Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 2.1884

Seite: 23
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0.5
1 cm
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melöffnungen zur Rundung ab. Es ist nämlich
durchaus nöthig, nicht geometrisch, sondern
durch Probe zu berechnen, um wie viel
die den Aermel bildenden Leinwandstücke
durch die curvenartige Ausweitung des
Armes und des Aermels verkürzt werden.
Diese Verkürzung muß bei der untern Ab-
rundung in Rechnung gebracht werden,
sonst zieht sich das Kleid an der Stelle
unter den Aermeln sich verkürzend in die
Höhe, was sehr unschön ist.

Alsdann messe man die Aermelweite b i
oder b m nach Maß ab. Um den Aermelschnitt
für jede Größe zu erhalten, verfahre man
also: Man kennt das Maß des Kleides

von einer Aermelspitze zur andern; es ist
die Breite des Mannes von einer Finger-
spitze zur andern, die für jeden einzelnen
Fall nach Maß genommen werden muß.
Man gebe eher noch einige Centimeter ans
jeder Seite zu, besonders wenn die. Lein-
wand fein ist. Man schlage alsdann eine
Schnur von der Hälfte dieses Maßes in
dem Mittelpunkt v des in richtiger Größe
zu schneidenden Musters an und ziehe mit
einer am andern Ende der Schnur be-
findlichen Bleiseder den Bogen f k (oder r s)
unserer Beilage Fig. A, oder darüber
hinaus und zuletzt eine gerade v i k (oder
v m s) durch den untern Punkt des Aermel-
schnitts.

Alles klebrige, Anfassen, richtige Be-
handlung der Schulter, des Einschnittes
ans der Brustseite, der Hals-Einfassung
und dgl. ist für sich klar. Daß die Maße
in jedem einzelnen Falle genau genommen
werden müssen, insbesondere auch für den
Hals-Ausschnitt, ist selbstverständlich, be-
sonders, wenn die Anforderung gestellt wird,
daß das Kleid in allen Stücken gut gehe.

Gavantus macht die Bemerkung, das
Superpelliceum soll an keinem Theil zu
sehr verziert sein (a nulla parte neque
nimis affectata artificiosi operis ele-
gantia elaboratum, abhumerispraesertim
non specioso artificii ornatu.) Da der
Traktat (schon früher vom Bischof Carl
von Rovara verfaßt) vom hl. Carl Borro-
mäus recipirt, vom 3. Mailänder Conzil
gutgeheißen und vom hl. Stuhl bestätigt
wurde, so muß man auch dieser Bemerkung
die gebührende Beachtung schenken. Wir
glauben das in den beigelegten Verzieruugs-
mustern der Beilage Nr. 1 zu dem untern

Saum, Nr. 2 für die Aermel und Nr. 3
für die Verzierung des Schlitzes im Vorder-
theil, vielleicht auch der Umsäumung des
Halsausschnitts gethan zu haben, besonders
im Hinblick ans die bei uns übliche zum
Theil sehr umfang- und farbenreiche Deko-
ration. Wir denken sie uns mit silber-
grauem feinem Faden, höchstens in gleich-
farbiger Seide im Tamburinstich ansgeführt.
Man kann Nr. 2 auch zum untern Saum
oder sonst einzelne Theile nach Belieben
passend verwenden.

Für das Röchet braucht man 4 Breiten
einer 85 Centimeter breiten (seinen) Lein-
wand zusammengesügt ohne weitern Zu-
schnitt, am Hals eingefaßt, in die Rundung
zugeschnitten, wie oben beschrieben wurde,
Aermel wie bei der Alba. Bei der untern
Abrundung muß man ebenfalls die beim
Superpelliceum geforderte Vorsicht anwen-
den und das probeweise angelegte Gewand
nach dem Augenmaß abrunden.

Schwa r z.

Korrespondenz.

Jüngst untersuchte ich vermittelst leichter Ham-
merschläge den Chor der hiesigen Kirche zum hl.
Johannes dem Täufer (in Haisterkirch, OA.
Waldsee, Württemberg. Siehe „Archiv" 1883
S. 34) auf Malereien. Neben regelmäßi-
gen Baudbordiireu an den zugemanerten Fen-
sternischen und Verzierungen, die mit den
Gurtenausläufern parallel gehen, sowie der in
Gold und tiefem Blau gefaßten Ausläufer selbst
und der Schlußsteine fand ich zu meinem
nicht geringen Erstaunen ein, wenn auch ziemlich
destruirtes, doch noch gut kennbares Wandgemälde
von 4 m Höhe und 3 in Breite. Dasselbe be-
findet sich, 3 in über dem Fußboden beginnend,
an der nördlichen Blendmauer im mittleren Bogen-
felde des Chors. Sein Gegenstand ist die Aufer-
stehung des Heilandes. Die 85 cm hohe Chri-
stusfigur schwebt zwischen zwei gothischen Fialen,
die über seinem Haupte durch einen s. g. Esels-
rücken, der sich in einer Kreuzblume zuspibt, in
Verbindung stehen. Von diesem technischen Orna-
ment hängen zu beiden Seiten des Auferstande-
nen zwei verschiedene Geißeln als Marterwerk-
zeuge herab. Die Christusfigur ist ganz und
unversehrt eihalten. Sie hält die Linke siegreich
in die Höhe, während ihre Rechte auf die strah-
lende Seitenwunde hindeutet. Außerhalb der
genannten gothischen Einfassung befinden sich zu
beiden Seiten, in einer Entfernung von 30 cm
je ein Cherub mit weit in die Höhe gereckten
Flügeln. Dieselben sind ungemein zart und
schlank mit langer weißer Gewandung und über
der Brust gekreuzter Stola, deren Enden sich in
die Falten des Kleides verlieren. Der zur Lin-
ken hält mit der einen Hand einen Stab auf-
recht, an dessen Ende sich etwas befindet, worin
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