Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 1.1883

Seite: 44
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tretend, Christus am Kreuze, Auferstehung
der Todten, Christi Auferstehung, rechts
und links je 6 statuarische Figuren, wahr-
scheinlich die 12 Apostel, zwischen den hoch-
gelegenen Fenstern der Süd- und Nordseite
je eine Figur eines unbekannten Heiligen,
ans der Ostseite des östlich gelegenen Fen-
sters der Nordwand noch der Kopf eines
im klebrigen zerstörten Bildes. Das Alles
ist neu übermalt worden, wobei sich der
Maler Mühe gab, die alten Contouren und
den Typus der Gemälde nachzuahmen. Auch
die beiden Bordüren unter den Fenstern
sind übermalt. Die Gemälde unter den-
selben aber sind zerstört bis auf zwei un-
bedeutende Reste, links Kopf und Vorder-
süße zweier hochspriugender Pferde, rechts
die Hinterfüße eines springenden Hirsches.
Diese Reste sind gleichfalls übermalt im
Typus einer sehr im Jugendalter stehenden
Zeichnung; aller übrige Raum ist leer,
weiter unten folgt noch eine neugemalte
Bordüre und ein Teppich. Die Chorschluß-
wand ist bis aus die Bordüre unter dem
Ostsenster erhalten geblieben, Christus in
der Mandorla, an den 4 Enden derselben
die Symbole der 4 Evangelisten, rechts
und links diese selbst, zur Seite des Fen-
sters 6 Figuren, darunter angeblich 4 Kir-
chenväter, in der Bordüre die Brustbilder
von Engeln und Rittern, unter der Bor-
düre ein neuer Teppich. Alle Figuren sind
mit dem Bestreben der Imitation frisch
übermalt. Nach welchem Prinzip ist nun
hier verfahren? Nach dem archäologischen?
Gewiß nicht. Oder ist der Versuch aus-
reichend , um die Kirche für den jetzigen
Gebrauch herzurichten, so, daß sie befrie-
digt? Wohl ebensowenig. Der Konflikt
ist also nach keiner Seite hin gelöst. Und
die gleichen Fragen erheben sich auch bei
Resten alter Glasgemälde. Man sieht also,
wie viel zusammenwirkt, unr jede restau-
rationsbedürftige Kirche zu einem von jedem
andern Fall abweichenden Gegenstand der
Untersuchung zu machen.

Wenn man sich einmal so iit die Indi-
vidualität der zu restaurirenden Kirche
hineingelebt hat, so wird sich das Bild des
Zustandes, in den sie versetzt werden kann,
in einer ihr homogenen Weise im Geiste
ausgestalten. Damit ist die Lösung der
Vorfrage: mit welchen technischen Mitteln
das Ziel zu erreichen sei, schon angebahnt

und der Weg geebnet, welcher zu durch-
wandern ist. Insbesondere ist auch leicht
zu entscheiden, bis zu welcher Grenze man
gehen dürfe, um nicht im Ganzen oder int
Einzelnen das rechte Maß zu überschreiten.
Denn auch in dieser Richtung ist schon oft
gefehlt worden; einzelne Theile wurden
übermäßig bedacht, andere vernachlässigt.
Um diesem Mißgriff zu entgehen, ist es
unerläßlich, einen Gesammtplan der Re-
stauration wie aus einem Gusse und aus
einer Hand in Bild und Schrift zu sixiren,
besonders daun, wenn die Restairration
nicht auf einmal durchgeführt werden kann,
und rrach Zeit nnb Umständen ihn gewissen-
haft auszuführen. (Fortsetzung folgt.)

Alte Holzdecke in der Kirche zu
Isingein

Thatsächlich ist die Mehrzahl unserer
ärmeren Kirchen flach gedeckt. Auch bei
Neubauten wird der Geldpunkt sehr häu-
fig das Hinderniß bilden, an welchem die
solide Einwölbung scheitert, nicht bloß
wegen des Gewölbes selbst, sondern wegen
der von demselben bedingten Verstärkung
der Umfassungsmauer und der Strebe-
pfeiler, ferner wegen der bei einiger Breite
des Schiffs nöthigen dreischifsigen Anlage.
Scheingewölbe, aus Holzwerk mit Gyps-
verwurf hergestellt, sind nicht zu empfeh-
len; ebensowenig wird man zur Praxis
der deutschen Spätrenaissance und Zopf-
zeit zurückkehren, d. h. die Decke mit Lat-
ten und Gypsverwnrs Herstellen. Holz-
decken bleiben in solchen Fällen das monu-
mentale Material; ist es in Form und
Farbe schön behandelt, so ist die Holz-
decke, vom Steingewölbe abgesehen, die
in jeder Richtung empfehlenswertheste Art
der Kircheneindeckung. Daß es sich sogar
mit recht hervorragenden monumentalen
Kirchenbauten zu einem einheitlichen Gan-
zen verbindet, beweisen eine Reihe von
Kirchen, besonders auch dreischiffige, in
welchen die Holzdecke primitiv ist oder war,
wenn sie auch später einer wirklichen oder
Schein-Einwölbung hat weichen müssen.

Wo immer also aus einem der oben
angeführten Gründe eine flache Eindeckung
nöthig und von dem Baupflichtigen ver-
langt wird, sollte mit aller Macht aus
Herstellung einer schönen Holzdecke hinge-
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