Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 3.1885

Seite: 43
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das folgende Plättchen übertreten kann,
ist der Rundstab unterschnitten, so daß
das Wasser am tiefsten Punkt der Peri-
pherie abtröpseln muß. Das Plättchen
wird gleichzeitig schwach abgeschrägt. Ein
sehr zweckentsprechendes und wirksames ca.
30 cm ausladendes Profil zeigen die Gurt-
gesimse der beiden östlichen Thürme der
Stiftskirche in Ellwangen. Der Wasser-
schlag ist eine Schräge von 30°; auf sie
folgt eine Platte, 10 cm breit, dann eine
nach innen gezogene Schräge von ca. 30°,
welche mittelst einer Einziehung unter-
schnitten ist, dann eine Platte und Hohl-
kehle. (Vergl. „die ehemalige Benediktiner-
abteikirche Ellwangen" Bl. 11 Fig. 11.)

Die aus Kreissegmenten gebildeten Pro-
filglieder werden, wie im romanischen Haupt-

Romanischcr Thurmgurt von St.

Fidcs in Schlettstadt (Elsaß).

gesims (vergl. Nr. 3 Fig. 34) so auch
hier gern ornamentirt. Fig. 53 gibt ein
Beispiel hievon.

Die punktirten Linien geben das Pro-
fil der beiden Gesimsglieder an; die Or-
namentation besteht in Stücken des Rund-
stabs, die sich in bestimmten Zwischen-
räumen wiederholen, und zwar in beiden
Kehlen abwechselnd. Dieser Gedanke ist
ein Nachklang der Antike, welche unter
der Hängeplatte Konsolen oder Kragsteine
anbrachte. Es ist dies ein sehr wirksames
Mittel, Licht und Schatten hervorzubrin-
gen. Daß in Fig. 53 der Rundstab der
einen Kehle an's Licht tritt, wo die korre-
spondirende Stelle der andern im Schatten
liegt, erhöht noch die Kraft von Licht und
Schatten. Aehnliche Verzierung haben die

Gurtgesimse der romanischen Thürme in
Comburg.

Die glückliche Verwendung dieser Gurt-
gesimse iu Verbindung mit dem Rund-
bogenfries schuf die Möglichkeit, die ro-
manischen Thürme so wirksam und reizend
zu gliedern. Nicht bloß die bedeutenderen
Bauten, wie Speier, Mainz, Trier, Bam-
berg, Maria Laach, Wechselburg, Ellwan-
gen und so viele andere, sondern auch
Kirchen von bescheidenerem Umfang weisen
Beispiele davon zu hundertel: auf, auch in
unserer schwäbischen Heimat, wie der Jo-
hannisthurm in Gmünd, die genannten
Thürme in Comburg, Obersteufeld, Weins-
berg u. A.

Das g ethische Gurtgesims hat als

Gurtgcsims vom Münster GurtgcsimS vom Münster in
in Freiburg. Nlm.

charakteristisches Merkmal scharf unter-
schnittenes Profil und steil ansteigenden
Wasserschlag. Beispiele geben Figur 54
und 55.

Das Gesims Fig. 54 ist bloß im Pro-
fil gegeben. Daß der steile Wasserschlag
und die scharfe Unterschneiduug dem Zwecke
der sichern Wasserableitung sehr dienlich,
das ganze Profil aber trotz seiner außer-
ordentlichen Einfachheit äußerst wirkungs-
voll ist, springt in die Augen. Der Win-
kel, unter welchem der Wasserschlag an-
steigt, beträgt meistens 45°. Aber auch
Winkel von 30 und 60 Grad sind nicht
ungewöhnlich. Was die Verzierung der
gothischen Gesimse, auch der Hauptgesimse
betrisst, so kommen Blätterornameute in
der ersten Zeit der Gothik vornehmlich in
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