Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 2.1884

Seite: 37
DOI Heft: 10.11588/diglit.15860.24
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15860.25
DOI Seite: 10.11588/diglit.15860#0041
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1884/0041
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Archiv für christliche Kunst.

Organ des Rottenburger Diözesan-Vereins für christliche Kunst.

kierausgegeben und redigirt von Dr. Fr. I. Schwarz in Lllwangen.

Verlag des Rottenburger Diözesan-Runstvereins, für denselben: der Vorstand Dr. Fr. g. Schwarz.

Or. 5.

Erschein! monatlich einmal. Halbjähri. für M. 1. 35 dnrch die würlicmb. (M. 1. 20
im Stuilg. Bcstcllbczirk), M. 1. 50 durch die bayerischen und die Reichspostanstaltcn.
Frcs. 2. 50 in der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden auch angenommen von
allen Buchhandlungen, sowie direkt von der Expedition des „Deutschen BotksblattS" in
Stuttgart, Militärstr. 2E, zum Preise von M. 1. 35 halbjährlich.

1884.

Monumentale Malerei.

2. Technik.

(Fortsetzung.)

f. Die Stereo ch r omie. Bei ihr
wird das Bindemittel nicht unter die Farbe
gemischt, sondern nach dem Malen auf
das Bild aufgetragen. Es besteht in dem
sogenannten Wasserglas (kieselsaures Kali),
von Pros. Fuchs in München erstmals
dargestellt (1825) und dann von Maler
Prof. Schlotthauer ans die Wandmalerei
angewendet. Der Malgrund wird wie bei
der Freskomalerei von Mörtel mit wenig
Kalk hergestellt, dann, nach vollständigem
Anstrocknen, unter Anwendung von destillir-
tem Wasser mit einem rauhen Sandstein
abgeschlissen, aus daß eine Flüssigkeit leicht
eindringe. Dieses Ausspritzen von destillir-
tem Wasser geschieht mittelst einer von
Schlotthauer erfundenen Staubspritze un-
mittelbar vor dem Beginn des Malens
und wird wiederholt, wenn die zu malende
Fläche vor der Vollendung eintrocknet.
So bleiben die Farben in ihrer natürlichen
Frische. Unmittelbar nach Vollendung des
Bildes wird dasselbe unter Anwendung
der Staubspritze mit einer Mischung von
Wasserglas und destillirtem Wasser bespritzt.
Dieses Verfahren wird, so oft die Flüssig-
keit von der Wand anfgesangt ist, so lange
wiederholt, bis die Farben gut sirirt sind.
Auf diese Weise wird ans künstlichem Wege
eine glasharte, durchsichtige Kruste erzeugt,
ähnlich derjenigen, welche sich bei der
Freskomalerei durch Einwirkung der Kohlen-
säure der Luft aus den Kalk bildet.

Diese Maltechnik wurde mit großen Er-
wartungen ausgenommen; man glaubte
sogar, sie werde in kurzer Zeit alle übri-
gen bei der Monumentalmalerei gebrauchten
verdrängen. Unter andern bedienten sich
Kaulbach ihrer für die Gemälde im Treppen-
haus des Berliner Museums, Echter,

Piloty und Dietz bei den großen historischen
Bildern an der Außenseite des Marimiliane-
ums in München. Allein der Erfolg hat
diese Erwartungen nicht bestätigt. Der
fixirende Wasserglas-Ueberzng wird leicht
blind, und in Folge dessen nimmt seine
Durchsichtigkeit ab; einzelne Farben, Ul-
tramarin , Umbrann, Schwarz sind der
Zerstörung leicht zugänglich. Die Gemälde
am Maximilianeum in München und viele
andere gehen ihrem Verfalle entgegen. Nach
solchen Erfahrungen dürfte diese Maltechnik
ans eine Zukunft wohl nicht zu hoffen haben.

g. Die Mineralmalerei. Es ist
demnach nicht zu verwundern, wenn die
mit dem kieselsauren Kali als Fixirnngs-
mittel gemachten Proben zu weiteren Unter-
suchungen ans dem eingeschlagenen Wege
Anlaß gaben. Dieselben führten zu der
Empfehlung einer neuen Maltechnik, welche
sich unter dem Namen „Mineralmalerei"
einführt und nach ausdrücklicher Versiche-
rung im Stande ist, den chemischen und
physikalischen Wirkungen der Witterung
und jedem Klima den größten Widerstand
zu leisten. Der zum Bindemittel verwen-
dete Körper ist Silicium (Kiesel) in Ver-
bindung mit Sauerstoff oder Kieselsäure,
gemeinhin unter dem Namen Kieselerde
bekannt. Das ganze Verfahren, sowohl
zur Herstellung des Bindemittels, als zur
Präparirung des Malgrundes und der
Farben ist Geheimniß des Erfinders A.
Kenn in München. Was davon in die
Oesfentlichkeit gekommen ist, enthüllt dessen
Broschüre: „Die Mineralmalerei, Neues
Verfahren zur Herstellung witterungsbe-
ständiger Wandgemälde". Wien. Pest. Leip-
zig. Hartleben. Die in dieser Maltechnik
ausgeführten Gemälde, z. B. das von
Lindenschmit: „Die Schlacht von Sendling
an der Kirche von Sendling bei München",
haben zwar noch keine Geschichte und ver-
mögen daher ihre Wetterbeständigkeit nicht
durch ein hohes Alter zu beweisen. Anderer-
loading ...