Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 4.1886

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Eine andere Art der Befestigung dürfte
manche Vorzüge vor dieser haben; sie ist
dargestellt in Fig. 1 und 2. Hier endigen
die in der Stange laufenden Ringe unten
in einem offenen Haken, wie Fig. 2 zeigt.
Der Teppich ist mit Klammern besetzt,
welche hübsch ornamental behandelt werden
können, wie bei Fig. 1 zu sehen ist; sie
fassen den Teppich von vorn und von
hinten: drei kräftige Nieten werden durch
die beiden Flügel der Klammer und den
zwischen ihnen eingespannten Teppich ge-
trieben; so ist letzterer sicher gefaßt und
zugleich gegen Zerreißung an den Hänge-
punkten geschützt. Die Klammern endigen
nach oben in Ringen, welche nun in die
Haken der größeren, in der Stange lau-
fenden Ringe mühelos eingehängt werden
können. Diese Aufhängung hat den großen
Vorzug, daß es bei ihr nie nöthig wird,

der Teppiche wegen zu stellen, und so viel
Pflege den Teppichen angedeihen zu lassen,
sollte nicht zu den Unmöglichkeiten ge-
hören. Keppler.

Die Musterschule der monumen-
talen Malerei.

Von Prof. vr. Keppler.

(Fortsetzung.)

9. Unser zweiter Gang führt uns ins
Camposanto zu Pisa. Wenn wir
die jetzt ziemlich leblose Stadt durchwan-
dert haben, finden wir draußen auf weitem
ebenen Plan in heiliger Einsamkeit und
Stille das große Pisa der alten Tage, das
heilige Pisa. Das ist in feiner Art der
großartigste Platz der Welt. Die Mitte
nimmt der gewaltige Dom ein, Giovanni
Pisano's Meisterwerk (1278—1283), eine

die Vorhangstange herabzunehmen, noch die
Ringe heranszustreifen und daß der Tep-
pich auf die einfachste Weife angehängt
und abgenommen werden kann. Ferner
ist bei dieser Anbringung ein freier und
weicher Fall, ein schönes Herabwallen des
Teppichs ermöglicht. Die polirten (ver-
nickelten, vergoldeten) Messingstangen mit
den Ringen und Klammern wirken schon
für sich in hohem Grade dekorativ.

Eines ist richtig: solche Teppiche setzen
eine reinliche Kirche voraus und eine sorg-
fältige und reinliche Behandlung. Sie
müssen von Zeit zu Zeit herabgenommen,
ausgeklopft und an die Luft (nicht an die
Sonne) gehängt werden. Sonst gehen sie
vor der Zeit zu Grunde und werden Staub-
behälter, die bald mehr zur Unzier als zur
Zier gereichen. Aber die Forderung der
Reinlichkeit in der Kirche ist ja nicht bloß

neue Auflage der alten Basilika, mit ebenso
reicher als klar durchsichtiger Anlage, mit
den weitansgreifenden Transepten, welche
eine mächtige ovale Kuppel unter sich und
mit dem Hauptbau verbindet. Den Dom
flankiren an der Portalseite das Baptiste-
rium, der mächtige, von Diotisalvi (1153)
stammende Rundbau, dessen Herz der
schönste Taufstein und die schönste Kanzel
der Welt bildet, an der Chorseite der
schiefe Thurm, gebaut von Wilhelm von
Innsbruck 1174, dieser seltsam gebeugte
Steingreis, welcher zu trauern scheint über
den Verfall der alten Republik, dessen
Riesensteinkörper liebliche Arkadengänge
wie ein duftiges Gewand umwallen, alle
Schwere ihm benehmend. Den Abschluß
des Platzes aber bildet die lange Mauer-
flucht des Camposanto hinter dem Doin.
Sie umschließt den berühmtesten Friedhof
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