Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 2.1884

Seite: 26
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ständig entfernt und andern Tags frisch
aufgetragen werden und so fort bis zur
Vollendung.

Wenn sodann der Malgrund wasferhart
ist — was nach 1—2 Stunden geschieht,
so läßt der Maler den Karton auf die
frischbeworfene Stelle herab und zeichnet
die Contouren in den weichen Malgrund,
indem er mit einem spitzigen beinernen
Griffel den Linien des Kartons nachfährt.
Dieser übertragene Karton und die Farben-
skizze sind die einzigen Unterstützungsmittel
für eine möglichst rasche und genaue Aus-
führung.

Dieses umständliche Verfahren vertheuert
die Freskomalerei; aber es ist nicht die
einzige Schwierigkeit. Der Maler kann
bei dieser Technik die Farben nicht ver-
treiben. Er muß daher dieselben in allen
Abstufungen jeden Tag, wie er sie braucht,
von dem dunkelsten bis zum hellsten Ton
bereiten und sie in der von der Farbenskizze
diktirten Reihenfolge mit feinen Strichen
aneinanderreihen. Das Mischen der Farben
und das Abstufen vom dunkelsten bis zum
hellsten Ton geschieht mit Zusatz von —
— nicht frisch — gelöschtem Kalk. Da sich
ein Fehler nicht oder nur sehr schwer ver-
bessern läßt, so kommt viel darauf an, den
Ton der getrockneten Farbe zum Voraus
zu kennen. Zu diesem Zweck wird empfoh-
len, die ganze Skala der Farben in derselben
Reihenfolge, wie sie ans der Palette liegen,
ans Stücke von glatt geschabtem Umbrann
aufzutragen, welches das Wasser schnell
einsaugt, somit den Ton der getrockneten
Farbe zu erkennen gibt. Das weitere Ver-
fahren von der Ausziehnng der eingekritzelten
Contouren mit Farben bis zur Vollendung
ist Sache des Malers.

Zur Freskomalerei können nur erdartige
Farben verwendet werden; Farben aus
Pflanzenstoffen oder Mineralien werden vom
Kalk angegriffen, zerstört oder verändert.

In Ansehung der kräftigen Wirkung,
besonders in großen und weiten Räumen,
gebührt der Freskomalerei wohl die erste
Stelle. In dieser Art sind in neuerer
Zeit die wohl allen unfern Lesern bekannten
Gemälde von Heinrich Heß in der Basilika
zum hl. Bonifazius und in der Aller-
heiligen-Kirche in München, das große Ge-
mälde von Cornelius in der St. Ludwigs-
kirche ebendaselbst, das jüngste Gericht

darstellend, einige Malereien von Steinle
im Dom zu Köln ausgeführt, nichts zu
sagen von vielen andern in Profangebäuden,
in der Glyptothek in München, an der
neuen Pinakothek daselbst und vielen andern.
Was aber ihre Dauerhaftigkeit betrifft, so
haben Thatsachen erwiesen, daß die dem
Einfluß der Witterung ausgesetzten Fresken
ihrer endlichen Zerstörung nicht entgehen.
Selbst in gedeckten Räumen haben sich
Fresken unter ungünstigen Verhältnissen
in verhältnißmäßig nicht sehr langer Zeit
angegriffen erwiesen. Das Bindemittel der
Farben, oder vielmehr das sie schützende
Element ist eine feine Kruste von kohlen-
sanrem Kalk, in welchen sich der Aetzkalk unter
Einwirkung der Kohlensäure der Luft um-
wandelt. Ist dieses Bindemittel zerstört,
so verschwinden die alsdann leicht löslichen
Farben in kurzer Zeit.

b. Mischung der Farben mit
Leim. Dieses Bindemittel ist manchfach
angewendet worden. Wir nennen es jedoch
nur, um davor zu warnen. Mischt man
viel Leim unter die Farbe, so springt sie
leicht auf, blättert sich und fällt ab; nimmt
man wenig Leim, so wird die Farbe unge-
nügend gebunden und alle Töne entfärben
sich. Zn gewissen Zeiteil — bei raschem
Temperaturwechsel — wird jede Kirche
wenigstens vorübergehend feucht; in der
Feuchtigkeit löst sich der Leim mehr oder
weniger ans und die Farbe ist leicht ab-
wischbar. Ein solches Werk hat keinen
Bestand.

c. Malerei mit Kalk- Farb e n
a ll f trockene m G r ll n d — al secco.
Zwar läßt sich diese Farbe anfänglich auch
nicht schwer abwischen, aber mit der Zeit
wird sie immer dauerhafter; nach der Be-
hauptung Mancher soll sie sogar dauer-
hafter fein, als die lnittelst anderer Binde-
mittel. Ueberdies ist die Zubereitung des
Malgrundes höchst einfach. Ist z. B. eine
bisher weiß getünchte Kirche zu bemalen,
so ist vor allem nothwendig, die Wand-
flächen frisch zu übertünchen, um alle Un-
gleichheiten zu beseitigen. Unebene Stellen
müssen zuvor mit einem Verputz versehen
werden. Soll eine schon vor längerer Zeit
getünchte, trockene Wand frisch getüncht
werden, so ist es gerathen, der Kalkmilch
ein wenig Alaun zuzusetzen, damit sie
besser eindringe. Ist die frische Tünche
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