Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 5.1887

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namentlich bei feuchten Nebeln und bei Re-
genwetter, wird man vielleicht manchmal ganz
schließen, an freundlichen Tagen nicht mehr
Morgens, sondern über Mittag öffnen u. f. f.

Die Ventilations-Vorrichtungen
sind theils solche, welche an der Decke oder
dem Gewölbe, theils solche, welche an den
Umfassungsmauern angebracht sind. Im Ge-
wölbe sind die Schlußsteine für diesen Dienst
geeignet und bei Neubauten dafür einzurich-
ten. Bei ebenen Plafonds und bei Holz-
decken soll für Ventilationslöcher gesorgt wer-
den, die über die Fläche hin vertheilt werden;
sie werden mit einer Holztafel oder mit Zink-
blech geschlossen; diese Schlußtafel ist aber
reichlich durchlöchert, und zwar nach einer
bübschen Zeichnung, so daß sie selbst dekora-

I

tiv wirken kann. Diese in der Höhe ange-
brachten Vorrichtungen sind deswegen wichtig,
weil die warme Luft nach oben, die kalte
nach unten drängt.

Hauptventilationsmittel, wenigstens außer-
halb des Gottesdienstes sind die Thüren und
Portale. Aber weil sie zu unterst an der
Wandstäche angebracht sind, genügen sie nicht
und können sie die weitere Ventilation mit-
telst der Fenster eben so wenig entbehrlich
machen, als die Deckenlöcher neben ihnen allein
genügen können. Da nämlich bei hoher Tem-
peratur und windstillem Wetter sehr wenig
Unterschied des Luftdrucks zwischen den nie-
deren und höheren Schichten der Atmosphäre
zu bestehen pflegt, so reichen die kleinen
Oeffnungen an der Decke, so vortheilhaft sie

sonst sein mögen, nicht mehr aus, eine ge-
nügende Strömung und dadurch Erneuerung
der Luft zu bewirken. In solchen Fällen,
an schwülen ^ommertagen ist man also durch-
aus darauf angewiesen, durch Oefsnung der
Fenster, besonders der oberen, der Luft
rascheren Wechsel zu verschaffen.

Allein sehr viele Fenster sind zu diesem Zwecke
mangelhaft konstruirt und können nickt mit
wünschenswerther Raschheit und Bequemlichkeit
geöffnet werden, oft nicht einmal ohne Leitern
und Stangen. Auch die Einrichtung von Flügel-
fenstern, welche durch Schnüre geöffnet und
geschlossen, ja oft sogar geriegelt werden, ist
wohl in den seltensten Fällen eine gelungene
zu nennen. Flügel mit senkrecht übereinan-
der gestellten Angeln öffnen und bewegen

n nr'

sich schwer mittelst Schnurzügen, und Schloß
und Riegel daran anzubringen, welche auch
per Schnur gehandhabt werden sollen, führt
vollends zu komplizirten und darum wenig
dauerhaften Mechanismen. Viel besser dürfte
sich eine Einrichtung empfehlen, welche nicht
nur ermöglicht, mittelst zweier einfacher
Schnüre alles Verlangte zu leisten, sondern
auch wegen ihrer Einfachheit von jedem tüch-
tigen Schlossermeister leicht an jedem Fenster
sich anbringen läßt und Haltbarkeit und Dauer
verspricht.

Die obige Zeichnung, welche der Ein-
fachheit halber ein ganz gemeines Fenster 311
Grund legt, veranschaulicht einen solchen
Mechanismus, der natürlich an jedem irgend-
wie gearteten Fenster angebracht werden kann.
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