Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 1.1883

Seite: 55
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Style waren auch Altäre und Kanzel ge-
halten, dazu schwerfällig, bis an das Ge-
wölbe reichend, wodurch die ohnehin nicht
bedeutende Höhe optisch noch verkürzt und
die Kirche sehr gedrückt erschien. Dem
Hochaltar zu lieb war auch das Ostfenster
des Chors ganz vermauert. In der also
geschlossenen Nische zwischen den Pfeilern
stand ein Kasten, so hoch als der Chor,
als Verschlußstätte von Fahnen und Fahnen-
stangen. Rückwärts führte eine Stiege zum
oberen Stockwerk des Altars, um an Fest-
zeiten eine massive silberne Mnttergottes-
Statue ausstellen zu können. Nehme man
noch hinzu, daß seit mehr als hundert
Jahren an der Kirche nichts geschehen war,
und man wird sich das trostlose Bild leb-
haft vorstellen können. Alles rief nach
Restauration.

Was nun thun? Vor allem feststellen,
was über die Geschichte der Kirche etwa
zu erheben ist, um womöglich die verschie-
denen Charaktere der Bildungen zu erklä-
ren. Eine zufällig entdeckte Notiz im Tanf-
buche, eingetragen am Schlüsse des Jah-
res 1753 von der Hand des damaligen
Pfarrers, erzählt uns, vor 120 Jahren
sei die Kirche mit Gewölben sammt
Dachstnhl von Welschen (ein-) gebaut
worden. Das war unmittelbar nach der
Schlacht von Nördlingen, wo die von den
Schweden hartbedrängte Umgegend wieder
aufzuathmen begann. „Im Jahre 1718,
bei meinem Gedächtniß," so fährt der Chro-
nist fort, „ist unter Stadtpf. Math. Christian
Karg die Kirche renovirt, mit dermaliger
Stuckatur und sehr schlechter Mahlerey
etwas weniges verbessert worden." Außer
manchen nebensächlichen Veränderungen er-
setzte der Chronist im Jahre 1753 diese
Gemälde durch bessere; denn „4° ist alle
Mahlerey durch Herrn Emund Wieden-
mann, Ein Ellwanger und guter Maler,
gänzlich neu gemacht, auch alle Felder er-
weitert worden. . . . Et postremo haben
wir mit großer Mühe die vormals lästigen
und viereckigen Säulen auf dermalige Art
ringer gemacht und ausgeziert, davon die
Bildnußen der göttlichen Mutter, 3t. Jo-
sephi, Francisci et Antonii abgenommen
und an jetzigen Ort übersetzet (in Nischen
der Umsangsmaner) und renoviret." „Auch
haben wir zwar die zwey unförmliche, ge-
walthig große und alte Nebenaltär abheben

lassen, nur daß die Unform ans der Kirche
geschafft werde, Gott aber weißt, wann wir
vermögen werden re." (nämlich neue zu
bauen). So weit kam es in der Thal nicht,
die alten wurden wieder aufgerichtet; auch
die Kanzel sollte neu gemacht werden, daß
es aber geschehen, ist nirgends gemeldet.

Im Jahre 1633 wurde also die ganze
Kirche gewölbt, die hiebei eingesetzten Pfeiler
waren ursprünglich viel stärker, worauf
auch die unverhältnißmäßig großen Sockel
Hinweisen, auch hatten sie weder die Eck-
dienste, noch wie es scheint die Verjüngung,
noch auch verzierte Kapitäle, sondern bloß
etwa einen Kämpfer. Im Jahre 1718
wurde die Kirche mit „dermaliger Stucka-
tur verbessert", die gleichfalls ausgeführte
Malerei mußte aber der späteren weichen.
Ob Altäre und Kanzel 1633 oder 1718
gebaut wurden, ist nicht festzustellen ge-
wesen. 1753 wurden die jetzigen Wand-
malereien an der Stelle der früheren ans-
geführt. Das „Erweitern der Felder"
scheint nicht bloß die Vergrößerung der
alten, sondern auch die Vermehrung der
Bilderzahl zu bedeuten. Die Pfeilerkapi-
täle erhielten weitere Stuckatur, wie sie
jetzt sind, und wurden verjüngt. Auf Al-
täre und Kanzel hat sich die beabsichtigte
Restauration nicht mehr erstreckt. (Forts, f.)

Der Denn von Eichstädt.

Seit Anfang Juni haben die längst pro-
jektirten Restaurationsarbeiten im hiesigen
Deine begonnen. Der östliche Chor, welcher
durch eine Scheidewand vom Schiff der Kirche
getrennt worden ist, wird gegenwärtig voll-
ständig ausgeränmt und mit den nöthigen
Gerüsten versehen. Zunächst wird an Stelle
des bisherigen eisernen Stabwerkes der
fünf großen Chorfenster neues Stein-Maß-
werk im Styl der besten Gothik eingesetzt.
Es ist dies eine sehr schwierige und zeitrau-
bende Arbeit, da von der exakten Einfügung
und Befestigung der Steinpfosten, die Exi-
stenz der neuen kostbaren Glasfenster ab-
hängen wird. Nach Beendigung der Mau-
rerarbeiten werden die Fenster provisorisch
mit den alten Verglasungen geschlossen, und
wird dann das Ansmalen der Wände und
Gewölbe des Chors in Angriff genommen.
Die Wandgemälde werden Scenen aus dem
Leben des hl. Willibald darstellen. Nach
Vollendung dieser Arbeiten beginnt dann
sofort das Einsetzen der neuen Fenster, welche
in Lauingen angefertigt werden. Das Mit-
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