Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 3.1885

Seite: 40
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ca. 1150 — 1250, und sind den im
„Archiv" 1884 S. 12 genannten anzu-
reihen. Die Annahme, die im angeführ-
ten Texte sich findet, daß die Kirche von
Kleincombnrg zn gleicher Zeit ihren Schmuck
erhielt, zu welcher der kunstsinnige Abt
Hartwick (1108—1138) die große Stifts-
basilika in Großcomburg malerisch schmücken
ließ, hat alle Wahrscheinlichkeit für sich.
Der innere Werth der Bilder ist hoch an-
zuschlagen. Zunächst fällt jedem Beschauer
wohlthuend ins Auge, die ebenso einfache
als schöne Anordnung der Gemälde und
Eintheilung des Raums. Mit welchem
architektonischen Verständniß, mit welch
seinem Sinn und Gefühl für ihren Zweck
und ihre Ausgabe ist hier die Malerei in
den durch die Baukunst geschaffenen Raum
eingetreten! Mit welch zartem Gefühl hat
sie über den kalten Stein ihre erwärmende
Hülle ausgebreitet und ihm ein Gewand
geschaffen, das den ganzen Organismus
des Bans aufs schönste hervortreten läßt!
Hochachtung nöthigen aber auch ab die
kräftigen, tiefsinnig symbolischen Formen,
in welchen diese Gemälde das Credo ihrer
Zeit aussprechen. Die ganze Haltung ist
voll Ernstes und heiliger Würde. Durch-
weht von dieser Hoheit erscheint die Ein-
fachheit und Sparsamkeit der romanischen
Kunst wirklich nicht wie Mangel; sie macht
nicht den Eindruck der Armnth, eignet ihr
doch eine gewisse erhabene Majestät. Das
ist eine Kunst, die wenig redet, nicht weil
sie wenig weiß, sondern weil sie umsomehr
denkt und fühlt, und welche durch ihre
keusche Schweigsamkeit zum Denken und
Fühlen anleitet. Wird man auch keine
Ursache haben, diesen Styl zum jetzt noch
verbindlichen Kanon der monumentalen
kirchlichen Malerei zu erheben, — etwas
von dieser Ruhe, Getragenheit, Gemessen-
heit wird derselben immer zu wünschen sein
und zu ihrem eigentlichen Charakter ge-
hören. — Dr. Kep pler.

Zur Glockenkunde.

Eine von Theodosius Ernts in lllui 1713 ge-
gossene, kürzlich zersprungene und deßhalb umzn-
gießende Glocke der St. Nikolaus-Kapelle in Ell-
wangen gab mir die langersehnte Gelegenheit einer
näheren Untersuchung der Glockenrippe. Allerlei
Beobachtungen, die ich au mehreren Orten machte,

nährten in mir den Verdacht, daß nicht alle
Glockengießer früherer Zeiten die Glockenrippe
mit der erforderlichen Genauigkeit gebildet haben,
ja daß sie manchmal sehr leichtsinnig zn Werk
gegangen sind. Auch bei der besprochenen Glocke
war ein solcher Verdacht begründet. Die Gelegenheit
war also sehr erwünscht. Das Resultat ist fol-
gendes. Die Glocke tviegt 156 Pfd., der Schlag
(d. h. die Stelle der größten Metallstärke an dem
Orte des Klöppel-Anschlags) ist auf der einen
Seite der größten, untern Peripherie 36,5 mm,
auf der entgegengesetzten bloß 34 mm stark. Diese
Ungleichheit setzt sich in der ganzen Höhe der
Glocken-Rippe fort, in der Mitte ist der Durchmesser
18, bez. 15 mm, oben 12, bez. 9 mm. Nicht weniger
auffallend, aber wahrscheinlich mit dem genannten
Mißstand zusammenhängend, ist die Gestalt der
untern Peripherie. Sie ist nicht ein voller Kreis,
sondern excentrisch; von dem richtigen Mittelpunkt
gemessen hat der Radius der einen Hälfte 25,02, der
andere 24,98 cm. Der größte Durchmesser hat
50 cm, sollte aber nach dem Schlag 50,90, bez.
47,6 cm haben. Wenn auch die Dicke der Platte
ans den Ton keinen Einfluß hat, so ist ihre
Stärke von 17 mm, also Vs statt Vs Schlag,
auffallend. Ist unter solchen Umständen die
richtige Weckung der konsonirenden Töne Terz
und Quint (oder Quart), und damit der har-
monische Klang der Glocke möglich? Können
sich die mittelbaren und unmittelbaren Glocken-
töne so bilden, daß die den Glocken eigen-
thümlichc Klangfülle entsteht? Man prüft Orgeln
zum Zweck der Uebernahme nicht bloß auf's Gehör
hin, sondern technisch. Es thäte Noth, auch ein zu
übernehmendes Glockengeläuts mit gleicher Schärfe
technisch zn prüfen. Für heute genügt es, die Auf-
merksamkeit darauf gelenkt zn haben.

Schwarz.

Herder'sche Verlagshandlung in
Hreiburg (Baden).

Soeben ist erschienen und durch alle Buch-
handlungen zu beziehen:

25dffri, St., S. J., Geldwerts
und Arbeitslohn im Alittelalter.

Eine kulturgeschichtliche Studie im Anschluß
an die Baurechnnngen des hl. Viktor zu
kanten. Mit vielen statistischen Tabellen.
(27. Ergänzungsheft zu den „Stimmen aus
Maria-Laach".) gr. 8°. (VIII n. 190 S.)
JC.. 2. 50. — Von demselben Verfasser ist
vor Kurzem erschienen:

Die Baugeschichte der Airche des
hl. Viktor zu Fanten, f^inno

rechnungen und andern handschriftlichen Quel-
len dargestellt. Mit vielen Abbildungen. (23.
und 24. Ergänzungshest zn den „Stimmen
aus Maria-Laach".) qr. 8°. (XII u. 232 S.)
Jt. 3. —.

Stuttgart, Buchdruckcrei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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