Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 5.1887

Seite: 19
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der Dinge zu retten und zu fördern, will
er jeden sinnenfälligen Ausdruck des
Geistigen unterdrückt wissen. Das ist der
Tod der Kunst! Ja, Blunt hat diese ganze
Richtung zu Tod geritten. Darin liegt sein
bleibender Werth. Er ist auf dem Ritt in's
romantische Land der rechte Führer, wie man
es nicht machen soll. Es gibt keine Art ver-
kehrter Ableitung aus dem Heidenthum, in
die er uns nicht ein geführt. Nun können
wir endlich vernünftig ableiten. Aber es wird
wenig abzuleiten geben! Auch bei Hervor-
hebung aller Verbindnngssäden zwischen
Heidenthum und altchristlicher Kunst, wer-
den wir nicht so viel Gemeinsames finden,
um eine äußere, geschweige eine innere Ab-
hängigkeit der letzteren annehmen zu können.
Selbständige Verwerthung des Gegebenen:
ja; blinde Nachahmung: nein. Berührungs-
punkte: ja; ein Zusammenwachsen mit dem
Heidenthum: nein. Heidnische Jdeenassocia-
tion: nein; Jdeenassociation ans Grund des
allen Religionen gemeinsamen Wahrheits-
gehalts: ja! (Fortsetzung folgt.)

Das Grabdenkmal des f Prälaten
Dr. schwarz,

welches im Herbst vorigen Jahres auf
dem Gottesacker in Ellwangen errichtet
wurde, führen wir den Lesern auf dem
Beiblatte in perspektivischer Abbildung vor,
und setzen damit dem Verstorbenen auch
in diesen Blättern, die unter seinem Namen
fast drei Jahre in die Welt gingen, noch
ein kleines Monument.

Es war ein glücklicher und schöner Ge-
danke des Komites, welches alsbald nach
dem Hingang des Seligen zum Zweck der
Erstellung eines würdigen Grabdenkmals
sich bildete, daß dem letzteren eine Form
gegeben werden solle, durch welche zugleich
ein Lieblingsplan des Verstorbenen zur
Ausführung gebracht werden könnte, der
Plan, dem schön gelegenen Friedhof in
Ellwangen in einem monumentalen Krucifix
einen wahren Mittelpunkt zu geben.

Der Aufgabe, beides, Kirchhofkruzifix
und Grabdenkmal in einem künstlerischen
Entwurf zu kombiniren, unterzog sich Re-
giernngsbaumeister Fr. Gebhardt in
Ellwangen, dessen Plan vom Konnte gut ge-
heißen und zur Ausführung gebracht wurde.

Wie die Leser ans der Abbildung er-
sehen mögen, wählte der Verfertiger des
Entwurfs den frühgothischen Stil, der
auch unbedingt in der Kunstliebe des Ver-
storbenen den ersten Platz einnahm. Sein
Bestreben gieng dahin, dem Kreuz, welches
als Kirchhofskreuz selbstverständlich in
großen Dimensionen zu halten war, vor-
wiegend architektonischen Charakter zu ver-
leihen; auch dies insoferne berechtigt, als
gerade die kirchliche Architektur das Feld
ist, auf welchem der Schwerpunkt des
künstlerischen Schaffens des Verstorbenen
liegt. Als Vorbild für den Kruzifixus
wählte man das wunderbar schöne Original
von Syrlin dem Jüngeren in der Kloster-
kirche zu Blaubeuren.

Sockel, Sarkophag und Einfassung sind
ans Heilbronner Sandstein; die Stein-
nnd Bildhauerarbeit ist in vortrefflicher
Weise von Steinhauermeister H ö tz e l in
Ellwangen ausgeführt. Der Kruzifixus
samt Kreuz (3,3 m hoch), aus einem Stück
Kehlheimer Marmors gehauen, stammt aus
dem Atelier des rühmlichst bekannten Bild-
hauers Federlin in Ulm. Die Ge-
sämthöhe des Denkmals beträgt 6,5 m:
die Kosten des Ganzen belaufen sich ans
rund 5000 Mark.

Das Denkmal trägt aus der vorderen
Seite die Inschrift: „Hier ruht in Gott
der um seine Gemeinde, um kirchliches
Leben und um die kirchliche Kunst hoch-
verdiente Stadtpfarrer Prälat Or. Fr. I.
Schwarz." Aus der linken Seite: „geb.
in Donzdorf 30. Ang. 1821, gest. zu
Ellwangen 1. Juli 1885"; auf der
rechten: „Stadtpfarrer zu Ellwangen vom
19. Febr. 1868 bis 1. Juli 1885."

Durch das würdige Grabdenkmal ist
einer Ehren- und Dankesschuld in rechter
Weise genügt worden. Möge das schöne
Kreuz für alle Zukunft der Hüter und
Wächter des Ackers Gottes und der Ruhe
der Gräber sein, und sein Anblick die
Pfarrkinder auch gemahnen zum Gebet
für die Seelenruhe des Heimgegangenen
Hirten.

Literatur.

Zur K e n n t n i ß und Würdigung der
" mittelalterlichen Altäre Deutsch-
lands. Ein Beitrag zur^ Geschichte der
vaterländischen Kunst von E. F. A. Mün-
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