Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 5.1887

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Fig. H7 a. Fig. 117b.

Kathedrale (altchristlich) von Pavenzo in Istrien. (Nach Hübsch.)

Fig. 118b.

S. Vittore zu Ravenna. (Nach Hübsch.)

1886, Nr. 9). Die Absis bieb anfangs
ohne Fenster, später wurde auch sie von
drei oder mehreren durchbrochen; die Fen-
ster der Langwände ordnete man theils
unbekümmert um die Eintheilung der Säu-
lenstellungen, theils so, daß sie über (bezw.

gegenüber) die offenen Zwischenräume der
Säulen zu stehen kamen. Von der gan-
zen Anordnung gibt Fig. 117 a u. b eine
klare Vorstellung. Geschlossen wurden die
Fenster aber nicht mit Glas, welches bei
den Römern ein Luxusartikel war, sondern
mit großen durchbrochenen Platten von
Marmor, Metall oder Holz, welche häufig
wie Fensterläden in Angeln sich drehten.
Unter dem fast immer lachenden südlichen
Himmel boten dieselben genügenden Schutz
vor Wind und Wetter, das Licht wurde
aber trotz der großen Oesfnungen zu einer
fast dämmerigen Helle abgeschwächt, und
in der That bedurfte es ja auch zur Theil-
nahme am hl. Opfer, zum Anhören der
Predigt, zum Beten und Betrachten der
; großen äußeren Lichtfülle nicht. Solchen
j Plattenverschluß zeigt die Abbildung von
- 3. Vitale in Fig. 66 (Nr. 5, Jahrg. 1886).
j Im Verlauf der Zeit werden die Fenster-
| Öffnungen -— namentlich in den nördlichen
Gegenden — kleiner, und man verzichtete
oft ganz aus den Verschluß, sowohl mit
Rücksicht aus die nothwendige Beleuchtung
als auch, weil die geringe Weite der Oeff-
nung und die große Stärke der Mauer
die Kraft des Windes genügend zu brechen
und dem Regen den Eintritt zu wehren
schien. Ein Beispiel auffallend kleiner
Fenster bietet die dem 6. Jahrhundert an-
gehörende Kirche des hl. Viktor zu Ra-
venna (Fig. 118 a u. b).

(Fortsetzung folgt.)
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