Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 2.1884

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8) Der Mond: Pulchra ut luna.

Cant. 6,9

9) Die Bundeslade: Sanctificavittaber-
naculum suum Altissimus: Ps. 45,5.
— "1 abernaculum foederis et sanctuni
sanctorum. Num. 4,4.

10) Ein leerer Thron, umgeben von an-
betenden Engeln: Thronus Dei est. Matth.

5 >34- — Adeamus ergo cum fiducia
ad thronum gratiae. Hebr. 4,16.

11) Eine Lilie im Dornengestrüpp:
Sicut lilium inter spinas. Cant. 2,2.

12) Krone und Szepter: Et potestas
ejus in generationem. Dan. 3,100.

Die H auptki r ch e selbst hat in den
Seitenschiffen eine Reihe von Symbolen,
welche keinen einheitlichen Gedanken aus-
zudrücken scheinen.

Auf der Epistelseite:

1) Ein aus den Wolken reichender
Arm, welcher eine brennende Fackel trägt.
Cor tamquam cera liquescit.

2) Eine Balsamstaude: Plorabit in
aestu.

3) Eine aus den Wolken hervorragende
Hand berührt mit einem Pfeil ein an ein
Kreuz geheftetes Herz; eine unten stehende
Schale fängt das hervorquellende Blut
auf: ln pretio lachrimae.

4) lieber einem Garten hält ein Arm
eine Gießkanne: Irrigabo hortum meum,

5) Ein Springbrunnen: Fertilis arte
mea.

6) Ein von einen: Fluß durchschnittenes
Thal: Foecundabit si inundabit.

7) Eine Fontaine: der Anfang ist
unleserlich; wahrscheinlich (Dat omnibus)
affluenter. Es ist die Stelle bei Jac. 1,5.

Auf der Evangelienseite:

1) Unkenntlich: Donec defecerit, non
revertetur.

2) Eine Taube mit dem Oelzweig im
Schnabel, mit dem einen Fuß einen Lor-
beerkranz tragend: Vincenti praemium.

3) Ein Adler fliegt der Sonne zu: For-
tis et constans.

4) Eine Hand hält über einem Tisch
eine brennende Kerze: Fon ... unleserlich.

5) Eine Hand hält einen ovalen, mit

einem Kreuz bezeichneten Schild: Pro-

tegit.

6) Ein aus den Wolken hervorragender
Arm hält ein Kreuz (das Wappenzeichen
des Klosters Michelsberg): Sanat. Joh. 5. |

7) Ein Schwan: Exit qualis intrat.
Die Muttergotteskapelle in der
Judengasse hat zunächst im Chor in
dem reichen Netzgewölbe als Schlußsteine
einige Skulpturen und Wappen.

1) Die Mutter Gottes mit dem Jesus-
kind auf dem Arm, eine frühromanische
Arbeit, jedenfalls aus einem älteren Bau
hierher versetzt.

2) Das Brustbild eines Heiligen mit
einer Kirche in der Hand — vielleicht der
hl. Heinrich.

Dann einige Wappen.

An gemalten Medaillons finden sich im
Schiff:

1) Die Visitatio B. M. V.

2) Eine Leiter, auf welcher Engel zum
Himmel emporsteigen: „Klückliche feelen,
die dich erwelen."

3) In den Wolken eine Krone, auf
einem Felsblock ein Kissen, auf welchem
ein Scepter: „Wie mächtig du bist, das
Zeichen hier ist."

4) Ein Lilienstock: „Du, Reiner als Rein,
Gedenke doch mein."

5) Ein Rosenstrauch: „Schönste vor

allen, Gantz mein Gefallen."

6) Ein Schiff auf der See, ein Stern
in den Wolken: „Das eintzig absehen thut
auf dich ergehen."

7) Das Monogramm Mariä: „Schutz
in gefahren! Kanst Kräsftig bewahren."

8) Die Sonne in Wolken: „Rechter
gnaden-schein All denen Kindern dein!"

9) Der Mond in Wolken: „Lieblichs

Anschauen! Unser Vertrauen!"

10) Ein Landschaft, oben ein Stern:
„Du Morgen Stern, ein Trost von fern!"

Besonders reich an solcher symbolischen
Malerei ist die Kirche in Dormitz,
einer Filiale der Pfarrei Neunkirchen am
Brand. Die flache Decke ist mit sieben
größeren Fresken geschmückt, in der Mitte:
Immaculata Conceptio, Annuntiatio,
Coronatio; in den vier Ecken: Fativitas
BMV., Praesentatio, Visitatio, Purificatio,
(Simeon); zu beiden Seiten des Mittel-
bildes: die Arche und Moses vor dem
brennenden Dornbusch.

Rings herum laufen 15 kleinere braun
in braun gemalte Medaillons mit Sym-
bolen und Devisen, alle auf die hl. Jung-
frau sich beziehend.
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