Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 2.1884

Seite: 75
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das Brennen leichter und sicherer. Man
erzielt durch die Wirkung des edeln Ma-
terials bereits allein schönere und wahrere
Effekte, als durch oft komplizirte Arbeiten
in blindem, leblosen ordinären Glas; die
Echtheit des Stoffes bleibt eben immer die
Grundlage jeden Kunstproduktes. Eine
Kirche baut und schmückt man ja nicht für
rasch dahineilende Dezennien, sondern für
Jahrhunderte. Fenster mit Glasbrenne-
reien sind keine Draperien, die architekto-
nische Gliedmaßen verhüllen sollen, die
kommen, bleichen und gehen wie Kleidungs-
stücke, es sind vielmehr integrirende, glä-
serne Wandflächen, in Steinrahmen einge-
legte, leuchtende Glasmosaiken, die mit der
unerschütterlichen Mauer Jahrhunderte
dauern sollen; dazu braucht es aber ein
solides, widerstandsfähiges Material, und
das ist das Kathedralglas.

Die Engländer produzirten zuerst wieder
das Antik- und Kathedralglas, das aber
sehr theuer war und daher bei uns nur
tvenig zur Anwendung gebracht wurde.
Im Jahre 1872 wurde dann die Inns-
brucker Glashütte errichtet und am 18. Jan.
1873 das erste Kathedralglas daselbst
erzeugt; die ersten dieser Gläser wurden
noch mit englischen für die in der Wiener
Weltausstellung gegebenen Fenster verwen-
det. Heut zu Tag sind wir nun noch
unabhängiger vom Auslande, indem jetzt
auch in Schliersee in Bayern diese Gläser
fabrizirt werden, daher sie wegen ihrer
billigeren Herstellung auch immer mehr und
inehr verwendet werden.

(Fortsetzung folgt.)

^fmbolische und typische Malerei
in Bamberg.

Der Mensch als ein Doppelwesen, zu-
sammengesetzt aus Geist und Leib, bedarf
zum Erkennen des Übernatürlichen und
Uebersinnlichen vielfach der Vermittelung
der Sinne und der äußeren Natur. Horaz
macht in richtiger Würdigung der mensch-
lichen Natur die Bemerkung, daß die durch
das Organ des Ohres aufgenommenen
Bilder sich dem Geiste minder tief ein-
prägen, als diejenigen, welche derselbe
mittelst des Auges wahrnimmt. Dieser
Natur des Menschen Rechnung tragend
hat die Kirche mit ihren heiligen Hand-

lungen Ceremonien verbunden, welche eben
eine dem Auge wahrnehmbare Sprache
sind, die den Christen an die Wahrheiten
des göttlichen Glaubens erinnert, die über-
sinnlichen Geheimnisse desselben durch sinn-
liche Darstellung veranschaulicht. Es ist
das eine Sprache, die sich ebenso ein-
dringlich an den Verstand, wie an das
Gemüth richtet, und vorzüglich geeignet
ist, Gefühle der Andacht zu erwecken, die
vag umherschweifenden Gedanken zu fesseln
und auf das Heilige und Göttliche hin-
zuweisen.

Aus demselben Grunde hat die Kirche
frühzeitig die hl. Geheimnisse des Glaubens
im Bilde dargestellt. Der hl. Gregor II.
vergleicht die altchristliche Basilika mit
einer Königin in buntfarbigen und gold-
verbrämten Gewändern und bemerkt:
„Indem Männer und Frauen schon ihre
unlängst getauften Kleinen, die sie auf
deu Armen tragen, und ebenso der in der
Blüte des Alters stehenden Jugend und
den aus verschiedenen Völkern Hergereisten
die Geschichtsbilder mit dem Finger zeigen
(und erklären), erbauen sie dieselben und
erheben deren Geist mtb Herz empor zu
Gott." (Ep. II. ad Leonem Isaurum
Imp.). Das Konzil von Trient hebt
diesen Grund besonders hervor, indem es
sagt(se88 25): „daß durch die Geschichten
der Geheimnisse unserer Erlösung, die in
Gemälden oder anderen Nachbildungen
ausgedrückt sind, das Volk unterrichtet
und in dem Andenken und in der steten
Beherzigung der Glaubenswahrheiten be-
stärkt werde." Aber bei aller Freiheit,
welche hiebei der künstlerischen Aussassung
gewährt ist, haben sich frühzeitig bestimmte
Normen gebildet, welche traditionell und
stabil geworden sind und welche der Maler
nicht überschreiten darf, ohne das kirchliche
Gefühl zu verletzen. Sagt ja der heilige
Epiphanius (Conc. Nie. II.): „Nicht Er-
findung der Maler ist die Anfertigung der
Bilder, sondern der katholischen Kirche be-
währte Gesetzgebung und Ueberlieferung."

Eine besondere Form der christlichen
Kunst ist die symbolische, und diese
ist besonders in der altchristlichen Kirche
vertreten. Die sogenannte Arcandisziplin
gebot große Vorsicht, damit nicht die Lehre
der Kirche und ihre erhabenen Geheimnisse
der Gefahr einer Profanation durch die
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