Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 5.1887

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Fig. 112. Reicherer

samer waren, während die mittlere Periode
sie schärfer von einander trennt nnd etwas
eckiger bildet (s. Fig. 112). In
der Spätgothik werden die Rip-
penprofile wie alle anderen
Gliedernngen magerer und trocke-
ner: ein Vorwiegen weit ans-
gehöhlter Kehlen und scharfer
Ecken sind ihr Gepräge, wäh-
rend die runden Glieder mehr
zurücktreten.

Besondere Erwähnung ver-
dienen noch die S ch l u st stei n e.
DerScheitelpunkt
im Gewölbe, wo
die Kreuzrippen
sich begegnen, be-
durfte zum festen
Schluß eines ein-
zigen Steines, der
sämmtlichen Rip-
pen zugleich ange-
hörte. Daß man
diesen konstruktiv
wichtigen Bau-
stein auch für das
Angemehr hervor-
heben mußte, sei es durch Ver-
zierung, sei es aus andere Weise,
bedarf gar keiner weiteren Be-
gründung. Fig. 109 a. und b
zeigen zwei der ersten Versuche
dazu. Indessen ist eine solche
Verzierung schwächlich, wenn
man sie zusammenhält mit der
wichtigen Rolle, die der Schluß-
stein im Gewölbe spielt. Ganz
anders wird diese hervorgehoben
in dem Schlußstein in Fig.

110, welcher die Rippen ge-
wissermaßen
zusammen faßt
und dann wie-
der von sich
ansgehen läßt:
derselbe gehört
der Ueber-
gangszeit ans
dem romani-
schen indengo-
thischen Stil
an, nnd die
Rippen haben
es den Gurten eigen ist. Im senkrechten

(nach Ungewitter)

Fig. 113.

Unterseite eines Schlußsteins
im Südflügcl des Krcuzgangs
zu Maulbronn
(nach Rieß und Paulus).

dasselbe Profil, wie

Durchschnitt sieht man, wie der Schluß-
stein durch die Kappendicke durchdringt
und dadurch umsomehr einen
festen unverschiebbaren Punkt
bildet, an den sich das ganze

Gewölbe anschließt. Daher

wurde auch der Kern des Schluß-
steins in der Gothik wie ein ein-
facher Cylinder gebildet, gegen
den sich die Rippen mit ihrem
Profil anstemmen (Fig. 111);
oft aber auch ließ man das Rip-
penprofil um den Cylinder

herumlansenlFiq.
110 n. 112) oder
auch ein anderes,
kräftiger gehalte-
nes. Der Theil
des Schlußsteines,
welcher durch die
Kappen dringt,
wird, damit diese
ein Auflager er-
halten , etwas
enger gehalten.
Damit aber die
Rippen sich an
Schlußstein anschließen
können, muß diesem, wie die
Abbildungen zeigen, der An-
fang derselben angearbeitet sein
und die Fuge senkrecht gegen
die Bogenlinie der betreffenden
Rippe stehen.

Die Unterfläche des Schluß-
steins blieb glatt oder war ein-
fach vertieft oder, namentlich
in der späteren Zeit, mit einem
Wappenschild verziert und trug
reichere Zier, besonders Laub-
werk. Fig. 113
zeigt die Un-
terseite eines
Schlußsteins
aus der Ueber-
gangszeit, des-
sen Laubwerk
an die Art der
romanischen
Laub - Verzie-
rungen erin-
nert ; Figur
114 n und b gehören der Frühgothik an
und sind zwei schöne Beispiele davon, wie

Schlußstein (nach Viollct lc Duc).

den

Fig. 114 b.

5t. Peter und Paul zu Ncuwcilcr (Elsaß).
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