Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 2.1884

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2) Jesus wird gebunden.

Eine Henne vertheidigt ihre Jungen gegen
einen Raubvogel: Moritur pro pullis.

Ein Schnitter bindet Garben: Po8t
vimina grana.

Ein Winzer bindet einen Weinstock an:
Poetum vincla fovent.

Eines ist unkenntlich.

3) Jesus wird geschlagen.

Feuerstahl und Stein: Tactus ignem.

Eine Dreschtenne: Post ictus granum.

Eine Balsamstaude, daneben ein Messer:

Incisa sudat.

Ein Ambos mit Schmiedehämmern:
Quo plus, eo fortius.

4) Jesus wird auf dem Boden liegend
mit Füßen getreten.

Ein Mandelbaum: Dura sed dulcis.

Ein Igel vertheidigt sich gegen einen
Jagdhund: Integritas se tuetur.

Ein Strauch im Wasser: Adversis

cresco.

Ein Olivenbaum: Sursum deflexa re-
curret.

5) Jesus fällt unter dem Kreuze.

Ein Storch oder Pelikan: Dam pie
quam sincere.

Ein Storchennest: Posteritati.

Ein Zugochse: Prorntissirne.

Ein Lamm von Raben umgeben: Illaesa
innocentia.

6) Jesus wird an's Kreuz genagelt.

Ein Phönix in Flammen: Mors mihi

conjugium.

Ein Adler auf einem Felsen: Vitae
rnelioris origo.

Eine Schlange wird von einem Hund
ersaßt: Pit via vi.

Ein Lamm mit gebundenen Füßen aus
einer Bahre: Non mihi.

7) Jesus wird am Kreuze aufgerichtet.

Pelikan: ln rre mors, in me vita.

Ein Storch aus einem Hause: Sursum

corda.

Bienen tragen Honig in einen Löwen-
rachen : lllulcedo ex aeerrimo.

Ein todter Löwe, umgeben von mehreren
Thieren: Mortuo ne illudas.

In der oberen Pfarre (zu U. L.
Fr.) hat das Mittelschiff zwischen den
Geheimnissen des freudenreichen Rosen-
kranzes einige Medaillons mit Symbolen,
das Schiss der Evangelienseite (ohne Sym-
bole) die Geheimnisse des schmerzenreichen,

das der Epistelseite die des glorreichen
Rosenkranzes.

Die Symbole sind:

1) Ein Tisch mit einem Spiegel: Spe-
culum sine macula. Sap. 7.

2) Ein Baum in einem prächtigen
Garten: Lignum vitae. Gen. 3.

3) Eine Lilie von Dornen umgeben:
Lilium inter spinas. Cant. 2.

4) Die Arche mit der Taube: Columba
Noe. Gen. 8.

5) Landschaft mit dem Mond: Pulchra
ut luna. Cant. 6.

6) Landschaft mit der Sonne: Pleeta
ut sol. Cant. 6.

Die sogenannte Prälatenkapelle
auf dem Michelsberg, eine Seiten-
kapelle auf der Epistelseite, ist mit Fresken
geziert, welche sich ans die hl. Jungfrau
beziehen. Das über das ganze Gewölbe
sich hinziehende Gemälde zeigt unten das
leere Grab der hl. Jungfrau, in der
Mitte Mariä Himmelfahrt, oben die hl.
Dreifaltigkeit, bereit zur Krönung. An
den Gewölbekappen und Lisenen sind
Symbole, zum Theil mit, zum Theil ohne
Inschriften angebracht. Ich führe nur die
ersteren an:

1) Ein offenes Thor, ans welchem
Lichtstrahlen ausgehen: Porta eoeli.

2) Ein Spiegel aus einem Tisch: Spe-
culum sine macula.

3) Eine Rose auf einem Tisch: Rosa
sine spinis.

4) Eine Stadt, hoch auf dem Berge
liegend: Gloriosa dicta sunt de te, ci-
vitas dei. Ps. 86,3. Ein Mann flüchtet
ans die Stadt zu; aus seinem Munde gehen
die Worte hervor: Tu es refugium meum.
Ps. 31,7. Er wird verfolgt von einem
anderen Mann mit gezücktem Schwert, aus
welchen Schwerter und Pfeile vom Himmel
herabregnen.

5) Ein Töpfer in seiner Werkstätte,
welcher verschiedenartige Gefäße um sich
stehen hat: Vas admirabile opus Excelsi.
Eccli. 43,2. — Aliud quidem vas in
honorem , aliud vero in contuineliam.
Rom. 9,21.

6) Die Sonnenscheibe: Electa ut sol.
Cant. 6,9.

7) Das Monogramm der hl. Jungfrau,
darüber: Et nomen virginis Maria. Luc.
1,27.
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