Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 4.1886

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der Vierpässe sind ziemlich breite Nägel
angebracht, welche se in sechs Blätter aus-
laufen. Auf der Vorderseite befindet sich
oberhalb des unteren Vierpasses eine Re-
liquie unter Glas. Oben sind drei rothe
Steine (Glasflüsse) in Fassung angebracht.
Die Medaillons auf der Vorderseite zeigen
auf ihrer Oberfläche leeres Blech, das im
oberen Vierpaß zeigt einen stark verhüllten
Frauenkopf, den man oft sieht auch aus
Renaissance-Kelchen. Das Vierungsquadrat
ladet ziemlich stark aus und zwar in zwei
rechten Winkeln. Auf der Rückseite trägt
dasselbe ein 1,5 cm hohes Medaillon, das
eine schöne Zeichnung hat (vgl. Blatt II.
Nr. 9). Die Zeichnung der Stäbe ist ver-
wandt mit derjenigen von Jettenhausen,
aber viel zierlicher, dagegen hat sie wenig
Abwechslung; eine Probe davon siehe
Blatt II. Nr. 8.

Der crucitixus hat einen besonders
großen Kopf und ist auch sonst in der
ganzen Figur etwas markig gehalten. Es
ist ein Erzguß und vergoldet und stammt
aus gothischer Zeit, wie das ganze Kreuz,
etwa Anfang des 15. Jahrhunderts.

(Schluß folgt.)

Literatur.

Ikonographie der Taufe Christi.
Ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der
christlichen Kunst von Di-. Joseph Strzy-
gowöki. Mit 109 Skizzen auf 22 Tafeln.
München. Verlag von Theod. Riedel.
1885. Mk. 12. 40. 70.

Ju der vorliegenden Arbeit will der Verfasser
„eine Geschichte der Wandlungen in der typischen
Darstellungsweise der Taufe Christi aus dem
Gröbsten herausarbeiten". Er hat diese Arbeit
durchgeführt bis zum späteru Mittelalter, von
diesem selbst und der Renaissance nur einzelne
Züge angeführt. Das Material ist aus jenen
früheren Epochen der Kuustentwiekluug mit großem
Fleiße zusammengetragen, und wir finden nach
einander behandelt: die altchristliche Kunst, die
Mosaiken von Ravenna und die byzantinische
Kunst; das; er dann die „Kunst Oberitaliens zur
Zeit der Langobarden" lind die „karolingische
Kunst" besonders aufführt, erscheint uns zu weit-
gehend, ebenso wenn nach dem deutschen Mittel-
alter von einer französischen, englischen, nieder-
ländischen und italienischen Knust bei diesem ikono-
graphischeu Vorwürfe noch besonders die Rede
ist. Es handelt sich hier ja um religiöse, speziell
katholische Kunst lind da kann, abgesehen von
allem andern, schon an und für sich der Unter-
schied in der bildlichen Behandlung eines Ereig-

nisses aus der hl. Schrift in den verschiedenen
Ländern kein so bemerkenswerther sein, daß man
genau nach Ländern unterscheiden könnte. Es
wurde ja die ältere Kunst nur in den Klöstern
traktirt, die, ohne Rücksicht auf Landesangehörig-
keit, den lebhaftesten Verkehr miteinander unter-
hielten. Zudem sind es überall in allen Ländern
die gleichen Quellen, — die hl. Schrift des katho-
lischen ' Dogma, die Liturgie der Kirche, die
Hymnen u. s. w. — welche der Art und Weise
der einzelnen Darstellungen zu Grunde liegen.
Dann ist gerade unser Thema, die Taufe Christi,
so einfach, daß die Kompositionsweise sich der
Hauptsache nach von selbst überall gleich bleiben
mußte; nur einzelne Beigaben und Stellungen
konnten cs sein, die wechselten. Hier aber scheint
der Verfasser sein Hauptaugenmerk besonders da-
rauf gerichtet zu haben, in wieweit diese jeweiligen
Beigaben, Stellungen u. s. w. für die Dalir-
ung des betreffenden Kunstwerkes verwendet
werden können und darum bespricht er jedes
Bild einzeln und wiederholt in ermüdender
Breite, ob Christus en face stehe, ob mit ge-
kreuzten Beinen und dgl. Wenn alle Ereignisse
der hl. Schrift, bevor an die Abfassung eines
Handbuches der Ikonographie gegangen werden
dürfte, in solch breiten Spezialuntersuchungen
behandelt werden müßten, dürfte man allerdings
noch Jahrzente warten, bevor man auch nur den
Versuch einer solchen Arbeit wagen könnte. Dann
wäre erst nicht viel gewonnen, wenn, wie hier,
überall bloß die technische Seite eines Themas
premirt, die theologische aber mehr in den Hinter-
grund gerückt würde. Ganz bedenklich aber wären
in letzterer Beziehung Sätze wie: (S. 16). „Die
hl. Schrift läßt die Engel nicht zu häufig hervor-
treten und gibt über ihr Wesen keinen Aufschluß.
Ju der altchristlichen Kunst gleichen sie den
antiken Genien". Ist der Verfasser beim Lesen
der hl. Schrift noch nie auf Stellen gestoßen,
wie: Math. 13, 39; 18, 10; 24, 36. Luk. 14, 22.
Hebr. I, 7. 14 u. s. w. Col. I, 16. Ps. 99, Li.
Dan. 7, 10. Akt. 23, 8; 12, 14. 15. Js. 37, 36
und Dutzende andere, die über Existenz und Wesen
der Engel Aufschluß geben? Detzel.

(Verseh-Patcne.) Bei Versehgängen nach
auswärts, sowie an Orten, wo das Ällerheiligste
nicht öffentlich zu den Kranken getragen werden
kann, empfiehlt sich statt des Vcrsehkreuzcs die
handlichere Versehpatene mit flacher wohl ver-
schließbarer Pyxis. In das Korporale gehüllt
und so in ein seidenes Etui gelegt, wird sie be-
quem und doch würdig vor der Brust getragen.
Ebenso zierliche als praktische Versehgefäße dieser
Art liefert um nur 10 Al. Joseph Ballmann in
Berg—Stuttgart, Verfertiger kirchlicher Metall-
arbeiten. Derselbe ist überhaupt allen in sein
Fach einschlagenden Aufträgen, auch den schwie-
rigen, wohl gewachsen und wegen seiner soliden,
wohlfeilen Arbeit zu empfehlen.

Mit einer Beilage: p)rozessionskreuze.

Stuttgart, Buchdruckerci der Akt. Ges. „Deutsches BatkSbtalt".
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