Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 1.1883

Seite: 67
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gleichzeitig auch die Entwürfe zu den in
den Jahren 1830—60 erbauten Kirchen
auszustellen. Das wäre die beste Ge-
legenheit, sich von den Errungenschaften
§u überzeugen.

Bis das geschehen kann, möge wenig-
stens eine Beschreibung dieser Neubauten
einigermaßen den Nutzen einbringen, der
auch in diesem Gebiete mit der Öffent-
lichkeit des Verfahrens verknüpft ist. Der
„Kirchenschmuck" hat das seiner Zeit auch
mit den Kirchen von Geislingen und Göp-
pingen unter Veröffentlichung der Bau-
zeichnungen gethan (Baud XXII. 1. u. 2.
Hälfte). Wir lassen hier die Beschrei-
bung einer weiteren der oben genannten
Kirchen folgen.

Die Airche in Bühlerzell, Dekanats
(Lllwangen.

Die kleine, einschiffige Kirche zu Buhler-
zell genügte nicht, sie bot kaum Plätze für
200 Kirchgänger, bei einer Seelenzahl von
mehr als 1200 Parochianen. Eine Er-
weiterung war unthunlich; man entschied
sich also für einen Neubau von Schiff, Chor
und Paramentenkammer unter Beibehaltung
des in gutem baulichem Zustande befindlichen
Thurmes, der seither zugleich als Chor
diente und in welchem fernerhin die Sakristei
eingerichtet werden sollte.

Der mitten im Ort gelegene erhöhte Kir-
chenplatz, früher Kirchhof, ist auf allen Sei-
ten von Ortswegen umgeben, mit Futter-
mauern eingefaßt und daher beschränkt,
namentlich aber war die Länge des Kirchen-
schiffes schon zum voraus unabänderlich fest-
gesetzt durch den Thurm gegen Osten und
durch die Futtermauer, resp. den tiefer ge-
legenen Ortsweg, der den Bauplatz gegen
Westen begrenzte. Um Platz für wenigstens
600 Kirchgänger zu gewinnen, mußte man
sich also nach der Breite ausdehnen und ent-
schied man sich unter diesen Umständen für
eine dreischifsige Kirche, geostet, und zwar,
auch mit Rücksicht auf den vorhandenen
Thurm, mit erhöhtem Mittelschiff. Der
Thurm kam aus die südliche Seite in die
Ecke zwischen Chor und Seitenschiff, ihm
gegenüber aus der Nordseite fand die Para-
menteukammer ihren Platz.

Die Neubauten sollten in srühgothischem
Style ausgeführt werden, welchem Styl sich
auch der viereckige Thurm mit seinen schlan-
ken , ins Achteck übergehenden Pyramiden
doch am besten anpaßte.

Die Decken vom Mittelschiff, Chor und
den Seitenschiffen erhielten die Form von

Kreuzgewölben mit vorstehenden Rippen,
konnten aber in Rücksicht auf die zur Ver-
fügung stehenden Mittel leider nur von Holz
gemacht und vergypst werden.

Das Dach des Mittelschiffs setzt sich über
den Chor fort und es fallen beide Firstlinien
in eine zusammen. Der Chor ist im Achteck
abgeschlossen.

Die Hauptabmessungeu der Kirche sind
mm folgende, im Lichte gemessen: Länge
des Mittelschiffes 20,55 m, Breite des Mit-
telschiffes 10,15 m, Höhe bis zum Wölb-
scheitel 12,8 m, Länge der Seitenschiffe
20,95 m, deren Breite 2,75 m, deren Höhe
bis zum Scheitel 6,50 m. Der Chor besteht
aus Unter- und Oberchor und hat eine lichte
Länge von zusammen 12,00 in, bei einer
lichten Breite von 8,30 in und einer Höhe
im Unterchor von 11,75 in. Der Fußboden
des Unterchores ist um 2 Trittstuseu höher
als der des Kirchenschiffes, der des Ober-
chors ist um eine Stufe höher als der des
Uuterchors.

Die Paramentenkammer ist im Lichte 4,2 in
laug und ebenso breit, über derselben befin-
det sich eine Geräthekammer, die Höhe bei-
der entspricht der des Seitenschiffes.

Der Boden des Kirchenschiffes ist um 2
Stufen höher gelegt, als das Terrain des
Kirchenplatzes, dieses ist ohnehin nach allen
Seiten von der Kirche abfallend planirt, so
daß die Kirche ganz trocken gelegen ist.
Rings um die Kirche ist ein Traufpflaster
geführt, und es sind die Dächer mit Dach-
rinnen und Abfallröhren versehen, welch
letztere in gepflasterte, das Wasser rasch vom
Gebäude wegleitende Kandel ausmünden.

Die äußere Höhe der Seitenschiffe vom
Terrain bis unter Dach beträgt 6,9 m, die
Höhe des Mittelschiffes bis unter Dach 13,3 m,
die Höhe der Mittelschiffwände über den:
Pultdach der Seitenschiffe beträgt 3,8 m,
Höhe des Chors bis unter Dach 13,9 m.
Auf der Westseite mußte, da der Kircheuplatz
daselbst um 5 m verglichen höher gelegen ist
als der vorbeisührende Ortsweg, eine eben so
hohe Fußmauer geführt werden, auf welche
die westliche Umsangswand der Kirche auf-
gesetzt worden ist, und es beträgt die Höhe
der westlichen Giebelseite vom Ortsweg an
bis zum Kreuz aus dem First des Mittel-
schiffes 24 in.

Am westlichen Ende des nördlichen Sei-
tenschiffes wurde im Achteck ein bis unter
Dach 6,8 rn hoher Thurm erbaut für eine
Wendeltreppe mit 2,5 m Durchmesser zur
Orgel- und.Säugerempore. Diese Wendel-
treppe ist vom Kirchenplatz abwärts, unter-
irdisch, fortgesetzt und mündet auf den Orts-
weg aus.
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