Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 2.1884

Seite: 8
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so kann ihr ohne Aenderung der Komposition
wohl Rechnung getragen werden. Das ist
klar, daß alles vermieden werden muß, was
dies wichtige, messianische Ereigniß in's Genre-
hafte Herabdrücken, um Hoheit und Würde
bringen würde. Man stelle insbesondere den
Heiland dar, ganz gekleidet, nur ohne Ober-
gewand, das nach der schönet: Tradition die
Engel am Ufer halten. Das klebrige ordnet
sich nach dem oben Gesagten von selbst; es
mag nur noch angefügt werden, daß sowohl
der Hirsch als die Fische, wo sie gut ange-
bracht werden können, der schönen symbolischen
Idee wegen beibehalten zu werden verdienen.

P. Keppler.

^lliszellen.

(Kanontafeln.) In Nr. 6 des „Archivs"
1883 S. 46 haben wir im Interesse der leichte-
ren Ausführung eines bequemen Tabernakel-
altars vorgeschlagen, die Kanontafeln niedriger,
aber breiter, daher — um den nöthigen Raum
zu gewinnen — in Form des Diptychon und
Triptychon herzustellen. Nicht ohne Zagen haben
>vir das vorgeschlagen, aus Furcht, etwas Unge-
wöhuliches und Neues aufzubringen. Mittler-
weile ist ein solches Triptychon im Styl der
deutschen Spät-Renaissauce in unseren Besitz ge-
kommen. Das Ganze ist von Holz, die Mittel-
tafel 38,5 cm hoch und 28,5 cm breit; die Flii-
gel haben je die Hälfte dieser Maße. Auf dem
Mittelstück sind bloß die Worte: qm pridie bis
Haec quotiescunque etc. des Kanons, aus Pa-
pier gedruckt, schwarz, die Konsekrationsworte
roth kolorirt, rings von einem Cyklus von in
Kupferstich ausgeführten und sauber kolorirteu
Bildern umrahmt, oben die Kreuzigungsgruppe
mit Jerusalem im Hintergründe, unten das letzte
Abendmahl nach Leonardo da Vinci; die Seiten-
flächen sind oben rechts und links mit den Brust-
bildern der Evangelisten, unten mit denen der vier
alten lateinischen Kirchenlehrer, in der Mitte niit
den ganzen Bildern, links Melchisedechs, rechts
St. Pauli, geziert. Jenes hat unter sich den
Text Gen. 14: Melchisedech Rex Saiem profe-
re.ns panem et vinum etc., dieses 1. Corr. 11:
Ego enim accepi a Domino etc., Gloria und
Credo sind auf dem linken, die Gebete zur Opfe-
rung auf dem rechten Flügel, außer diesen noch
die drei Gebete vor der Kommunion, das Ela-
ceat tibi sancta Trinitas und das Asperges be-
ziehungsweise Vidi aquam mit Bersikel und Ova-
tion. Sechs Initialen im Typus einer früheren
Renaissance, in Gold und Farben, zieren den
Text. Die Außenflächen der Flügel sind von
gerippten Rahmen eingefaßt und sinnig bemalt,
in der Mitte in Medaillons mit den Namen
Jesu nnb Maria und den Leidenswerkzeugen,
links oben ist Kreuz und Leiter, unten Lanze
und Rohr mit dem Schwamm, rechts das Spott-
szepter und Ruthe, Geißel und Geißelsäule, lin-
ier den Bildern verrathen mit den Initialen be-
sonders die Figur Melchisedechs und St. Pauli
eine Meisterhand und erinnern an die Zeit Mitte

dys siebenzehnten Jahrhunderts, wo nicht an
eine frühere. Der Vorschlag, für Kauoutafeln die
Triptychon-Form zu wählen, ist also nichts weni-
ger als eine Neuerung.

(Amerikanisches, Altaria portatilia
betreffend.) Von hoher Hand erhalten wir fol-
gende, aus erster und bester Quelle geschöpfte
Mittheilung: „Um Ihnen die Bürde des „Ar-
chivs" zu erleichtern, muß ich Ihnen mittheilen,
daß auf eine Anfrage eines amerikanischen Bi-
schofs, ob bei Konsekration eines Portatile harter
Kitt statt eines Steines als Sigillum benützt
werden darf (dieser amerikanische Kitt ersetzt ob
seiner Härte jeden Stein), Rom geantwortet hat:
Negative. Da nun die A nzahl der nur mit Kitt
verschlossenen Portatilien in Amerika eine sehr
bedeutende ist, hat der hl. Vater die Jndulgenz
ertheilt, daß die Priester, insofern ein Bischof die
Funktion kaum vornehmen kann, den Fehler
saniren dürfen durch Einfügung eines steinernen
Sigillums nach Vornahme der (vom Fontif.
Rom.) vorgeschriebenen Salbung desselben. So
viel erfuhr ich durch den Herrn Erzbischof von
. . ." — Also nicht einmal ein so ausgezeich-
netes Surrogat geht an, nur Stein, und zwar
gesalbter Stein, nicht etwa bloß für die Platte
des Portatile, sondern auch für das kleine Plätt-
chen des Sepulchrnms, das sogenannte Sigillum.
Umsoviel weniger können andere, wesentlichere
Abweichungen von Materie und Form bei Her-
stellung und Konsekration bestehen. Daß Rom
eine neue Konsekration, beziehungsweise die
Vollendung der ersten unvollkommenen vor-
schreibt, und zwar unter so außergewöhnlichen
Umständen, beweist, daß die bisher gebrauchten
Portatilien als liturgisch nicht legitime Altäre
angesehen wurden. Das Beste und einzig Sichere
ist also, ohne Umschweife und ohne neue Abwege
zur rechten Materie und Form znrückznkehren.'

Wir müssen einen bedauerlichen Druckfehler
verbessern. In Nro. 12 des „Archivs" von 1883
sind Seite 100 vorletzte Zeile nach den Worten:
„M. 1. 35" zu ergänzen: ,,fiir je ein Halb-
jahr". Wir geben die ganze Ankündigung in
folgendem richtig gestellt noch einmal.

Von Nr. 1/6 des „Archivs" (I. Semester 1883),
deren erste Auflage gänzlich vergriffen war, ist eine

Etucitc Auflage

veranstaltet worden, und es können daher voll-
ständige Exemplare best ganzen Jahrgangs
durch die Post, durch alle Buchhandlungen oder
gegen Einsendung von M. 1. 35 für je ein
Halbjahr oder Dt. 2. 70 ganzjährig direkt von
der Exped. ds. Bl. jederzeit bezogen werden.

Beschwerden wegen unregelmäßigen Eintreffens
des „Archivs" bitten wir höfl. an diejenige
P o st - A n st a l t richten zu w o l l e n, b e i w e l-
cher die Bestellung gemacht wurde. Feh-
lende Exemplare werden auf Reklamation hin
von der Post unentgeltlich nachgeliefert. Sollten
aber diessallsige Beschwerden erfolglos bleiben, so
wolle man sich gefl. unter genauer Angabe
des Sachverhalts an die Expedition des
„Archivs" wenden.

, Stuttgart, Buchdruclcrci der Akt.-Ges. „Deutsches Votksbtatt".
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