Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 2.1884

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Archiv für christliche Aunst.

Organ des Rottenburger Diözesan-Vereins für christliche Kunst.

Uerausgegeben und redigirt von Dr. Fr. g. Schwarz in Lllwangen.

Verlag des Rottenburger Diözefan-Runftvereius, für denselben: der Vorstand Dr. Fr. I. Schwarz.

Erscheint moncukich einmal. Halbjährl. für Dt. I. 35 durch die württemb. (M. 1. 20
im Siuitg. B.csiellbczirk), M. i. 50 durch die bäuerischen und die Rcichsposianstallen,

4Frcs. 2. 50 in der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden auch angenommen von
* allen Buchhandlungen, sowie direkt von der Expedition des „Deutschen Volksblatts" in
Stuttgart. Militärstr. 2E, zum Preise von M. l. 35 halbjährlich.

1884.

Monumentale Malerei.

(Fortsetzung.)

2. Technik.

Es ist nicht zu leugnen, daß die monu-
mentale Malerei manchen Schwierigkeiten
unterliegt und daß ihre Produkte vielen
Gefahren ausgesetzt sind. Das Streben,
die einen zu erleichtern und die andern zu
verringern, um längere Dauerhaftigkeit zu
erzielen, hat verschiedenen Arten des techni-
schen Verfahrens ihren Ursprung gegeben.
Davon Kenntniß zu haben, ist auch für
den Laien in der Kunst nöthig, damit er
im Stande sei, vorkommenden Falles mit
selbständigem Urtheil für seine Bedürfnisse
diejenige Technik zu wählen, welche nach
Lage der Sache anl meisten entsprechen
dürfte. Wir können also unfern Lesern
ein kurzes Eingehen in diese Materie nicht
ersparen.

Die verschiedenen Arten der bis jetzt an-
gewandten Technik sind: die Freskomalerei,
die Kalkfarben-Malerei auf trockenem Grund,
die Enkaustit-, Tempera-, Stereochromie-
und Mineralmalerei.

a. Freskomalerei, Malerei al fresco,

d. h. Malerei mit Wasserfarben auf frischem,
wasserhartem Kalkgrund. Die ältesten
Kulturvölker haben sich dieser Technik be-
dient; von den in Pompeji und Hercn-
lannm ausgegrabenen unb von den Wän-
den abgelösten Fresken bewahrt das Mu-
seum in Neapel, jetzt museo nazionale
genannt, eine große Zahl. Von Seiten
des Malers ist wegen der besondern Technik,
welche rasches Malen ans den feuchten
Obergrund erfordert, die Fertigung durch-
gearbeiteter Kartons und einer Farben-
skizze in Oel- oder Aquarell-Farben er-
forderlich. Die Zubereitung der Mauer-
fläche beginnt mit der Auftragung des
Untergrundes auf die Mauer, welche rauh
mit Spitzhammer hergerichtet oder reichlich

gefugt sein soll, wie eine Backsteinmauer,
damit der Untergrund gut halte. Für
Neubauten ist die Mahnung zu beachten,
daß der Rohbau vor Auftragung des
Untergrundes vollständig ausgetrocknet sein
muß, weil die Feuchtigkeit jedes Gemälde
zerstört. Soll in alten Kirchen oder Ge-
bäuden mit feuchten Wänden gemalt werden,
so ist der feuchte Verwurf wegzuschaffen,
sogar die Fugen sollen von ihm gesäubert
werden. Der Untergrund oder erste Bewurf
ist alsdann nach den gewöhnlichen Regeln
aufzutragen. Der Mörtel soll nicht zu fett,
sondern mehr sandhaltig sein, um das Sprin-
gen des Bewurfs zu verhindern. Es taugt
auch nicht jeder Sand, er muß zuvor tüchtig
geschlemmt und getrocknet werden. Der
Untergrund ist so dick auszutragen, daß
alle Unebenheiten der Mauer verschwinden;
eine von Vertiefungen und Erhöhungen
mißstaltete Wand taugt überhaupt nicht
zum Malen, weil der daraus ablagernde
Staub jedes Gemälde verunziert.

Wenn der Untergrund getrocknet ist, so
beginnt die Arbeit des Freskomalers mit
Befestigung des Kartons an der zu bemalen-
den Wandfläche tu der Art und Weise,
daß derselbe, oben befestigt und aufgerollt,
nach Belieben über die Fläche herabge-
lassen werden kann. Alsdann trägt der
Gypser den ans einem nicht frisch gelöschten
Kalk und feinem, vollständig geschlemmtem
Flußsand bestehenden Mörtel den Ober-
oder Malgrund auf, aber nur auf einer
Fläche, welche der Maler an einem Tage
fertig zu malen im Stande ist, und zwar
an der Stelle, und so fort in der Reihen-
folge, welche der Maler bezeichnet, weil
immer auf frischen Grund gemalt werden
muß und nur die Farbe fixirt wird, welche
auf frischen Grund aufgetragen ist. Aus
solche Weise wird der Grund stückweise
jeden Tag hergestellt. Ist der Maler nicht
im Stande, die für einen Tag zubereitete
Fläche zu bemalen, so muß der Rest voll-
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