Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 3.1885

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rückfließen desselben bis zum Gebälk ver-
hindert. Auf den der Hängeplatte folgen-
den Bindegliedern, einem Plättchen, einem
aus schon genanntem Grunde gleichfalls

Fig. 30.

Ionisches Gebälk mit HanPtgcsimS aus
den Ruinen von Eleusis.

Fig. 31.

Ionisch-korinlhischcs Gebälk mit Hauptgesims
vom Tilusbogen in Rom.

unterschnittenen Viertelsstab und einer
Schräge folgt das letzte Glied des Ge-
simses, der Rinn leisten oder die Sima,
in der Form eines oben durch ein Plätt-

chen verstärkten Karnieö, ans welcher
innen die Wasserrinne ansgehauen ist.

Uiit das Wasser sicher vom Gebäude
ableiten zu können, wurde die Traufrinne
in bestimmten Abständen mit Löwenköpfen
versehen, ans deren durchlöcherten Rachen
sich das Wasser weit über das Hanptge-
sims weg ausgoß.

Fig. 31 gibt ein reich dekorirtes römi-
sches Gebälk. Schon die Zwischenglieder
der drei Bänder des Architravs sind mit
Perlenschnur und Blätterwerk ornamentirt;
der Fries (Thrinkos) ist Träger reicher
Reliefs und eben so üppig ist das Hanpt-
gesims ausgestattet. Kehlleisten mit Blatt-
werk, Plättchen mit Zahnschnitt, Viertels-
wnlst mit dem sog. Eierstab leiten zu einer
Platte mit reich ornamentirten sog. Mo-
dillons, d. h. Sparren-Köpfe oder Con-
solen, mit jonischen Voluten und ver-
schlungenen Delphinen geziert; sie tragen
die eigentliche, gleichfalls reich verzierte
Hängeplatte, deren Ornamente in unserer
etwas kleinen Zeichnung der Deutlichkeit
wegen weggelassen sind, wie auch die Re-
liefs des Frieses. Ans der Hängeplatte
ruht wiederum die mit Blattwerk verzierte
Sima.

D i e H a u p t g e s i m s e d e r a l t ch r i st-
lich en Bauten haben einen von den an-
tiken abweichenden Charakter. Im Wesent-
lichen bilden sie sich durch zwei- oder mehr-
fache Lagen immer weiter ausladender
Platten, welche durch verschieden geformte
Kragsteine unterstützt sind, d. h. durch
vorspringende Steine, welche etwas tragen;
oft sind dieselben durch über Eck gelegte,
mit ihren rechtwinkeligen Spitzen vortre-
tende Platten ersetzt. Wir geben nach
Hübsch Pl. V. 36 ein Beispiel in Fig. 32,

Fig. 32.

Altchristliches Hanptgesims.
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