Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 5.1887

Seite: 8
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nisches Symbol" mit durchaus heidni-
uischem Siun deutet, aus keinem anderen
Grund, als weil dasselbe auch schon von
der heidnischen Kunst dargestellt worden,
der leistet beiden gewiß keinen Dienst.
Solch ein Verfahren ist unwissenschaftlich
und hinterläßt in jedem weniger einsichts-
vollen Leser den Eindruck, das Christen-
thnm und der Katholizismus insbesondere
sei nichts weiter als ein fortentwickeltes
Heidenthnm. Diese falsche Verquickung
unzusammenhängender Dinge abzuweisen,
dagegen den wirklichen Zusammenhang des
Christlichen mitdemHeidnischen klarzustellen,
das soll im Folgenden unsere Ausgabe sein.
Also nicht die Beziehungen des Heidenthnms
zu unserem Volksleben sollen uns beschäf-
tigen; diese schildert —■ allerdings in seiner
Art — Lippert in seinem Buch „Christen-
thnm, Volksglaube und Volksbrauch";
nicht der Nachweis heidnischer Spuren im
Kirchenjahr; damit besaßt sich von katholi-
schem Standpunkt aus Oberle in seiner
lesenswerten Schrift „Ueberreste des ger-
manischen Heidenthums im Christenthum";
nicht die merkwürdige Uebereinstimmung
zwischen altheidnischen und christlich-kirch-
lichen Lehren und Gebräuchen: Sepsüs
„Heidenthum und dessen Bedeutung für
das Christenthum" hat diese ebenso ein-
gehend ' atö kühn erörtert. Nur die Be-
rührungspunkte zwischen ch r i st l i ch e r
Kunst und Heidenthum sollen Gegenstand
dieser Zeilen sein, zu welchem Zweck wir
dem großen Werke von Sepp nur das
entnehmen, was sich unmittelbar auf un-
sere Frage bezieht oder zur prinzipiellen
Beleuchtung derselben dienen mag.

(Fortsetzung folgt.)

Zur Wandbekleibung.

In Nr. 3, Jahrgang 1886 des „Archivs
für christliche Kunst" brachte der hochiv. Herr
Redakteur dieser Zeitschrift einen sehr interessanten
und instruktiven Artikel über „Wandbekleidung
mit Teppichen". Da die Wände meines etwas
engen Chores, obwohl noch nicht lange restaurirt
und mit einem Teppichmustcr bemalt, bereits
wieder sehr zerschundeu waren, faßte ich schnell
den Entschluß, dieselben nach der im obigen Artikel
angegebenen Art und Weise mit Teppichen zu
bekleiden. Aber man hielt mir vor, bei der Enge
des Chors sei große Gefahr, daß die Teppiche
von den kerzenanzündenden Ministranten leicht

in Brand gesetzt werden konnten. Da diese Be-
fürchtung nicht unbegründet war, kam ich ans
einen früheren Gedanken zurück und ließ die Chor-
wände mit einem hölzernen Getäfer bekleiden.
Es ist durch Halbsäulchen mit vergoldeten Kapi-
tälen in Felder getheilt, unten mit einem Sockel
versehen, oben durch ein Gesims gekrönt. Die
Tafeln der Felder sind herausnehmbar, was durch
eine sehr einfache vom Knnstschreiner selbst erdachte
Vorrichtung möglich gemacht ist. Für jedes Feld
sind 2 Tafeln vorhanden. Jede ist auf der Vorder-
und der Rückseite mit einem Tcppichmuster in
Oel benialt, so daß eine vierfältige Veränderung
möglich ist und der Chor je nach der Festzeit
in Weiß, Roth, Violett oder Grün gekleidet werden
kann. Auf der Wand selber könnte man noch
eine fünfte Farbe und Zeichnung anbringen, die
sichtbar wäre, wenn man die Tafeln wegließe.
Wollte man noch mehr Tafeln anschasfen, so könnte
man noch reichere Abwechslung erzielen z. B.
Roth und Weiß niit viel Gold für die hohen
Festtage. Auf das Gesims, besonders über den
Kapitälen, wo es eine stärkere Ausladung hat,
können zur reicheren Zierde kleinere Leuchter,
Heiligenfiguren, Blumenstöcke, Vasen mit Sträu-
ßen lebender Blumen gestellt iverden, welche
letztere sich ganz brillant ausnehmen. Die Wand-
ecken, die gleich nach der ersten Restauration bald
wieder in großen Stücken abgestoßen waren, sind
durch die Holzverkleidung jetzt vollständig gesichert.

Der Quadratmeter Schreiner- und Malerarbeit
inbegriffen kam mich auf ca. 7—8 Mark zu stehen.
Erstere lieferte Kunstschreiner Böhm, letztere Maler
Eberhard, beide aus Hohentengen. Recht behaglich
möchte eine ähnliche Holzbekleidung der Wände
das Studierzimmer machen, und wie schön und
dauerhaft könnte man bei etwas größerem Auf-
wand das „bessere Zimmer" Herrichten!

Als für die Kirche unpassend kann man das
Getäfer nicht erklären. Man denke nur an das
Tüferlverk an so vielen herrlichen Chorgcstühlcn.
Welch' prachtvolles Getäfer habe ich an vielen
Chorstühlen der berühmten Kirchen Italiens ge-
sehen! Man muß nur für die Kirche stilvollere,
strengere und reichere Formen wählen, als für
das Haus. Vivant Leguentes!

Riedhausen. Ziegler.

Anm. der Red. Mit diesem Arrangement er-
klären wir uns völlig einverstanden. In vielen
Fällen mag sich, namentlich wo die Holzpreise
nicht hoch sind, eine Holzverkleidung der unteren
Wandtheile voranderem empfehlen. In der Kirche
in Friedrichshafen ist eine solche geschmackvoll
durch die ganze Kirche geführt worden. Aber
Vorsicht ist von Nöthen. Namentlich stoße man
das Getäfer nicht unmittelbar an die Wand an,
sondern lasse einen Zwischenraum und bringe in
der Holzwand Oeffnnngen an, durch welche die
Luftschicht« zwischen Wand und Holz sich immer
erneuern kann. Dies ist im obigen Fall, wo die
einzelnen Holztafeln zum Wenden eingerichtet
und beiderseitig bemalt sind, doppelt nothwendig,
soll nicht die gegen die Wand gekehrte Farbflüche
bald Schaden leiden.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksbtatt".
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