Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 4.1886

Seite: 85
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Archiv für christliche Kunst.

Mrgan des Rottenburger Diözesan-Vereins für christliche Ärmst.

perausgegeben und redigirt von Professor Nr. Keppler in Tübingen.

Verlag des Rottenburger Diözesan-Runftvereins, für denselben: der Vorstand Professor Nr. Rexpler.

Or. 9.

Erscheint monatlich einmal. Halbjährl. für M. 2. 05 durch die württemb. <M. 1. 90
im Stuttg. Bcstellbezirk), M. 2. 20 durch die bayerischen und die Reichspostanstalten,
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auch angenommen von allen Buchhandlungen, sowie gegen Einsendung des Betrags
direkt von der Expedition des „Deutschen Bolksblatts" in Stuttgart, Urbansstrahe 94
zum Preise von M. 2. 05 halbjährlich.

1886.

Fig. 82.

Grannnatik der kirchlichen
Baukunst.

Von Joseph Prill.

(Fortsetzung.)

III. Cindeckung der Kirchengebäude.

— Gewöl b e.

Wenn wir nach der Behandlung des
Grundrisses uns nicht zuerst zur Besprech-
ung der Umfassungs-
mauern und Pfeiler,
sondern zu den ober-
sten Theilen des
Baues, der Eindeck-
ung, wenden, so ge-
schieht dies, weil von
der Art der Eindeck-
ung — und im Be-

sondern von den Ge-
wölben — die Ge-

staltung des ganzen
Baues und der ein-
zelnen Bauglieder wesentlich
beeinflußt wird. Es ist zu
sprechen 1) von den Holz-
decken, 2) von den Ge-

wölben.

1) Holzdecken.

Die Basiliken waren im-
mer, die sich an diese Form
anschließenden mittelalter-
lichen Kirchen, besonders im
romanischen Stil, häufig
mit Holzdecken versehen. In
Rom, der Heimat der Ba-
siliken, und in den südlichen Ländern über-
haupt dienten als solche ursprünglich die in
jenem Klima sehr flachen Dächer selbst. Auf
die in gewissen Abständen quer über den Raum
gelegten Balken (Bindebalken) werden flache
Balkendreiecke aufgebant, deren Festigkeit
durch mittlere Hilfsbalken in verschiedener
Anordnung noch mehr gesichert wird. Da-
rauf legen sich in der Längenrichtung leichtere

Balken, und hierauf wieder die eigentliche
Bedeckung: Bohlen mit halbrunden Zie-
geln bedeckt. S. Fig. 82, vgl. auch Fig. 57.
Die auf den Umfassungsmauern liegenden
Enden der wagerechten Balken sind ge-
wöhnlich von Kragsteinen unterstützt und
das ganze Dachwerk durch kunstvolle Be-
arbeitung der Hölzer und durch Malerei
mehr oder minder verziert. Solche offenen
Dachstühle gibt es
noch heute, z. B. in
S. Lorenzo außer-
halb der Stadt Rom
(Fig. 57).

Mitunter wird unter
demeigentlichenDache
eine besondere wage-
rechteDeckezumobern
Abschluß des Kirchen-
innern angebracht.
Ganz nach Art der
Dachbedeckung in Fig.
angeordnet ergibt dies
in Fig. 83 dargestellte
Auf den Querbal-

Sichtbarer Dachstuhl (altchristlich).
Nach Hübsch, XXIII, 1.

Fig. 83.

82
die

Form.

ken (hier U n t e r z ü g e ge
nannt) ruhen die in die Län-
genrichtung gelegten leichte-
ren Balken, welche die Die-
lendecke tragen. Diese Art
der Decken findet auch im
romanischen Stil Anwend-
ung, oft aber sind auch die
Querbalken näher aneinan-
der gerückt und ans diesel-
ben legen sich unmittelbar (in der Längen-
richtnng) die Deckbretter.

Eine andere Form der Decken knüpft
an die griechischen Steindecken an (vergl.
Fig. 84), bei welchen auf die kurzen Bal-
ken sich gitterartig durchbrochene Platten
legten, deren Oeffnnngen wieder durch
leichtere Plättchen geschlossen sind. Darin
lag ein Mittel, einen gewissen Reichthum

Altchristliche Balkendecke.
Hübsch, VI, 13.
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