Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 3.1885

Seite: 112
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M a n n Hardt, welches in unserem Lande
durch die Fabrik von I- Perrot in Calw
rühmlichst vertreten wird. Die eigcnthüm-
liche Hemmung Mannhardts beruht ans der
Einrichtung des sogenannten „freien Pendel-
gangs", indem das 2,25 m lange, 125 k
schwere Pendel, an seiner vortrefflichen Auf-
hängung von zwei parallelen Stahlfedern
hängend, frei schwingt und nur alle Minu-
ten einmal (d. h. je nach 20 vollen Oscilla-
tionen) durch ein eigenes Laufwerk einen
sanften Impuls erhält. Dieses Laufwerk
dient dazu, jede Minute das kleine Gewicht-
chen. welches den Impuls von konstanter
Kraft ertheilt, wieder zu heben itnb gleich-
zeitig das Zeigerwerk um eine Minute vor-
wärts zu bewegen. Im Uebrigen steht das
Uhrwerk still, nur das Pendel schwingt un-
unterbrochen. Hierin liegt ein wesentlicher
Vortheil. Denn der Einfluß von Wind und
Regen auf den Gang, welcher bei Thnrm-
uhren oft sehr merklich ist, inbent er durch
das Zeigerwerk auf das Pendel zurückwirkt,
ist dadurch unmöglich gemacht. Daher kann
auch eine Mannhardt'sche Uhr unbeschadet
der Genauigkeit jede beliebige Anzahl Zeiger-
wcrke in Gang setzen. Uhren von dieser
Konstruktion sind ziemlich verbreitet und
Interessenten können leicht bei jedem Uhren-
macher nach der nächsten Gelegenheit sich
erkundigen, dieselbe aus eigener Anschauung
kennen zu lernen.

Nach ganz originellem Plan sind die
Thurmuhren der wohlbekannten Firma PH.
Hörz in Ulm a. D. konstruirt, welche seit
Jahrzehnten mehrfach prämiirt und durch
Medaillen ausgezeichnet worden sind, un-
tcr andercin auch bei der Württembergi-
schen Landesgewerbe-Ausstellung in Stutt-
gart 1881. Der Hörz'sche Gang ist da-
ran leicht kenntlich, daß er eine Vergröße-
rung der in der Taschenuhrenmacherei schon
lange mit vorzüglichem Erfolg angewandten
„freien Ankerhemmung" darstellt. Obgleich
ich persönlich aus theoretischen Gründen nicht
zu sehr für derartige Transpositionen be-
geistert bin (was mechanisch vollkommen ist
im Kleinen, ist es nicht immer im Großen,
selbst bei vortrefflicher Ausführung!), muß
ich doch zugestehen, daß Hörz diese Ver-
größerung mit bedeutendem mechanischen Ge-
schick ausgeführt hat. Namentlich ist die
Reibung während des Impulses durch zwei
am Anker angebrachte Friktionsrollen, welche
auf den schiefen Endflächen eines wohlge-
formten Jmpnlsstückcs, das am Pendel selbst
angebracht ist, gleitend wirken, fast auf Null
reduzirt. Der größte Vorzug scheint mir
aber darin zu liegen, daß Hörz das Geh-

Stuttgart, Buchdruckcrei der A

werk ganz niurbhängig für sich konstruirt und
die Zeigerleitung und die Schlagwerkaus-
lösungen durch ein eigenes Laufwerk besorgen
läßt. Damit ist der schädliche Einfluß von
Wind und Wetter, das ewig Veränderliche,
voni Gang des Uhrwerks, welcher unver-
änderlich gleich sein sollte, gänzlich ausge-
schlossen. Da auch die Verzahnungen wohl
berechnet und in gutem Material (I. Quali-
tät aus Bronze, II. Qualität aus Eisen)
ausgeführt sind, so erscheint das gute Gang-
resultat, welches die Hörz'schen Uhren erzielt
haben und überhaupt der Ruf dieser Firma
ald ein wohlverdienter.

lieber die Preise der besprochenen Uhren
kann ich ans Mangel an Raum nur kurz
beifügen:

Preis von Thurmuhren mit Viertel- und
Stundeuschlag sowie Rachschlagcn der Stunden
A B

von Ph. Hörz: 500 M., 1160 M. ;

von I. Perrot: 600 M., 1000 M.

(A bezieht sich auf Schlagwerke für Glocken
bis zu 5 Ctr. Gewicht, B für Glocken bis
zu 30 Ctr.)

Doch sind das nur ganz allgemeine An-
haltspunkte, indem die Preise sich natürlich
mit den Einzelheiten jeder Bestellung etwas
ändern. Hierüber müssen wir eben auf die
Preiskataloge der genannten Firmen ver-
weisen, welche ja auch selbst zur Ertheilung
weiterer Informationen jederzeit bereit sind.
Auch muß zum Schluß noch bemerkt werden,
daß wohl manche andere Firma noch Em-
pfehlung verdient hätte, wir aber in dieser
kurzen Skizze uns eben, wie billig, auf die
uns aus eigener Erfahrung näher bekannten
Fabrikate beschränkt haben. Außerdem wol-
len ja unsere kurzen Mittheiluugen nicht den
Rath und das Urtheil von Sachverständigen
überflüssig machen, sondern vielmehr Inter-
essenten dazu ermuntern, sich durch eigene
Anschauung bewährter Fabrikate unb durch
Besprechung mit erfahrenen Uhrenmachern
davon zu unterrichten, was man bei der Re-
paratur oder Neuanschaffung einer Kirchen-
uhr heutzutage verlangen kann und verlan-
gen soll. II.

„Archiv"-(Linband.

Auf mehrfache Anfragen diene zur Antwort,
das; wir hoffen, deiuuächst einen Entwurf für
einen einfachen, aber künstlerisch würdigen Ein-
band des „Archivs", sowie für eine Mappe zur
Aufbewahrung der artistischen Beilagen mit-
- theilen zu können.

t. Ges. „Deutsches BolkSblatt".
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