Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 4.1886

Seite: 78
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die

Chorlänge ....

8,97 m



Gesammtlichtlänge

35,14 m



Sakristei 5,5 X 3,0 .

21,45 qm



Seitenschiffhöhe bis



zum Gewölbescheitel

6,60 m



Seitenschisfhöhe bis zum



Dachgesims (außen)

6,30 m



Mittelfckschisfhöhe bis



zur Holzdecke . .

11,75 m



Mittelschiffhöhe bis zum



Dachgesims (außen)

11,30 m



Chorhöhe bis znm



Schlußstein . . .

9,70 m



Thurmhöhe bis zur



Oberkante des Dach-



gesimses ....

23,3 m



Thurmhöhe bis zur



Helmspitze . . .

40,3 m

Die Kirche hat 540 Sitzplätze und faßt
im Ganzen ungefähr 600 Personen.

Die Mauern sind ans Tuffstein vom
Berathal (außen kein Verputz), die Por-
tale, Gewölberippen, Kapitelle, Säulen
von Binsdorfer Werkstein, alle übrigen
Steinhauerarbeiten von Keupersandslein von
Zimmern u. d. Burg. Das Dach ist mit
gewöhnlichen Platten, der Thurmhelm mit
Schiefer gedeckt.

Der Chor und die beiden Nebenschisse
sind mit einem Kreuzgewölbe versehen;
dagegen wurde im Mittelschiff ans ein Ge-
wölbe verzichtet; so konnte diese Höhe und
Breite erzielt werden, ohne daß die Sarg-
wände und Säulen eine besondere Ver-
stärkung erhielten. Den Chor versehen
4 große Fenster reichlich mit Licht; weil
die Fenster der Nebenschiffe keine be-
deutende Höhe haben, erhielt die Schluß-
wand des Langhauses die 3 großen ver-
bundenen Fenster, welche auch von der
Orgel freigelassen werden und einen Strom
von Licht in die Kirche leiten. Im Thurm
ist der Einfachheit wegen der quadratische
Grundriß durch alle 3 Stockwerke beibe-
halten; er steht zwischen Chor und Lang-
haus, für gewöhnliche Kirchenbauten, bei
welchen die Möglichkeit einer Vergrößerung
immer offen bleiben muß, die einzig rich-
tige Stellung.

Am 12. Juni 1885 war der Abbruch
der alten Kirche vollzogen; am 18. Juni
begannen die Arbeiten des Neubaues; am
16. November waren die Seitenschiffe ans
Dachgesimshöhe gefördert und mußten für

dieses Jahr die Arbeiten eingestellt wer-
den. Am 12. April 1886 wurden sie
wieder ausgenommen, am 15. Juni waren
die Dachstühle aufgeschlagen. Bis Herbst
ist die Vollendung des Baues sicher.

Es wird nun ohne Zweifel dieser Plan
doch manchem Auge fremd und ungewohnt
Vorkommen; manches Auge wird wohl nach
Fialen suchen, die ans den Streben auf-
schießen, es wird vergeblich nach dem Blät-
terschmuck der Kapitelle fahnden oder nach
Kreuzblumen, in welchen die Giebelfeite
und die Strebpfeiler ans- und ausblühen
würden; ja endlich wird es starr auf den
Fenstern haften bleiben, und den Mangel
des Maßwerks nicht verstehen können.
Daher ist es nöthig, über den C h a r a k -
ter des Baues, welchen manche allzu
hart und derb finden könnten, etwas zu
sagen.

Das Raumbedürfniß der Gemeinde einer-
seits, die vorhandenen und verfügbaren
Mittel andrerseits waren die bestimmenden
Mächte, welche den Baumeister veranlaßten,
gerade diesen Stil zu wählen und die srüb-
gothische Struktur mit aller Konsequenz
und Strenge, aber unter Verzicht aus alle
e n t b e h r l i ch e Ornamentalion durchzu-
sühren. Es wäre natürlich ein Leichtes
gewesen, den Fenstern Maaßwerk, den Säu-
len schmucke Kapitelle zu geben, die Strebe-
pfeiler zierlich in die Höhe zu bilden, den
Portalen eine reichere Anlage zu verleihen;
hier wurde davon abgesehen, weil man
diese Ornamentik nicht durch eine nnnöthige
Steigerung der Ausgaben, am allerwenig-
sten auf Kosten des Raumes, oder der
soliden Konstruktion erkaufen wollte. So
allein ist es möglich geworden, um solchen
Preis eine dreischifsige Kirchenanlage von
diesen Dimensionen zur Ausführung zu
bringen und einen Bau zu erstellen, der nach
innen und außen ein reiches Architekturbild
bietet. Denn mit dem Verzicht auf äußere
Ornamentik ist nicht auch ans ästhetische
und harmonische Wirkung verzichtet. Die-
ser Bau wird vielmehr seines ästhetischen
Eindrucks sicherer sein, als mancher, der
mit Ornamenten überwuchert ist, und zwar
deßwegen, weil hier die Hauptsache geord-
net und die Grundbedingung aller archi-
tektonischen Schönheit erfüllt ist: die

Richtigkeit der Konstruktion und
die Harmonie der V e r h ä l t n i s s e.
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