Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 3.1885

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Archiv für christliche Kunst.

Organ des Rottenburger Diözesan-Vereins für christliche Kunst.

fteransgegeben und redigirt von Professor Dr. Reppler in Tübingen.

Verlag des Rottenbnrger Diözesan-Aunstvereins, für denselben: der Vorstand Professor Dr. Aeppler.

Lr. 9.

Erscheint monatlich einmal. Halbjährl. für M. 1. 35 durch die württemb. (M. i. 20
im Stutlg. Bcstcllbczirk), M. 1. 50 durch die bayerischen und die Reichspostanstaltcn,
Frcs. 2. 50 in der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden auch angenommen von
allen Buchhandlungen, sowie direkt von der Expedition des „Deutschen Volksblatts" in
Stuttgart, Urbansstraßc 94 zum Preise von M. 1. 35 halbjährlich.

1885.

An die Leser.

Durch Beschluß des Ausschusses des
Diözesankunstvereins vom 28. Juli d. I.
bin ich an Stelle des in Gott ruhenden
Prälaten vr. Schwarz zum Vorstand des
Vereins und Redakteur dieser Zeitschrift
bestellt worden.

Der durch den traurigen Todesfall ver-
aulaßte Wechsel in der Person des Re-
dakteurs wird in keiner Weise einen Wech-
sel des Programms oder der Tendenz die-
ser Blätter bedeuten. Dieselben sollen
fürderhin wie bisher dem Zweck dienen,
gründliche Kenntniß der kirchlichen Kunst
in jene Kreise zu tragen, welchen die Sorge
für Gotteshaus und Gottesdienst, deren
Herstellung, Ausstattung, Ausschmückung
Pflicht ist.

Freunde der hl. Kunst, welche mehr aus
historischem, archäologischem Interesse, ans
Freude am christlichen Alterthum und an
den Schöpfungen des Mittelalters diese
Studien pflegen, sollen damit nicht aus-
geschlossen sein, noch werden sie leer aus-
gehen. Denn die praktische Richtung die-
ser Blätter hat ihren Untergrund in der
Theorie und in der Geschichte der Kunst.

Was dem „Archiv" eine immer weiter-
dringende Verbreitung verschafft und die
Sympathien Vieler gewonnen hat, ist zwei-
fellos eben die mit großer Festigkeit und
Konsequenz angestrebte Verbindung von
Theorie und Praxis. Vor allem auf un-
serem Gebiet gilt es, daß völlige Lostren-
nung von Theorie und Praxis unmöglich
und verderblich wäre. Eine Theorie, welche
sich zur Praxis in keine Beziehung setzt,
wäre hier ebenso verfehlt, als eine Praxis,
welche nicht auf der Theorie kräftig fußt.

Der oberflächlichen Betrachtung mag
vielleicht manche Erörterung als doktrinäre
Gelehrsamkeit, als graue Theorie erschei-
nen; ihr mag als Ideal eine Zeitschrift
vorschweben, welche sich einzig damit ab-

geben würde, Einzel punkte ans der
Praxis heranszugreifen und mit Regeln
und Vorschriften zu belegen, einzelne
Fälle, Leistungen, Fragen der kirchlichen
Kunstthätigkeit zur Sprache zu bringen,
zu kritisiren, zu entscheiden.

Eine derartige praktische Haltung des
Blattes wäre aber in That und Wahrheit
höchst unpraktisch. Die einzelnen Vor-
schläge, Regeln, Anweisungen würden nicht
richtig verwerthet, ja nicht einmal verstan-
den werden ohne einen verständnißvollen
Einblick in die obersten Gesetze auf diesem
Gebiet, also ohne theoretische Unterweisung
über die Grundfragen der christlichen Kunst.

Diese leitende Anschauung, welcher der
verewigte Redakteur oftmals Ausdruck gab,
zum letztenmal einige Tage vor seinem
Tode, in dem „Brief an einen Freund"
(Nr. 7), seinem Testament bezüglich des
„Archivs", theilt der neue Redakteur voll-
ständig; auch sein Streben wird vor allem
ans richtige Kombinirnng von Theorie und
Praxis gerichtet sein. Von diesem Ge-
sichtspunkt ans bittet er den Inhalt des
„Archivs" zu prüfen und zu werthen.

Wenn ans Wunsch des Ausschusses in
der nächsten Zukunft in Herstellung des
Blattes einige Sparsamkeit walten wird,
um das aus dem Gleichgewicht gekommene
Verhältnis; zwischen Ausgaben und Ein-
nahmen wieder etwas zu reguliren, so
möge das die Treue und den Eifer unse-
rer Abonnenten nicht mindern, sondern
spornen; möchten bald dem Blatt durch
noch größere Verbreitung die Mittel zu-
geführt werden zu einer freieren und nob-
leren Existenz!

Die Grammatik der kirchlichen Baukunst,
für deren Fortsetzung die Illustrationen
bereits vorliegen, hoffe ich mit der ersten
Nummer nächsten Jahres wieder ausneh-
men zu können.

Der Redakteur des „Archivs"
Professor Or. K e p p l e r.
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