Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 2.1884

Seite: 55
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Achtung des Abendlandes. Es wurde ihm
dies um so leichter, als iu diesen Land-
strecken in Folge der ewigen Kriege an eine
eigene produktive Kunstthätigkeit nicht zu
denken war und jener importirte Styl den
halbbarbarischen neuen Völkerschaften im-
merhin durch eine überlegene, gewandte,
saubere Technik, durch einen fest ausgeprägten
Kanon der Formgebung, wozu oft noch ein
reicher äußerer stofflicher Schmuck der Deko-
ration und Kostüme kam, Respekt einflößte.
Diesen Einfluß verdankte jener Styl aber iu
erster Reihe der Malerei, die er nebst der
Kleinkunst vor allen knltivirte. Eine natürliche
Folge der Ausbreitung des byzantinischen
Styls war das immer weitere Zurückweichen
und Ersterben der Plastik.

(Schluß VI. folgt.)

Entfernung der Farbe von Skulpturen.

Bei der Restauration von Skulpturen,
welche mit Oelsarben bemalt waren, stellt
sich oft die Schwierigkeit heraus, die alte
Oelfarbeukruste so zu entfernen, daß man
einen neuen Anstrich geben kann. Das
„Organ für christliche Kunst" hat in seinem
ersten Jahrgange empfohlen, den alten An-
strich mH einer Auflösung von amerikanischer
Pottasche so lange anzupinseln, bis die alte
Oelfarbe sich erweicht und absällt. Dieses
Mittel ist erprobt, allein es ist mit Vorsicht,
besonders Beim Holze, anzuwenden. Denn
die Soda kann sich so in das Holz festsetzen,
daß sie sich nicht mehr entfernen läßt und
dann dem neuen Oelfarbcnanstrich ebenso
verderblich wird, wie dem alten. Andere
Mittel gibt F. Fink's Gewerbeblatt für das
Großherzogthum Hessen Nr. 23 vom Jahre
1863 wie folgt:

1) Man brennt die Farbe weg. In Frank-
reich geschieht dies mittelst angezündeter
Strohbüschel. Oder man streicht die alte
Oelfarbe mit Terpentinöl an und entzündet
dieses. — Ein anderes von Hofweißbinder-
meister Nühl in Darmstadt erprobtes Ver-
fahren besteht darin, daß man den Gegen-
stand (z. B. eine ansgehobene Thür) über
einer breiten Kohlenpfanne, wie solche die
Schreiner brauchen, hin- und herbewegt und
somit erhitzt. Hiedurch wird der alte Oel-
farbenüberzug ganz blasig, löst sich vielfach
vom Holze ab und kann nun leicht und
schnell so vollständig abgeschabt werden, daß
keine Spur zurückbleibt. — Diese Methoden
sind jedoch nicht überall anwendbar, auch
leiden bei dem Abbrennen die scharfen Kan-

ten von Profilirnngen u. s. w. leicht Scha-
den. Man bedient sich deßhalb besser fol-
gender Mittel.

2) Man streicht die zu reinigenden Möbel
oder sonstigen Gegenstände mit erwärmtem
Terpentinöl an, wodurch die alte Farbe leicht
vollständig ansgelöst wird und weggeputzt
werden kann. Dieses Verfahren wurde
früher von Deninger empfohlen, ist aber
theurer als die folgenden Methoden.

3) Man reibt die Gegenstände mit einer
Auflösung von Soda ab. Nach Mitthei-
lung von Rühl muß die Auflösung sehr
concentrirt sein; man nimmt ungefähr gleiche
Theile Soda und Wasser, und die Wirkung
wird beschleunigt, wenn man etwas Aezkalk
znsetzt. Mit dieser Auflösung reibt man so
lange ab, bis alle Oelfarbe entfernt ist.

4) Soll die alte Oelfarbe entfernt und
kein neuer Anstrich gegeben, vielmehr die
ursprüngliche Holzfarbe, z. B. die von Eichen-
holz »nieder hergestellt werden, so ist das
Abreiben mit Soda-Auflösung nicht zu em-
pfehlen, weil dadurch die Holzfarbe verändert
wird. Für diesen Fall empfahl Schlemmer
von Mainz zuerst die Schmierseife. Die
zu reinigenden Gegenstände werden zu dem
Ende mit Schmierseife überstrichen. Dieselbe
löst die Farbe nach 15—20 Stunden so auf,
daß sie mit kaltem Wasser abgewaschen wer-
den kann.

5) Nach einer andern Vorschrift wird Pott-
asche in Milch ausgelöst (1 Messerspitze voll
in 5—6 Löffeln) und hiemit der Gegenstand
überstrichen. Nach einigen Stunden ist der
Oelfarbenanstrich zersetzt und kann, so lange
er noch sencht ist, leicht abgewischt werden.

Frische Oelfarbe, die z. B. ans Unvor-
sichtigkeit beim Anstreichen ans angrenzende,
nicht anznstreichende Holzflächen gebracht oder
verspritzt worden ist, entfernt man mit dem
sogenannten Fleckenwasser (Benzol).

Zur Monumental-Malerei.

In der gothischen Krenzgangs - Kapelle
der Stiftskirche 31t Ellwangen, 1473 be-
gonnen , sind aus Anlaß der Restauration
alte Wandgemälde entdeckt worden. Ihrem
Charakter nach sind sie gleichzeitig. Sie
befinden sich auf den Schildmanern der zwei
westlichen Traveen. Das südliche ist durch
eine später ansgebrochene Mauernische so zer-
stört, daß nur noch nebensächliche Reste übrig
sind. Das nördliche stellt in lebensgroßen
Bildern die schmerzhafte Mutter mit dem
Leichnam Christi ans dem Schooße dar;
zu ihren Füßen kniet der Donator; hinter
ihm steht, den Hirtenstab in der Hand, die
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