Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 1.1883

Seite: 46
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Seite eine reichbemalte Schräge und starke
Hohlkehle, so daß jedes Feld mit einer
rochen Schräge und Hohlkehle eingerahmt
ist. Schon durch die beschriebene Ein-
theilung und Gliederung ist die Decke
wirkungsreicher, als wenn sie, wie es sonst
bei Holzdecken meistens der Fall ist, durch
gleich breite Leisten in Felder getheilt
wäre.

Besonders aber wird sie belebt durch
die reiche Bemalung in den verschiedensten
Farbentönen und schöner Abwechslung,
doch mit nur einfachen Mitteln; Vergol-
dung u. dergl. kommt nicht vor. Der
mittlere Längenfries hat ein eigenes Des-
sin, das etwa an den ans mittelalterlichen
Paramenten häufig vorkommenden Granat-
apfel erinnert; die beiden südlich und
nördlich von diesem hinlaufenden Friese
haben wieder ein anderes, doch unter sich
gleiches Dessin; die Ornamente der bei-
den Endstreifen, Pflanzengebilde und Vö-
gel enthaltend, entsprechen sich gleichfalls;
sie sind ganz einfach, bloß weiß ans schwar-
zem Grund gemalt, wirken aber trotz ihrer
Einfachheit sehr gut. Ansprechend bemalt
sind auch die Querstreifen, Rankenwerk
und Blumen enthaltend. Sämmtliche Orna-
mente an den Längen- und Quersriesen
haben schwarzen Hintergrund, wodurch die
Wirkung in die Ferne verstärkt wird und
das Ganze einen ruhigen, würdigen Ton
annimmt.

Die Leisten sind sämmtlich aus ihrer
nach unten gekehrten Fläche reich bemalt
und zwar fast jede Leiste wieder anders,
in reichster Abwechslung mit Ranken- und
Linienornamenten, Rauten u. s. w. geziert.
Die Füllungsselder zwischen den Längen-
streifen und Leisten zeigen noch die reine,
entweder durch das Alter oder durch Wachs,
Firniß oder dergl. gebräunte Holzfläche.
In jedem dieser Felder sind 4 Ornamente
in reicher Abwechslung angebracht, bald
Thierornamente, z. B. der Reichsadler,
verschlungene phantastische Thiere, dann
Laubwerk, Blumen u. dergl.- Der Hinter-
grund der Ornamente ist schwarz, ihre
Breite beträgt ca. 28 cm, ihre Länge etwas
mehr; sie sind mit Hilfe von Schablonen
hergestellt. 13 verschiedene Ornamente
wiederholen sich in willkürlicher Abwechs-
lung, doch so, daß jedes derselben, so oft
es vorkommt, wieder in anderen Farben

ausgeführt ist. Dadurch ist Einförmigkeit
vermieden.

lieber die Entstehungszeit der Decken-
malerei kann Einsender nichts Genaues
angeben, nur daß die Fenster der Kirche
und das Gewölbe des Chores mehr spät-
gothische Formen zeigen. Die Decke ver-
räth durch nichts, daß sie früheren Ur-
sprungs wäre, stammt also wohl aus der
zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Sollte es sich um Herstellung einer ähn-
lich ausgestatteten Holzdecke handeln, so
möchte vielleicht dem jetzigen Geschmacke
das Thierornament, obgleich es in der
alten Kunst in den verschiedensten Zwei-
gen: Plastik, Paramentik re. vorkommt,
für das Innere des Gotteshauses etwas
befremdlich Vorkommen, es könnte daher
ganz gut durch andere Ornamente nach
guten Vorbildern ersetzt werden.

Edelmann.

Die Ttanontafeln.

Nach Nro. XX der allgemeinen Rubriken
des Missale soll die tabella secretarum
oder die sog. mittlere Kanontasel zu den
Füßen des Altarkreuzes stehen (all crucis
pedem ponatur tabella Secretarum
appellata.) Hiebei ist an den Tabernakel-
altar noch nicht gedacht; die alte Rubrik
hat zunächst den noch nicht mit dem fixen
Tabernakel ansgestatteten Altar in: Auge,
auf dessen Mensa das Kreuz und sechs
Leuchter unmittelbar standen. Aber sie steht
heute noch im Meßbuch und hat ihre Gel-
tung. Da aber jetzt der Tabernakel an
der Stelle des Altarkreuzes unmittelbar
auf der Mensa steht, so bedeckt die Secre-
tentafel meistens einen Theil des Taber-
nakels. Dieser Mißstand wird noch durch
den Umstand erhöht, daß die Kanontafeln
in der Regel ziemlich hoch sind. Nicht nur
geschieht dadurch der Würde und hervor-
ragenden Bedeutung des Tabernakels Ab-
trag, sondern es wird auch überdies das
Oessnen des Tabernakels nur erschwert,
weil es nicht ohne Entfernung der Secreten-
tafel möglich ist. Durch genügende Er-
höhung des Tabernakel-Sockels wäre leicht
zu Helsen, wenn dem nicht andere Rück-
sichten im Wege ständen, von denen wir
ein andermal reden werden. Hier genügt,
zu sagen, daß der Tabernakel nicht zu schmal
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