Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 2.1884

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Archiv für christliche Runst.

Mrgan des Rottenburger Diözesan-Vereins für christliche Runst.

Lserausgegeben und redigirt von Dr. Fr. I. Schwarz in Lllwangen.

Verlag des Rottenburger Diözesan-Runstvereins, für denselben: der Vorstand Dr. Fr. g. Schwarz.

Or. z.

Erscheint monatlich einmal. Halbjährl. für M. 1. 35 durch die württemb. (M. 1. 20
im Stuttg. Bcstellbezirk), M. 1. 50 durch die bayerischen und die Reichspostanstalten,
Frcs. 2. 50 in der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden auch angenommen von
allen Buchhandlungen, sowie direkt von der Expedition des „Deutschen Bolksblalts" in
Stuttgart, Militärstr. 2E, zum Preise von M. 1. 35 halbjährlich.

1884.

Monumentale Malerei.

Zur Geschichte d e r s e l b e u.

(Fortsetzung.)

In Schwaben sind, seit man den alt-
ehrwürdigen Baudenkmalen wieder mehr
Aufmerksamkeit zu schenken begonnen, in
ungefähr 60 Kirchen Wandmalereien ent-
deckt worden, darunter ein riesiges Gemälde,
das letzte Gericht darstellend, am Triumph-
bogeil des Münsters in Ulm, nebst anderen
Wandgemälden daselbst, ein Beweis, daß
auch in Kirchen von so großen Dimensionen
und reichster Architektur der Farbenschmuck
nicht fehlte. Es bedeckt einen Flächenraum
von 1666 Quadratfuß (württ.) = 135
Quadratm., steht also an Größe dem jüngsten
Gericht Michael Angelo's in der Sixtinischen
Kapelle in Rom nur um weniges nach
(144 Quadratfuß württ. — 11—12 qm).
Erst im Jahre 1817 wurde dasselbe aus
Anlaß der Reformationsjubelfeier in Folge
einer Weisung des evangelischen Konsi-
storiums übertüncht, aber 1879 wieder
freigelegt und restaurirt. Von den Ver-
hältnissen kann man sich eine Vorstellung
machen, wenn man weiß, daß der auf dem
Richterstuhl sitzende Christus nahezu drei
Meter hoch ist, und daß das ganze Bild
213 Köpfe enthält. Von den neuestens ent-
deckten nennen wir der Kürze halber nur Oed-
heim, Passionsbild in der Thurmhalle, Gnn-
delsheim (Georgskapelle), Klein-Komburg,
Plochingen, Geislingen, Haisterkirch, ein
weiteres Gemälde in Bebenhausen, Gottes-
ackerkirche in Schelklingen, Pfarrkirche
Muhringen, Kapelle in Bronnen, Pfarr-
kirche in Schützingen und Oberstadion.
Weitere Nachforschungen fördern sicher noch
manches Kunstwerk zu Tage. Das Gleiche
ist auch in den übrigen Theilen Deutsch-
lands und der angrenzenden Länder der
Fall, wie die neueren Entdeckungen be-
weisen. Von den in den letzten 10 bis

12 Jahren entdeckten nennen wir: Apostel-
. kirche in Köln (altes Wandgemälde aus
dem Uebergang vom romanischen in den
gothischen Styl hinter einem Seitenschiff-
Altar) , mehrere sehr alte Wandgemälde
in der Ordenskirche in Marienburg, Dallen-
stein bei Eichstädt, Karthäuserkirche in Basel,
ehemalige Dominikanerkirche in Bern, Flu-
menthal in Solothurn, Maria in 3. Lelvn
bei Locarno, St. Peter und Paulskirche
in Weißenburg im Elsaß, die ganz gemalte
Schloßkapelle in Bruck bei Lienz im Puster-
thale, Abteikirche Marienstadt im Spessart,
jetzt vom Blitz eingeäschert, die Gemälde
aus dem Kreuzgang des Klosters Rebdorf
bei Eichstädt, jetzt mit viel Geschick abgelöst
und im Nationalmuseum in München,
äußere Chorwand der Jakobskirche in
Wasserburg am Inn, Kirche zu Fekete-Arto,
Szathmarer Diözese in Ungarn, Frauen-
wörth Chiemsee, Filialkirche in Niederhofen,
Kirche in Dausenau, Muttergotteskapelle
bei St. Peter Wyl (St. Gallen), die
Kirchen St. Hans und St. Olai in der
Stadt Hjorring in Jütland, Johanniskirche
in Brixen, Schloßkapelle in Petschau
(Oesterr.), ein Bauwerk des 15. Jahr-
hunderts mit vollständiger ursprünglicher
Bemalung; werthvolle Wandgemälde im
Dom in Münster, 1877 restaurirt; spät-
gotischer Chor mit Wandgemälden in
Roth; Jesnitenkirche in Rheinfelden; Pfarr-
kirche zu Katzow bei Wolgast in Pommern,
Johanniskirche in Schafshansen, Mosaik-
gemälde der altchristlichen Periode in der
Domkirche von Triest (jetzt erneuert), Dom
in Schwerin, Kirche in Kappel (Zürich),
Vreden in Westphalen (Gewölbemalerei),
St. Martinskirche in Freiburg (Baden),
Mühlfrauen in Mähren, Kirche Maria
Kulm bei Schladming. Aus Vollständigkeit
machen wir bei dieser Aufführung nicht
entfernt Anspruch. Nur Martin Luther
soll uns noch ein Zeugniß ablegen von
dem, was er seiner Zeit noch in den Kirchen
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