Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 3.1885

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Grundfarbe noch einen ausgiebigeren Ge-
brauch machen. Ein Faßmaler, der Schule
und Geschmack hat, kann weitere Abwechs-
lung schaffen.

Es ist endlich der Wunsch ausgesprochen
worden, auch eine Zeichnung für einen
romanischen Osterstock zu erhalten. Wir
glauben vorerst davon absehen zu können,
denn das gegebene Muster hat auch den
Charakter der spätromanischen Prosilirung
und paßt demgemäß in jede romanische
Kirche.

Wenn schließlich der geehrte Briefschreiber
meint, ein Osterstock aus Holz geuüge
auch, ein metallener koste zu viel Geld
und werde nur kurze Feit ausgestellt, so
stimmen wir dem ersten Satze für die
meisten Fälle bei, glauben aber auch be-
merken zu dürfen, daß der Osterstock nicht
wie ein gewöhnlicher Altarleuchter betrachtet
und behandelt werden darf. Er wird
allerdings nur die 40 Tage von der Auf-
erstehung bis zur Himmelfahrt Christi
ausgestellt, nec — wie die Rubrik nach
dem Evangelium des Himmelsahrtsfestes
sagt — ulterius accenditur, nisi in
vigilia Pentecostes ad benedictionem
fontis. Aber die Kürze der Zeit kann
dieser nicht die hohe Würde und Bedeutung
rauben, ebensowenig dem Osterstock, dem
„Baume" der Osterkerze, welche den aus-
erstandenen Erlöser sinnbildet. Aus dem
12. Jahrhundert wird von einem Oster-
stock in St. Paul außer den Mauern in
Rom berichtet, aus welchem die Worte
standen: arbor poma gerit, arbor ego
lumina gesto. Der Baum und das Licht
ist Christus: die von ihm Erleuchteten
und nach seiner Aehnlichkeit zu Ver-
klärenden sind die Früchte des Baumes.
Er hat seine Wurzel aus dem Baume
des Kreuzes, von welchem der Hymnus
Vexilla regis prodeunt singt: „arbor
decora et fulgida.“ Der Osterstock
und die Osterkerze wird auch der

Feuersäule verglichen, welche den Israeliten
in der Wüste bei Nacht leuchtete. Das
sagt ja auch das Praeeoninrn paschale
mit den unvergleichlichen Worten des

hl. Augustinus von dem Lichte der durch
Christi Auferstehung erhellten Nacht: haec
igitur nox est, in qua primum patres
nostros, filios Israel, eductos de

Aegypto, mare rubrum sicco vestigio

transire fecisti. Haec igitur nox est,
quae peccatorum tenebras columnae

illuminatione purgavit.in qua

destructis vinculis mortis, Christus ab
inferis victor ascendit ... de qua
scriptum est: Et nox sicut dies illu-
minabitur et nox illuminatio mea in
deliciis rneis. Das Alterthum hat diese
Würde des Osterstocks mit seiner Kerze ent-
sprechend geachtet und den Osterstock oft
in Marmor ausgefüh.rt. Baronius gab
einem solchen bei der Restauration seiner
Titelkirche vom hl. Nereus und Achileus
die biblische Inschrift aus Jesaias 62, 1:
„Salvator ejus ut lampas accendatur.“
Also (um nochmal mit den Worten des
praeonium paschale zu reden) jam co-
lumnae hujus praeconium novimus: die
Osterkerze bedeutet die in der Osternacht
verklärt aus dem Grabe erstiegene heiligste
Menschheit Jesu. So sehr auch der Oster-
stock den äußeren Verhältnissen einer ar-
men Kirche sich anpassen darf, so einfach
er nach Materie und Form, so praktisch
für den Gebrauch er sein kann, immer
soll er doch dieser Symbolik und der
Würde des Symbolisirten noch entsprechen.

Wir geben daher die Hoffnung nicht
auf, daß man zu dieser Anschauung zu-
rückkehrt und, wo es sich um einen neuen
Hochaltar oder die Restauration eines
alten handelt, auch noch den Oster-
stock in den Plan aufnimmt und von den
— oft sehr hohen — Gesammtkosten eine
Summe von 100 Mark und darüber an-
zuweisen nicht vergißt, weil er zum fest-
lichen Altar der Osterzeit gehört. Was
also das „Archiv" mit seiner Zeichnung
für Messingguß in der artistischen Beilage
gibt, dürfte doch nicht vergehlich gewesen
sein. Die Versuche, welche der Unterzeich-
nete mittlerweile gemacht hat, größere und
kleinere Altarleuchter billigst hergestellt zu
sehen, sind nicht fruchtlos gewesen. Glo-
ckengießer Sedelmaier in Ellwangen liefert
Altarleuchter 23—24 cm. hoch in mas-
sivem Messing-(Gelb-)Guß das Stück ä
7 Mk., Rothguß zu a 8 Mk. 50 Pf.
Der in der Zeichnung gegebene Osterstock
kostet genau in derselben Größe c. 110 Mk.,
mit einem Fuß mit drei Löwenköpfen c. 120M.
Stellt man den Leuchter auf einen stei-
nernen Sockel von 10—12 cm., auf die
zweitletzte Stufe, so läßt er sich in etwas
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