Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 1.1883

Seite: 28
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bekleidung füllen, so müßte der Stipes
noch weiter eingezogen werden, wenigstens
an den betreffenden Seiten. Der steinerne
Hauptsockel, womöglich aus einem Stein
von tiefer Farbe, stellt so einen schön und
genau abgerichteten Altar-Unterbau dar,
auf dem sich der Ltipes, ringsum, also
auch auf der Rückseite bekleidet von dem
Holzantipendium, und auf ihm die von
jeder Bekleidung freie iVlensa mit ihrer
durchaus wagrechten Fläche erhebt. So
allein erhält man auch eine baugerechte
Basis für den Altaraufsatz.

Daß ein Holzantipendium malerischer
Fassung bedarf, versteht sich von selbst.
Davon machen selbst die figurativen Dar-
stellungen keine Ausnahme. Daß eine
solche Fassung nnkünstlerisch und geschmack-
los sei, ist eine fixe Idee, welche von dem
gesunden Urtheil aller Kulturvölker ver-
urtheilt ist.

Zuletzt kommen noch die in schönen
architektonischen und dekorativen Formen in
Stein fertig gestellten Altäre. Da die in
kunstreiche Bekleidung von Seide oder Me-
tall gekleideten Altäre über die Kräfte der
meisten Kirchen gehen, so werden diese
Steinbauten wohl das höchste, bei umsich-
tigem Verfahren aber auch leicht zu er-
schwingenden Altäre für unsere Verhält-
nisse sein. Motive mit vier Säulen, wie
Fig. 8 a und 8 b, und mit zwei Säulen
für einen nicht freistehenden Altar in Fig.
9, ebenso das Motiv mit acht Halbsäulen,
das Fig. 6 im Grundriß gibt, lassen sich
in schönem Werkstein überall ausführen
und zwar einschließlich der Faßmalerei
mit geringeren Kosten, als eine reichere
Holzbekleidung erfordert. Diese romani-
schen Motive mit den einfachsten Profilen
und Würfelkapitälen sind auch in gothi-
scher Form ohne eine Kostenerhöhung aus-
führbar. Da aber unser Stein ohne Le-
ben und Farbe ist und gegen einen far-
benreichen Aufsatz sehr unvortheilhaft ab-
sticht, so wird sich ein geübteres Auge ohne
eine angemessene Bemalung niemals mit
ihm aussöhnen. In feuchten Kirchen wird
jedoch die Farbe bald ihren Ton verlieren
oder theilweise zerstört werden. Man muß
daher den Steinton als Fond der Faß-
malerei behandeln und die übrigen Far-
bentöne für die dekorativen Theile darnach
stimmen, um eine harmonische Wirkung zu

erzielen. Auf diese Weise bleiben an allen
Seiten kleine, aber zahlreiche Flächen puren
Steins frei, durch welche die Feuchtigkeit
sich ohne das Farben-Medium der um-
gebenden Luft mittheilen kann, eine Me-
thode, welche sich nach der vom Verfasser
dieser Zeilen eingestellten Probe bewährt
hat und welche, nebenbei gesagt, sich ge-
wiß auch bei der Ausmalung von Kirchen
besonders an dem dem Erdboden zunächst
liegenden Sockel bewähren wird. Sockel
und Altarplatte bleiben ohnehin von Farbe
frei, somit sind wohl alle Bedingungen er-
füllt, einen solchen Altar viel trockener zu
erhalten, als einen ringsum mit Holzanti-
pendien bekleideten. Fig. 9 gibt einen vor
mehreren Jahren an Stelle eines durch
Erbrechen des Lepnlcbrum entweihten
Altars errichteten Nebenaltar in der
Pfarrkirche des Verfassers, der also be-
handelt ist; er zeigt überdies in Mitte der
Front des LtPeg ein Medaillon. Es ist
von vergoldetem, in den Stein eingelasse-
nem Metall; auf tiefblauem Emailgrund
ist der Namenszug „Maria" gleichfalls in
vergoldetem Metall in sehr kräftigen For-
men in getriebener Arbeit gegeben. Diese
Beigabe erhöht die Wirkung der Poly-
chromie wesentlich und kann zur Nach-
ahmung empfohlen werden.

Wem erst Marmor oder marmorartiges
Material zur Verfügung steht, besitzt alles,
um sich auf dem oben beschriebenen Wege
die würdigsten Altäre zu errichten. Nur
darf auch hier die Farbe nicht fehlen und
darum warnen wir davor, lauter weißen
Marmor zu verwenden. Allerdings haben
wir nicht den bläulich-schwarzen ägyptischen
Basalt, den goldgelben, röthlich geaderten
Marmor aus Numidien, den smaragdgrünen
thessalischen mit seinen dunkelgrünen, schwar-
zen und weißen Flecken, oder -purpurähn-
lichen lydischen, deren Pracht die antiken
Bauten, ihre Säulen, Glieder und Wände
schmückte, dafür haben wir den prächtigen
schwarzen, grau und weiß gesprengten
Syenit*), den grau- und grün-gelblichen
Untersberger, den wohl auch nicht zu sel-
tenen roth und weiß gesprengten Marmor

*) Er ist zu beziehen durch Leonhard Acker-
mann, Steinhaner-Werkstätte in Weißenstadt an
der Eger, Oberfranken, Bayern. Es gibt sicher
noch andere Adressen. Der Syenit läßt sich
schleifen und poliren, wie Marmor, ist aber so
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