Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 1.1883

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beiter Farbe läßt sich eine schöne Deko-
ration ausführen und diese nach Zeich-
nung aufzunähen, setzt bei der Frauen-
welt gewiß keine kunstgeübte Hand voraus.
Wo die Mittel reichen, möge dafür das
festliche Antipendium um so reicher sein und
nach urältester Sitte Bilder aus der hl.
Geschichte oder ans dem Leben der Heiligen
darstellen. Weil diese Antipendien in erster
Linie von den Rubriken als Altarschmuck
genannt werden, so ist es wohl Pflicht,
auf die Wiedereinführung derselben mög-
lichst zu dringen. Wir haben uns daher
erlaubt, in der artistischen Beilage zu Nr. 3
hierauf Bezug zu nehmen. In Figur 10 ist
die Vorderansicht des Schnittes des Altars
seiner Tiefe nach mit dem Schnitt des
Frontals, d. h. des Autipendiums für die
Stirnseite des Altars und seine Befesti-
gungsart gegeben.*) Wer einen neuen Altar
baut und beabsichtigt, solche Antipendien
für ihn zu verwenden, sorge dafür, daß
der ganze Altarstein ans schönen Quader-
steinen, beziehungsweise Platten angefer-
tigt werde, wie wir das oben beschrieben
haben. Der Sockel werde so hoch, wie
die Gesammthöhe der Stufen. An der
Vorderseite des Altars tritt der Ltipcs
um 4—5 cm tiefer, als Sockel und Ge-
sims, zurück, so daß sich ein Plättchen,
d. h. eine Fläche von derselben Breite
bildet. In der Nähe der vier Winkel der
Vorderseite wird je ein Holzdibel zur Auf-
nahme einer (auch vergoldeten) Messing-
schranbe eingelassen, die jedoch keinen Kopf
hat, sondern abgerundet ist. Die in der
Rundung krenzungsweise anzubringenden
Einschnitte können als Verzierung dienen
und demgemäß behandelt werden. Am
vorderen Ende sind sie durchlöchert, um
einen mit einem kleinen Kopf versehenen
Messingstift einführen zu können. An den
entsprechenden Stellen des Frontals wer-
den runde Oeffnungen eingeschnitten, welche
ringsum angemessen zu verzieren sind, in-
dem sie z. B. den Mittelpunkt einer styli-
sirten Blume bilden. Das Antipendium
wird auf einem Holzrahmen aufgespannt,
in die Messingstifte eingeführt und von
dem kleinern Stifte festgehalten. Die drei

*J Betreffs der Maße bitten wir, sich nur an
die Maßangaben des Textes zu halten. Der
größere Maßstab der artist. Beil, in Nr. 3 ist
leider unrichtig.

übrigen Seiten des Altarsteins können be-
malt, dabei auch mit Inschriften versehen
werden, von welchen oben schon die Rede
war. Auf die malerische Dekoration kom-
men wir noch zurück. Der Verfasser die-
ser Zeilen hat in dem 30 m langen statt-
lichen Chor seiner Pfarrkirche einen Hoch-
altar-Stein mit solcher Bekleidung, mit
Malerei und Inschriften, und hat stets
sein Wohlgefallen daran.

- Als Altarsteine für das Frontale ans
Seidenstoff empfehlen sich die Fig. In mit
dem Querschnitt Id, beziehungsweise Fig. 5
und Fig. 8d mit dem Grundriß 8 a der
artistischen Beilage zu Nr. 3. Nur müssen
bei letzterem die dekorirren Felder und der
dieselben trennende Pilaster wegbleiben;
dagegen ist bei allen das Plättchen nicht
zu vergessen, um dessen Breite, Sockel und
Gesims ausladen, wie Fig. 10 zeigt.

In den ältesten Zeiten kam es wohl
auch vor, daß diese Bekleidung des Altars
an Ringen unter dem Gesims der Mensa
nach Art von Vorhängen mit Faltenwurf
aufgehängt wurden. Das würde heute
wie eine Neuerung erscheinen; wir em-
pfehlen diesen Modus nicht, weil wir jeder
Neuerung in der Kirche abhold sind.

Eine zweite Art der Altarftein-Verzierung
haben wir damit wenigstens in ihren Grnnd-
zügen schon beschrieben. Man denke sich
statt des seidenen Frontals auf Holzrahmen
ein auf eine Holztafel aufgezogenes Me-
tallfrontal mit Rundfiguren oder Reliefs
in getriebener Arbeit vergoldet, wohl auch
emaillirt, so hat man den höchsten Schmuck,
den das Alterthum kannte. Statt Bei-
spiele aus früherer Zeit namentlich anf-
zuführen, müssen wir der Kürze halber
auf die schon citirten Werke über den
christlichen Altar verweisen. An dem Altar-
stein Fig. 8d (ohne die verzierte Front)
mit seinen polychromirten Säulen nebst
entsprechend dekorirten Flächen der Rück-
und Nebenseiten ist ein solches Frontale
ein herrlicher Schmuck. Zur Befestigung
können ähnliche Schrauben mit vergoldeten
und gezierten Köpfen oder auch von der
Rückseite an den vier Wänden angebrachte
Riegel dienen, welche in messinggefütterte,
in die Plättchen des Gesimses und Sockels
eingelassene Vertiefungen geschoben wer-
den. Selbstverständlich muß nämlich auch
hier der Stipes zurücktreten und Sockel
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