Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 2.1884

Seite: 107
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chrome Ornament in den oben genannten
Sammelwerken behandelt worden ist.

S ch w a r z.

Oer Leuchter für die Osterkerze.

Hiezu eine artistische Beilage.

Von einer benachbarten Diözese theilt
man dem „Archiv" mit, daß dort und
auch sonst in vielen Kirchen ein besonderer
Leuchter für die Osterkerze, ein sogenannter
Osterstock, fehle. Ein stylgerechter, aus
Metall gegossener Leuchter sei aber für
arme Kirchen nicht erschwinglich, werde
auch nur kurze Zeit gebraucht, ein von
Holz gedrehter würde auch genügen.
Daran ist die Bitte um Mittheilung einer
Zeichnung für einen einfachen Osterstock
gothischen Stvls, später auch für einen
solchen romanischen Styls geknüpft, sowie
um Angabe einer einfachen Polychromirung.

Die artistische Beilage entspricht dieser
Bitte. Vielleicht aber folgt dem ersten
Blick darauf das Gefühl der Enttäuschung:
denn die Musterzeichnung ist ganz einfach,
ihr ganzer Schmuck sind die Profile der
Schaale, des Fußes, der Theilungsknänfe;
sonstige Ornamente fehlen ganz. Daher
einige Worte zur Rechtfertigung der Ansicht
und der Grundsätze, welche das Bild so
und nicht anders geschaffen haben.

Nach unserer Meinung ist es um die
Kirchen-Leuchter ans Holz überhaupt eine
fatale Sache. Man wird es bei aller
Sorgfalt wohl nie dahin bringen, daß sie von
Wachstropfen nie beschmutzt werden, eben-
sowenig wird man verhindern, daß sich
Staub darauf legt, sich derselbe in
dem Wechsel trockener und feuchter Luft,
und bei der Mitleidenschaft des Holzes
verbindet -.und eintrocknet. Ein Leuchter,
einfach in der Form, ohne dekorative Theile,
ohne entsprechende Profile, Pflanzen- oder-
geometrische Ornamente, ohne eine andere
Farbe, als die Naturfarbe des Holzes,
wird auf die Länge Niemand befriedigen.
Reich ornamentirten und polychromirten
Leuchtern wird aber der erste Glanz und
Schimmer bald abgestreift fein. Oder wie
will man sie reinigen, von — oft durch
das Feuer geschwärzten — Wachstropfen
befreien, ohne die tieferen und feineren
Theile des Ornaments und die Farbe zu

verletzen? Und solche Proceduren wieder-
holen sich von Jahr zu Jahr.

Ueberdies, was die Kosten anbelangt,
wird ein mit Schnitzereien gezierter und
etwas polychromirter, stellenweise vergol-
deter Leuchter kaum billiger sein, als ein
ans Messing gegossener. Was müßte
z. B. ein kleineres oder mittleres Ge-
läute für eine Kirche kosten, wenn
Preise zu Grunde gelegt würden, wie
man sich dieselben vorstellt oder jetzt
gerade ohne Grund gefordert werden?
Verlangt man ja für einen Leuchter aus
Messingblech aus Holz gepreßt 7 bis 8
Mark, was erst für einen massiven!
Fürwahr, ein Geläute von 30 Ctr. —
und ein solches ist noch nicht groß — käme
nach dieser Leuchter-Preisliste auf mindestens
18—20 000 Mark.

Wir gestehen also, daß wir den Kirchen-
leuchtern aus Holz das Wort nicht reden.
Diese Abneigung vermindert sich auch nicht
bei dem Gedanken an die größeren Kosten
für Messingguß. Wenigstens haben wir
uns noch nie überzeugen können, daß
derselbe so in die Kosten läuft, als man
aus den von den Händlern dafür geforderten
Preisen schließen könnte. Es käme also
nur ans einen Versuch an, die Sache selbst
in die Hand zu nehmen. Ein Diözesan-
Kunstverein wird doch so viele Mittel in
der Hand haben, um einige Modelle,
zunächst etwa je zwei von jedeni kirchlich
gebräuchlichen Style, und so jedes Jahr
je ein weiteres Exemplar in verschiedenen
Größen anfertigen zu lassen, mit einem
Messinggießer in Verbindung zu treten,
Gußpreise, sowie die Preise für Metall-
Dreherei zu verabreden und das Produkt
in größerer Zahl einem Geschäftsmann
zum Verschluß zu übergeben. Möge dabei
jeder Arbeiter seinen guten Lohn haben,
nur die Spekulanten keinen modernen
„Verdienst" ! Dock genug hievon; viel-
leicht bald mehr, wenn wir über die selbst
angestellten Versuche einige Erfahrung
haben.

Also wir rathen Niemanden zu Holz-
leuchtern kleinerer Gattung, wie sie
für den Altar gewöhnlich nothwendig sind.
Bei größeren, wie bei den: in Frage
stehenden Osterstock, liegt die Sache aller-
dings anders, wenigstens so lange ein
gemeinschaftliches Handeln nicht möglich
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