegebeii und redigirt von Dr. Fr. I. Schwarz in Ellwangen.

Verlag des Rottenburger Diözesan-Runstvereins, für denselben: der Vorstand Dr. Fr. I. Schwarz.

^ Erscheint monatlich einmal. Halbjährlich für 1 M. 35 Pf. durch die württein- OO

I tl* A belgischen, für 1 M. 50 Pf. durch die bayerischen und die Reichspost-Anstalten, TooQ

*'**'*' v * T"* sür 1 M. 20 Pf. im Stuttgarter Bcstcllbczii k zu beziehen. O*

Der Altar.

IV.

Verzierung d e s Altar st eins.

Ein Altar von Stein, welcher alle Er-
fordernisse zur vorschriftsmäßigen Kon-
sekration besitzt tmd nach den Rubriken
des Pontisikalbnchs geweiht ist, genügt
wohl zur erlaubten Darbringung der hei-
ligen Messe, aber er befriedigt noch nicht
das berechtigte Verlangen nach würdiger
Verzierung eines so hervorragenden Gegen-
standes des christlichen Gottesdienstes.
Wenigstens von der Zeit nach den Chri-
stenverfolgungen an ist diese Ausschmückung
allgemeiner Gebrauch gewesen und ist nach
dem jetzt geltenden, aber auch schon Jahr-
hunderte alten Rechte allgemeine Vorschrift.
Denn die Rubricae generales Missalis
verlangen in Nr. XX de praeparatione
altaris et ornamentorum ejus , daß der
Altar mit einem Tuche, womöglich von
der Farbe des Tages, geziert sei. Dies
hieß in der Sprache der Alten: vestire
altare, den Altar bekleiden, die Verzierun-
gen wurden vestes oder vestimenta al-
taris genannt. Die Kirchenschriststeller
berichten zahlreiche Beispiele derartiger,
theilweise sehr kostbarer Dekorationen. Der
Altar der Kirche von Jerusalem war mit
Behängen und goldenen Weihegeschenken
des-Kaisers Konstantin geschmückt. Rö-
mische Frauen gaben alle ihre seidenen
Obergewänder den Altären. Der hl. Boni-
sazius weiht den bunten Stoff, den er von
Lullus für sich zum Geschenk erhalten
hatte, mit großer Freude dem Altar des
hl. Paulus. (S. Belege in Oerberti vet.
Liturg. allem. I. 200.) Anastasius spricht
unzähligemal von den gleichen Weihe-
geschenken, worüber Näheres in den „Stu-
dien über die Geschichte des christlichen
Altars" S. 21 und Schmid's „Der christ-
liche Altar" S. 124 f. und 215 ff. nach-
gelesen werden kann. Oft hatten sie kost-

bare Stickereien mit Darstellungen ans
der hl. Geschichte und waren mit Gold
und Edelsteinen geschmückt. Gewöhnlich
waren alle vier Seiten des Altars mit
diesen Behängen bekleidet. Der Gebrauch,
wenigstens die Vorderseite mit Seidenstoff
von der Farbe des Tages zu bekleiden,
wird von Dnrandns als ein allgemeiner
behandelt (»altaris frons aurifissio orna-
tur«) und hat sich bis in die neuere Zeit
besonders in größeren Kirchen erhalten.

Im Hinblick ans die oben berührten
Worte der allgemeinen Rubriken des Mis-
sale muß man diese Verziernngsart auch
für unsere jetzigen Altäre an erster Stelle
nennen. Soweit es die Umstände gestat-
ten, soll man die für die Messe des Tages
vorgeschriebene Farbe wählen. In der
That ist das seidengestickte Antipendium in
neuester Zeit wieder mehr zu Ehren ge-
kommen. So besitzt die St. Veitskirche in
Ellwangen ein seidengesticktes kostbares
Antipendium für den Hochaltar, gefertigt
vom Kloster Bonlanden und unter dessen
Arbeiten in der Wiener Ausstellung seiner
Zeit ausgestellt. Da der Besitz von solchen
Antipendien in allen Farben nicht strenge
Vorschrift ist — coloris, quoad fieri
potest, diei festo vel officio convenien-
tis, sagen die citirten Rubriken —, so ge-
nügen neben einem festlichen je ein weißes,
violettes und schwarzes für das ganze
Kirchenjahr. Für die Pflege der Stick-
kunst höheren Styls bieten sie das schönste
Feld, laden also besonders die Frauenwelt
ein, den jetzt Mode gewordenen Zeitvertreib
der Romanenlektüre und des Klavierspiels
mit dem lohnenden Geschäfte der Arbeit sür
Gott zu vertauschen. Um nicht abschreckend
zu wirken, wollen wir gleich beifügen, daß
die Kosten sür gewöhnliche Antipendien
nicht hoch sind. Für einen circa 2,50 m
breiten Altar braucht man 4 Bahnen Stoff,
je ca. 80 cm lang, macht 40—50 Mark.
Schon mit einfachen Seidenlitzen verschie-
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