Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 2.1884

Seite: 39
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trächtlichen Gebiete der Kunst und des Hand-
werks eine tiefgreifende Neugestaltung des
technischen Verfahrens in kurzer Zeit herbei-
führen wird ltnb muß, ein dankbares Feld
geboten." —

A. Schraudolph, Direktor der k. Kunst-
schule in (Stuttgart, schreibt am 14. Januar
d. I. ferner über diese Angelegenheit: „Anf-
gefordert, ein Gutachten über die Keim'sche
Mineralmalerei zu geben, benierkt derselbe,
daß er sich vollkommen dem von der k. Aka-
demie der bildenden Künste in München vom
2. Mai 1882 ausgestellten Gutachten an-
schließt unb nur seinerseits beifügen möchte,
daß er, nachdenr er seit zwei Jahren aus-
schließlich in dieser Manier gearbeitet hat,
dieselbe alleir aus dem Gebiete der monumcn-
talen uitb dekorativen Kunst thätigen Künst-
lern, Dekorationsmalern rc. auf's Beste em-
pfehlen kann. Er kennt keine andere
Technik f ü r W a n d m a l e r e i e n, w e l ch e
so einfach und leicht >v i e diese, so
dankbar in ihrer Anw endung )v äre
und eine so manigfach e Art indi-
v i d u e l l e r k ü n st l e r i s ch e r A n tv e n d u n g
znließe. Nachdem es Herrn Keim gelungen
ist, seinen Malgrund sogar ans Leinwand ;u
übertragen, welche gerollt werden kann, ist die
monumentale Malerei transportabel gemacht
worden, was von großen Folgen für die
Entwicklung dieser Malart begleitet sein dürfte.
Durch die ungrundirte, aber präparirte Lein-
wand hat Herr Kein: die Möglichkeit ge-
schaffen, daß Malereien in der Art von Gobe-
lins hergestellt werden können, welche genau
die Qualität der letzteren wiedergeben rc."
Bezüglich der Haltbarkeit der Mineralmalerei
verweist er ans die Gutachten mehrerer Autori-
täten der Chemie.

Schlußbemerkung. Was wir über die
verschiedenen Arten der Maltechnik gesagt
haben, ist nur für den Laien bestimmt. Für
einen unerfahrenen Maler ist es zu wenig,
für einen erfahrenen Meister überflüssig;
für den Priester aber und für alle, welchen
die Ehre des Hanfes Gottes anvertraut
ist, genügt es, um sie wenigstens zu jenem
unabhängigen Urtheil zu befähigen, das
zu einem Entschluß ermuthigt, vor der Aus-
beutung Seitens unerfahrener Arbeiter be-
wahrt und das Finden des richtigen Weges
erleichtert. Gefahren sind alle menschlichen
Werke ausgesetzt, die monumentale Malerei
nicht am wenigsten. Diejenigen, welche
bei dem Geschäfte ihrer Wiederbelebung
mit Thaten vorangegangen sind, noch ehe
man auf der Höhe der jetzigen Erfahrun-
gen stand, haben allerdings manches Lehr-

geld bezahlt. Die Vertrauensseligkeit man-
cher Maler hat es nicht selten mit sich
gebracht, daß das Eindringen der schwindel-
haften Industrie in das Geschäft der Farben-
bereitung nicht genug beachtet wurde. Mögen
sie darin recht auf der Hut sein. Noch
mehr aber hat es geschadet, daß man der
allen Monumenten so verderblichen, der
Farbe aber besonders gefährlichen Feuchtig-
keit zu wenig Beachtung schenkte. Daher
sei noch einmal eine Warnung davor hier
angebracht. Man kann die Vorsicht, der
Entwicklung von Feuchtigkeit vom Anfang
des Baues oder der Herstellung des Unter-
und Malgrundes vorzubeugen, nicht wohl
übertreiben. Daher sei man bedacht,
nicht jedesmal Wasser zürn Manerwerk
oder Verputz gebrauchen zu lassen. Oft
führt es unorganische, stickstoffhaltige
Substanzen mit sich, die im Maner-
werk Salpeter bilden und als salpetersaurer
Kalk den Manersraß erzeugen oder als
Salze answittern unb ausblühen, bei feuchter
Lust wieder zerfließen, abermals in die
Mauer eindringen, wieder ansblühen und
den Prozeß von vorn beginnen, bis end-
lich nicht bloß das Gemälde, sondern der
ganze Verputz abbröckelt. Also reines
Regeuwasser, mehrere Jahre alter Kalk
und gutgeschlemmter Quenzsand — das
sind die Vorbedingungen, die dem Bestand
der Monumentalmalerei in geschützten Räu-
men , auch in Tempera, Enkanstik und
Kalksarben nl iresco oder secco, die aller-
erste Bürgschaft gewähren.

Es gibt keine Kirche, in der es nicht
stäubt, und daher auch keine Kirchenzier,
welche nicht vom Staube beschmutzt würde.
Die Schlußbemerkung, welche Rham seinen
obengenannten Blättern noch anfügt, möge
also auch hier einen Platz finden: „Die
mit Oelwachsfarben bemalten Flächen reinigt
man von dem sich ablagernden Staub durch
Abspüleu mit Regenwasser, wozu man sich
in Kirchen am besten einer Spritze bedient.
Andern fettigen Schmutz, der durch An-
liegen entsteht, wasche man mit Regenwasser
ab, dem 2—5 Prozent flüssigen Ammoniaks
zugesetzt sind." S ch w a r z.

Wir scheu uns leider genöthrgt, die Abhandlung
über die monumentale Malerei hier abzubrechen,
mir einem schon vier Monate in unserer Mappe
liegenden Manuskript über Glasmalerei endlich
Aufnahme gewähren zu können. Nach dessen Ab-
druck werden wir die erstgenannte Abhandlung
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