Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 1.1883

Seite: 32
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wölbe gemalt. Er sitzt aus dem Richter-
stuhle, umgeben von eiförmigem, vielfarbi-
gem Salvator-Nimbus. Ueber die Gestal-
ten, die, von den Anfängen der Wölbung
an auf der Süd- und Nordseite aufstei-
gend, ihn zur rechten und linken Seite
umgeben, kann wohl kein Zweifel sein: es
sind die zwölf Boten, denen Jesus ver-
heißen hat, daß sie bei der Wiedergeburt,
wenn der Menschensohn auf dem Throne
seiner Herrlichkeit sitze, auch auf zwölf
Thronen sitzen und die zwölf Stämme Is-
raels richten werden. (Matth. 19, 28.)
Die Throne zwar sind nicht dargestellt,
das ließ der beschränkte Raum nicht zu;
aber ihre Gegenwart bei dem Gericht in
der Umgebung des Richters gestattet trotz-
dem, an die citirte Verheißung zu denken.

Von wem und wann diese Wandgemälde
geschaffen wurden, darüber fehlt jeder do-
kumentarische Beweis. Die Gemälde selbst
sind so eigenartig, daß wir nicht im Staude
waren, sie bei Gelegenheit der einmaligen,
wenn auch längeren Besichtigung, einer be-
stimmten Zeit und Schule zuzuweisen. Sie
setzen einen gewandten Zeichner voraus,
der mit großer Sicherheit und den ein-
fachsten Mitteln schafft. Ihrem Charakter
nach sind sie dem Typus der schöneren
Renaissance näher, als dem der gothischen
Zeit. Die Geschichte des erst neuestens
in die Kuusthistorie eingetretenen Jerg
Ratgeb von Schwäbisch Gmünd, von wel-
chem unsere letzte Nummer erzählt hat, ist
freilich noch sehr lückenhaft. Aber wäre
es denn so ganz unmöglich, daß er auch
in seiner Vaterstadt eine zeitlaug gelebt,
in ihr oder in ihrer Umgebung gewirkt
hätte? Bronnen liegt kaum sechs Weg-
stunden von Gmünd entfernt.

Wie bent aber auch sei, die besprochenen
Wandgemälde sind von hohem Interesse;
die auf allerlei Schwierigkeiten stoßenden
Bemühungen des Pfarrers, sie zu erhalten,
sind der Unterstützung werth. Nebenbei
bezwecken diese wenigen Zeilen, in dieser
Richtung die öffentliche Aufmerksamkeit aus
sie zu lenken. S ch w a r z.

Subskriptions-Sinladuug.

Unsere Leser mögen es uns verzeihen,
wenn wir nicht gegen, wohl aber über unser
Programm hinaus aus innerster Ueberzeu-

gung die Subskription ans ein Buch empfeh-
len , das man sich so billig zu verschaffen
nicht so bald wieder Gelegenheit haben wird.
Wir meinen die 2. Auflage der wohlbekann-
ten Lück'schen „Sammlung ausgezeichneter
Kompositionen für die Kirche", welche ver-
bessert und vermehrt von Michael Hermes-
dorff, Dommusikdirektor in Trier, herausge-
geben wird und im Verlag von P. Braun,
früher in Trier, jetzt in Leipzig, erscheint.
Von der ersten, 10 000 Exemplare starken
Auflage dieser klassischen Kompositionen sind
nur wenige über die Diözese Trier hinaus
bekannt geworden, aber diese wenigen reichten
hin, um das Verlangen darnach in allen
Welttheilen zu wecken. Wir möchten allen,
besonders den ärmeren Kirchenchören rathen,
sich diese Gelegenheit nicht entgehen zu lassen
und wenigstens auf einige Exemplare zu
subskribiren. Die ersten 2 Bände enthalten
16 Messen (darunter eine pro defunctis)
von Palestrina, Lotti, Barnabei, Casini, Vik-
toria, Casciolini und andern der berühmtesten
Meister, 2 für 3 Stimmen, 13 für 4 und
1 für 6 Stimmen (Missa Papae Marcelli);
der 3. und 4. Band 89 Motetten, 9 mehr
als die erste Auflage, lauter Schöpfungen
der anerkanntesten Meister. Nach deni uns
vorliegenden Probedruck aus der rühmlichst
bekannten Garbrecht'schen Anstalt in Leipzig
ist die Ausstattung eine vorzügliche, Text-
nnd Notenschrift viel leserlicher, als in der
ersten Auflage. Jede solide Buchhandlung
nimmt Subskriptionen an; wo keine Buch-
handlung ist, kann man direkt bei der P.
Braun'schen Verlagshandlnng, Göthestraße 6
in Leipzig bestellen. Der erstaunlich niedrige
Subskriptionspreis beträgt für 4 Bände in
40, 80—100 Bogen stark, nur 6 Mk. Nach
Erscheinen derselben tritt aber der Ladenpreis
von 15 Mk. ein. Das „Archiv" darf viel-
leicht die Bitte an die Agenten unseres Cä-
cilien-Vereins richten, sich auch ihrerseits der
Subskription in ihren Bezirken auzunehmen
und an die genannte Buchhandlung zu über-
mitteln. Es ist kaum zu zweifeln, daß die-
selbe auf diesem Wege noch weitere Vor-
theile bieten wird. Schwarz.

Bis zur Stunde laufen immer noch Beschwer-
den bei der Redaktion ein, daß die poft frühere
Nummern des „Archivs" an später eingetretene
Abonnenten nicht nachliefere. Wir bitten, die
Nachlieferung bei der zuständigen postanstalt
fest und bestimmt zu fordern, dabei aber post-
boten und anderen Mittelspersonen und ihren
Versicherungen über Besorgung erhaltener Auf-
träge nicht unbedingt zu vertrauen, sondern die
Postanstalt auf zuverlässigem Wege in Aenntniß
Zu sehen. _

Stuttgart, Buchdruckcrci der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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