Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 2.1884

Seite: 42
DOI Heft: 10.11588/diglit.15860.24
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15860.26
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15860.27
DOI Seite: 10.11588/diglit.15860#0046
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1884/0046
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
der Arche aus dem Boden der Rabe. Von
diesem Hauptfelde wird rechts und links
durch eine Säule ein halb so schmales
Nebenfeld abgetheilt; diese werden, wie es
auch sonst Sitte war, durch je einen nackten
Genius eingenommen, der, ans einem
Blumenkorb sitzend, um einen Stab
Blumen windet.

Wenn wir uns nach Namen christlicher
Meister umsehen, so begegnen uns in In-
schriften bei Boldetti, Bosio und Muratori
einige marmorarii verzeichnet. Fabretti
(C VIII. p. 587 CII.) machte eine Ab-
bildung von einem Sarge, auf dem der
Bildhauer Eutropus in seiner Werkstatt
dargestellt ist; dieser sitzt vor dem Sarko-
phage und schneidet den Marmor mit einem
Instrumente, das ein Lehrling an einer
Schnur in Drehung versetzt. Hinter ihm
steht ein Mann mit Phiole, nach Fabretti
ein Zeichen, daß der Meister ein Märtyrer
sei, rechts oben ist die Taube mit Oel-
zweig, in der Mitte oben die Inschrift des
Christen: Agios. Theosebes. Eutropos.
En. Irene. Baronins führt 5 Märtyrer
als Bildhauer an, nämlich Claudius, Niko-
stratus, Symphorianns, Castorins und
Simplicius.

Ein anderer Marmorarius kommt bei
Cassiodor vor, Namens Daniel; er er-
hielt nach einem Dekret des Königs Theo-
dorich, an dessen Palaste er arbeitete, das
Privileg, mit Särgen und Urnen in Ra-
venna zu handeln, woraus hervorgeht, daß
die Fabrikation solcher Gegenstände kein
freies Gewerbe war.

Seit dem 6. Jahrhundert gerieth mit
den übrigen auch dieser Knnstzweig immer
mehr in Verfall. Aus diesem, dem 7. und
8. Jahrhundert befindet sich noch eine
Reihe von Särgen in Ravenna, besonders,
in San Apollinare in Clasfe und San
Vitale. Diese schon byzantinisch starr
werdenden Arbeiten sind im Ganzen viel
ärmer und dürftiger ausgefallen, als die
römischen, und vielfach nur mit Kreuzen
und Lämmern geschmückt. Das Mono-
gramm Christi, mit oder ohne Lorbeerkranz,
Pfauen und Tauben unter Weinstöcken und
Ranken, Vasen mit Vögeln, Tauben mit
dem Kreuz in der Mitte, das sind so die
gewöhnlichsten Dekorations-Mittel. Der
schönste dieser Särge steht rechts des Ein-
ganges von San Franzis ko mit Christus

und den Zwölfen mit jugendlichen Zügen
und lebendigen Motiven. Es fehlte hier
weniger — schon in Folge der zu er-
richtenden fürstlichen Grabdenkmäler —- an
Veranlassung, als an entsprechenden Kräften
zu künstlerischer Ausführung von Arbeiten,
während in Rom die lange und reiche
Tradition noch mächtiger fortwirkte.

Aus dm Grabstätten der ersten Christen
find uns auch noch mancherlei kunstge-
werbliche plastische Sachen erhalten. Hieher
gehören vor allen die zahlreichen, im vati-
kanischen Museum aufbewahrten Bronze-
lampen. Sie zeichnen sich aus durch ge-
schmackvolle, zierliche Formen und gewandte
Ausführung. An dem Rücken der Gefäß-
schale erhebt sich gewöhnlich eine symboli-
sirende, meist auf Christus bezügliche
Zierrath, so ein einfaches Kreuz, das auch,
mit einem E und einem Vogel darüber,
oft oberhalb eines Drachenkopfes endigt,
oder das Monogramm Christi und andere
Symbole, die nicht selten von einem stylisirten
Lorbeerkranz oder kronenartigen Reifen
eingefaßt werden. (Fortsetzung folgt.)

Oie Darstellung der Geiselung.

Es ist bekannt, daß die christliche Kunst
sich lange nicht entschließen konnte, die
Martern und Qualen der Passion zum
Gegenstand selbständiger Darstellungen zu
machen. Nicht als ob die Passion in den
ersten Zeiten ganz aus dem Verzeichnis;
der darzustellenden hl. Gegenstände ge-
strichen gewesen wäre. Aber man begnügte
sich mit Anspielungen und entfernten Hin-
dentnngen auf ihre blutige und schmerz-
liche Geschichte und stellte die Passions-
bilder unter eine andere Beleuchtung.
Hierin sind insbesondere die Skulpturen
der altchristlichen Sarkophage überaus lehr-
reich und interessant. Sie beziehen sich
nicht selten auf die Passion, erzählen sie
aber in gedrängtestem Auszug. Die Scenen
sind zu Einem Bilde kombinirt und wie
gleichzeitige Ereignisse neben einander ge-
drängt. Der Schmerz kommt noch fast
zu keinem Ausdruck. Verwandelt sich doch
in der Darstellung der Dornenkrönung
die Dornenkrone hin und wieder in einen
Blumenkranz; das Kreuz, das der Herr
nach Golgatha trägt, wird zum Miniatnr-
krenz, das mehr wie ein Ehrenzeichen als
loading ...