Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 1.1883

Seite: 79
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borium innerhalb des Tabernakels möglich
ist. Jedenfalls thnt man gut, die Thür-
chen so einzurichten, daß sie im geöffneten
Instand die Capitäle der vorgelegten L-äul-
chen nicht berühren.

' Der Verfasser der Artikel über den
Tabernakelbau schlägt vor, die Thürchen
im Rundbogen zu schließen, weil sie in
dieser Gestalt das Conopeum selbst leicht
Zurückschlagen. Wir sind damit einverstan-
den, wenn dadurch keine gefährliche Erhöhung
des ganzen Tabernakels bedingt wird. Ihr
Vorzug vor dein geraden Abschluß wird
aber nicht sehr namhaft sein.

Die in den artistischen Beilagen ange-
nommene Höhe des Tabernakels beträgt
61 cm. Sie dürste wohl in allen Fällen
ausreichen. Sollte aber eine außerordent-
liche Höhe der zu verwahrenden Gesäße
eine Ausnahme fordern, so wäre sie bei
unserer Anlage noch nicht ausgeschlossen,
nur müßte bei der Exposition des Aller-
heiligsten ein Schemel mit zwei Stufen
gebraucht werden. Doch davon später.

Was endlich die Ausschmückung des
Tabernakels betrifft, so sorge man dafür,
daß die Thürchen und die Nebenwände ver-
goldet und mit polychromirten Verzierun-
gen, plastisch oder bloß gemalt, dekorirt
werden. Auf vergoldete Metallarbeit bei
den Thürchen sollte nach Kräften Bedacht
genommen werden. Der Tabernakelschlüssel
sollte von Messing und vergoldet ‘ sein,
wenigstens der Griff. Letzterem gebe man
zugleich eine stylisirte, durchbrochene Füllung.
Durchbrochen muß sie sein, damit Gold-
schnur und Quaste befestigt werden können.
Die innere Ausschmückung mit weißer Seide
befestige man an vergoldeten Messingstangen
nach Art der Vorhänge oder Teppiche, nicht
nach der der Tapeten. So kann der ver-
altete Stoff leicht ausgewechselt werden.
Nur der Stoff am Plafond des Tabernakels
möge mit vergoldeten Messingnägeln be-
festigt werden. Der Stoff muß aus Seide
sein, Damast, Lampas oder Brokat. Sticke-
reien oder Goldbrokat sind natürlich werth-
vollere Zierde, auch nicht so unerschwing-
lich. Von bem allertheuersten und kost-
barsten Goldbrokat, den wir kennen, würde
die innere Bekleidung unseres Tabernakels
ca. 302 Al. kosten, vom geringsten Drap
do’r fin ca. 68 M., vom besten 210 M.,
von Lampas oder Brokat erster Qualität

ca. 47 M., von Damast noch billiger, Ver-
mittlung des Klosters Bonlanden oder
Heiligenbronn (Württemberg) vorausgesetzt.

lieber die Farbe des Conopeums
(II A 2 und I B 2) ist oben S. 70,
Sp. 1 das Nöthige gesagt. Aermere Kirchen
können sich demgemäß immer mit einer
Farbe, der weißen nämlich, behelfen. Für
die Größe der von uns angenommenen
Tabernakelthüren kann man nur zur Noth
mit 1 m Stoff von 54 cm Breite aus-
kommen, gut aber, wenn die Thürchen um
je 2—3 cm schmäler gemacht werden. Das
ist im höchsten Falle eine Ausgabe von
12 M., ausschließlich der Fransen und des
Arbeitslohnes. Unter dem Hauptgesims
des Tabernakels ist eine nicht gar zu schwache
vergoldete Messingstange zu befestigen, selbst-
verständlich über den Tabernakelthüren;
an beiden Enden derselben ist ein kleiner,
ans der einen Seite abznschraubender Knopf
befestigt. Die Messingschranben, gleichfalls
vergoldet, sollen vorn eine kreisförmige
Schlaufe haben, durch welche die Stange
gesteckt und dann an dem einen Ende fest-
geschraubt werden kann.

6. Der Thr onus. Die Richtigkeit
der vom „Archiv" in Gemäßheit der kirch-
lichen Bestimmungen verlangten höheren
Lage des Thronus (über dem Tabernakel)
wird, wie wir oben S. 77 schon gemeldet
haben, bestritten. Die Angnstnnmmer 1883
S. 104 des „Pastoralblatts für die Diözese
Rottenburg" vertheidigt und empfiehlt die
Anlage des Thronus in gleicher Höhe mit
dem Tabernakel; ihm zufolge soll die Expo-
sition vor den Tabernakelthüren ans einer
Eonsole geschehen; über den Thürchen soll
ein „Baldachin" angebracht sein, der aber
mehr nicht wäre, also eine Bekrönung aus
Holz, ohne den seidenen Teppich an der
Rückwand und den Nebenseiten. Diesem
Postulat folgt dann ein scharfer Tadel
gegen diejenige Form des Thronus, welchen
wir in der Beilage zu Nr. 9 des „Archivs"
unter Fig. I A und I C gegeben haben
und welcher im Lause der letzten acht Jahre
in der Diözese Rottenburg und anderwärts
öfters ausgeführt worden ist. Da wir
eine gründliche Diskussion, durch sie aber
auch eine volle Verständigung anstreben,
so müssen wir die Tadelsworte selbst an-
führen.
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