Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 1.1883

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Archiv für christliche Kunst.

Organ des Rottenburger Diozesan-Oereins für christliche Kunst.

verausgegeben und rediqirt von Dr. Fr. g. Schwarz in Lllwangen.

Verlag des Rottenburger Diözesan-Aunftvereins, für denselben: der Vorstand Dr. Fr. I. Schwarz.


Erscheint monatlich einmal. Halbjährl. für M. 1. 35 durch die württemb. (M. 1. 20
im Stuttg. Bcslellbezirk), M. 1. 50 durch die bayerischen und die Reichspostanstalteu, OO
73 kr. ö. W. in Oeyerreich, Frcs. 2. 50 in der Schweiz zu dezichen. Bestellungen 100^

iverden auch angenommen von allen Buchhandlungen, sowie direkt von der Expedition des JO*

„Deutschen Bolksblatts" in Stuttgart, Militärstr. 2 N, zum Preise von 'Di. 1. 35 halbjährl.

hänge hier gleich an den Thürchen selbst

Ueber den Ball des Tabernakels
und Tabernakelaltars.

III.

C. Der Tabernakel-Vorhang.

Noch ist das Conopeum d. h. der Vor-
hang zu besprechen, welcher den Taber-
nakel äußerlich verhüllen soll. Das Rit.
Rom. (de Ss. Eucharistiae Sacr.) schreibt
denselben vor, und das Rit. Aug. enthält
diese Bestimmung pag. 67: „Tabernacu-
lum conopeo decenter opertum“. S.
R. C. erklärt dasselbe Conopeum als vor-
geschrieben, 21. Juli 1855, und wiederum
28. April 1866, Mühlbauer I. 382 und
I. 955: „Tabernaculum tegendum est
conopeo juxta praescriptum Ritualis
Romani“. Soll daher ein den Vorschris-
ten entsprechender Tabernakel hergestellt
werden, so dars man das Conopeum nicht
weglassen. Für den Thronus ist der Vor-
hang nicht vorgeschrieben, sondern nur für
den eigentlichen Tabernakel. Der Thronus
kann an Thürchen und Wänden außen
reich mit Bildwerk u. drgl. ausgestattet
werden, ohne daß davon etwas zu verhül-
len ist. Der eigentliche Tabernakel aber
wird oben durch ein mehr oder weniger
kräftiges Gesims abgeschlossen und gegen
den Thronus abgegrenzt sein. Unter die-
sem Gesims können sehr wohl Vorbänge
sich hinziehen und den eigentlichen Taber-
nakel verhüllen. Damit aber auch hier
die Architektur nicht zurücktrete, kann man
wohl die hervorragenden Theile (Säulen,
Lisenen, Pfeiler, Strebepfeiler) an den
Ecken unbedeckt lassen und die dazwischen
liegenden Felder mit Vorhängen verhüllen.
Solche Vorhänge sind also anzubringen
an den beiden Seiten, bei freistehenden,
bloßen Tabernakelaltären, wohl auch an
der Rückseite, jedenfalls aber, als Doppel-
vorhänge, an der Vorderseite. Es wäre
aber, wenn auch bequem, so doch nicht
sinnvoll und schön, wenn man die Vor-

besestigen wollte. Zu beiden Seiten der
Thürchen bliebe eine bedeutende Fläche
unverhüllt. Darum ist es besser (?), daß
man über den Thürchen noch ein Thür-
sturzfeld habe, wo die Vorhangstange an-
zubringen ist. Das Zurückstreisen beim
Oeffnen und das Vorziehen nach dem
Schließen der Thürchen ist mit einer Hand-
bewegung geschehen. Dabei kommt auch
die etwaige äußere Ausstattung der Thür-
chen zum Vorschein.' Die Seitenflächen,
welche immer verhüllt sind, wird man
zwar eben deßhalb nicht mit Bildnereien
ausstatten, aber doch, dem Allerheiligsten zu
Ehren, in der Fassung so reich behandeln,
wie andere Theile, z. B. ganz vergolden.

Wir können versichern, daß ein Cono-
peum, in dieser Weise ausgeführt, sehr
gut wirkt. Dasselbe bringt durch die ge-
heimuißvolle Verhüllung dem Beschauer
sofort zum Bewußtsein, daß eben hier die
Wohnung des Herrn, das Wichtigste, der
eigentliche Tabernakel sei. Fehlt das Cono-
peum, so erscheint der eigentliche Taber-
nakel als etwas Untergeordnetes, weil der
Thronus durch Lage und Ausstattung,
auch geschlossen, sich mehr geltend macht.
Durch das Conopeum verliert der Thronus-
Ausbau nichts; aber der eigentliche Taber-
nakel gewinnt, was ihm gehört; und in
der That präsentirt sich das Ganze schöner,
wenn das Conopeum angebracht, als wenn
es weggelassen ist.

Weil das Conopeum so gut die Wohnung
des Herrn anzeigt, so ist es unerwünscht, daß
ein ähnlicher Vorhang einen oben besproche-
nen, leeren offenen Thronus verhülle; denn
hiedurch gienge die Bedeutung und Wirkung
eines nur den eigentlichenTabernakelbedecken-
den Conopeums verloren. Andererseits soll
eben deßhalb das Allerheiligste selten oder
nie in dem verschließbaren Thronus auf-
bewahrt werden, damit das Volk den Hei-
land einzig in dem mit dem Conopeum
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