Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 3.1885

Seite: 88
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1 cm
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ziehen und erst nach der Anpassung zu
poliren. Zum Transport werden sie in
Holzverschläge gepackt. An Ort und Stelle
werden sie, ein Stück nach dem anderen
angepaßt, ein Geschäft, das große Ge-
nauigkeit erfordert und bei unebenen Wän-
den manche Schwierigkeiten bieten kann.
Oft wird der Bestich ganz oder theilweise
weggehauen werden müssen. Wenn Mau-
rer und Steinhauer gebörig zusammenhel-
feu, so werden sie auch diese Schwierigkeit
überwinden. Je genauer die Anpassung
besorgt ist, desto leichter und schneller kann
nachher die Versetzung vor sich gehen.
Sind die Platten angepaßt und numerirt,
so geht es ans Poliren, welches ungefähr
ans die nämliche Art verrücktet wird, wie
die Politur des Holzes. Ein im Poliren
erfahrener Tischler findet sich darin zurecht.
Aber warme Temperatur gehört dazu, im
Nothsall durch Ofenwärme erhöht. Durch
die Politur bekommt der blaugraue Steiu
eine schöne Glätte und einen marmorähn-
lichen Maser und Glanz, grünlich, bräun-
lich oder graulich. Die so präparirten
Platten werden nun an die Wand ver-
setzt. Man kann die Wandfläche frisch
mit Mörtel aufziehen und die Platten an-
drücken, oder auch den Fuß der Platte in
Mörtel legen und deu Zwischenraum zwi-
schen Platte und Wand mit Cement aus-
gießen. Kleine eiserne Stifte am Fuß
und Klammern am Kops der Platten
machen die Befestigung vollständig. Nun
muß diese Wandbekleidung auch einen de-
korativen Abschluß nach oben bekommen.
Auf die Marmorsläche ein hölzernes Ge-
simsprofil, etwa marmorirt, anzubringen,
möchte sich nicht empfehlen. Besser Hilst
der Farbenwechsel. Wenn man mit Mar-
morplatten verkleidet, kann man die Verklei-
dung oben mit einem 15—16 Centimeter
breiten Bande eines dunkleren oder schwarzen
Marmors abschließen. Beim Liasschiefer
kommt dessen Fähigkeit, schwarze Färbung
anzunehmen, zu Hilfe. Daher reibt man
den oberen Streifen, der durch eine einge-
hauene Kerbe von der übrigen Platte ab-
getrennt ist, mit Lampenruß ein, den der
Stein begierig einsangt, und wodurch er nach
geschehener Politur einen: schwarzen Mar-
mor ähnlich wird. Um die beiden Farben
der Platte schön zu trennen und zu ver-

binden, wird die dazwischen liegende Kerbe
vergoldet. Beifolgende einfache Zeichnung
mag das Gesagte veranschaulichen.

a b c d ist die ganze Platte,
e f die eingegrabene Kerbe,
a b e f bildet die schwarze Leiste zum
Abschluß.

Nun noch ein Punkt: Der Kostenpunkt,
welcher sich so berechnet:

Drei Lieferungen geschlissene Schiefer-
platten, frei zur Eisenbahn,

58' □ ä 42 Pf.,


82' □ a 50 Pf.,


88' □ ä 45 Pf.,


zusammen 178' sisi .

82 M. 46 Pf.

Packung.

13 „ 30 „

Fracht, (Eisenbahn) 76


Kilometer ....

13 „ 74 „

Politur.

27 „ 70 „

Eiserne Haken . . .

3 „ 85 „

Anpassen, Versetzen, Ce-


ment.

49 „ 26 „

Vergoldung ....


Porto.

v 90 „


192 M. 21 Pf.

Zu bemerken ist, daß

die Anpassung

und Versetzung wegen der schlechten Wände
schwierig und zeitraubend gewesen ist und
bei besserer Beschaffenheit des Gemäuers
dieser Posten bedeutend reduzirt würde.
Trotzdem kam von dem ganzen Werke der
Quadratfuß auf wenig über eine Mark,
der Quadratmeter auf 12,50 Mark.

Diese Bekleidung ist der mit Mettlacher
Plättchen und ähnlichem unbedingt vorzu-
ziehen, einmal, weil eben Dessins an die-
sen Wandpartien nicht zu wünschen sind,
sodann weil die gewöhnlichen Muster für
die Kirche zu profan geworden sind, in
Folge ihrer gegenwärtig so häufigen Ver-
wendung in Hotels, Küchen, Gängen und an
anderen Orten. Was die Drapirnng der
Wände mit Teppichen anlangt, so sei diese
Frage für ein andermal aufgespart. —

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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