Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 5.1887

Seite: 27
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0.5
1 cm
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Es sei in I die gerade Ansicht eines größe-
ren Kirchenfensters gegeben, wovon ein größe-
rer Theil, hier eine Fläche von 12 Scheiben,
für Ventilation eingerichtet werden soll. Man
fasse diese Fläche in eine Rahme für sich,
und gebe derselben (ob Holz- oder Eisenkon-
strnklion, hängt von der Natur des Fensters
ab), wie bei A dargestellt, ans jeder Seite
einen soliden Zapfen sammt Lager, welches
am besten ans der Fensterrahme aufgeschraubt
wird. Nun genügt ein Zug an der Schnur
Nr. 1, die kleinere Rahme zu drehen, resp.
zu öffnen, ein Zug an der Schnur 2, sie zu
schließen. Wie Figur II zeigt, läuft die
Schnur 2 über eine Art Llleg oder eine ab-
gerundete Kante, der geringeren Abnützung
wegen, und bei C und D bildet die Rahme
einen guten Verschluß, indem sie sich einem
geeigneten Falz anfügt. Soweit wäre für
Oefsnen und Schließen genügend gesorgt, in-
dem das Drehfenster in jeder beliebigen Lage
gestellt werden kann. Um dasselbe aber auch
wenn verschlossen, riegeln zu können, ist eine
sehr einfache Konstruktion angewendet. In
Fig. III ist ersichtlich, daß die zum Oefsnen
dienende Schnur am Ende eines Riegels be-
festigt ist, welcher durch eine Spiralfeder nach
oben gepreßt wird. Bei E ragt das obere
Ende des Riegels hervor, welches beim An-
ziehen der Schnur 2 iu F einspielt und da-
durch das Drehfenster sestriegelt. Noch bes-
ser ist, zwei Riegel anzubringen und die
Enden beider auf geeignete Weise mit der
Schnur 1 zu verbinden. Jedenfalls kann
durch geschickte Handhabung dieser Einrich-
tung, wenn sie richtig und in ausgiebiger
Weise wenigstens an der Hälfte der Fenster
einer Kirche durchgesührt ist, auch bei schwü-
lem Wetter eine gute Ventilation erzielt wer-
den. Bei stürmischem Wetter freilich müssen
solche Fenster geschlossen werden, dann aber
sollten die Deckenöffnungen re. für alle Be-
dürfnisse der Lufterneuerung genügen.

Die Maltechniken in Aunst, Annstgewerbe
und Handwerk.

lieber dieses Thema hielt Herr A. Keim, Che-
miker und Redakteur in München, am 14. Jan.
für den Kunstgewerbeverein zu Stuttgart einen
sehr interessanten Bortrag. Wir verweisen zu-
nächst auf die vortrefflichen Ausführungen über
Maltechniken im Jahrgang II unseres „Archivs",
1884, Nr. 4 und ö, wo auch die von Herrn
Keini erfundene Mineralmalerei genau besprochen
wird, und beschränken uns darauf, aus dessen Stutt-
garter Vortrag einige Hauptgedanken hervorzu-
heben, welche für die Zwecke des „Archivs" von
praktischer Bedeutung sein diirften. Der Redner
gieng aus von der Technik der alten Maler und
betonte, daß dieselbe verglichen mit unseren mo-

dernen Maltechniken vielfach preiswürdiger er-
scheine. Wir haben jetzt zwar eine sehr verschie-
denartige, aber (mit einziger Ausnahme der Por-
zellan- und Glasmalerei) keine besondere positive
Technik; so viele Maler, so viele Malmethoden;
manchfaitige Bindemittel seien versucht worden in
den einzelnen Arten der Malerei, welche eingehend
behandelt wurden, die Alten seien aber, was
Leuchtkraft der Farben und Haltbarkeit derselben
betrifft, besonders in der Freskomalerei in man-
chen Stücken, trotz aller chemischen Fortschritte,
von uns nicht übertroffen lvorden. Der Grund
dieser Farbenfrische bei den Alten sei (abgesehen
von den in Pompeji durch die Lava geschützten,
wohlerhalteuen Fresken) hauptsächlich darin zu
suchen, daß die Künstler ihre Farben selbst ge-
rieben, auf einen Verputz von 4—5 cm Dicke und
überhaupt auf trockene Unterlage sorgfältig be-
dacht waren, lvährend unsere Maler leider viel-
fach schlechte und unhaltbare Fabrikfarben erhalten,
welche öfter auf zu schwachem, nur Ls bis 1 cm
starkem Verputz und auf nicht genügend trockenen
Flächen möglichst rasch aufgetragen werden. Red-
ner empfiehlt die an der Akademie der bildenden
Künste in München errichtete Versuchsstation,
welche unentgeltlich Farben untersucht und jede
einschlägige Auskunft ertheilt. Ebenso sei ver-
suchsweise eine Farbenfabrik errichtet worden, die
nach einer von Keim zusammengestellten Normal-
farbenskala Farben anfertigt; dieser Betrieb sei
aber nur so lange in Aussicht genommen lvorden,
bis die erwähnte Farbenskala in deutschen Farben-
fabriken durchgeführt und bis überall gleich gute
Farben gemacht werden. —

Wir empfehlen unfern Lesern aus diesem inter-
essanten Vortrag Keims besonders die praktischen
Hauptmomente: bei Ausmalung von Kirchen auf
möglichst haltbare Farben, guten starken Verputz
als Unterlage und durchaus trockene Flüchen
sorgsältigst Bedacht zu nehmen. Viele neueste
Malereien verblassen rasch, weil die Farben schlecht
sind, noch mehr deswegen, weil ans zu nasse
Wände letztere aufgetragen wurden. Neubauten
sollte man einige Jahre vollständig auStrocknen
lassen, dann erst sollte ihre Bemalung unternom-
men werden. In Schwaben und auch ander-
wärts soll, wie uns von Fachmännern versichert
wird, gegen diese angeführten Punkte nenestens
viel gefehlt worden sein. — Die Farbenfabrik
von H. Schminke u. Co. in Düsseldorf enipfiehlt
in jüngster Zeit die Mnssinifarben für Staf-
feleimalerei, ein Ateliergeheimniß von Cesare Mns-
sini, Professor an der Akademie zu Florenz (geb.
1804). Sie sollen frei sein von dem Ueberschuß
an Mohnöl, Leinöl, Wachs oder Trockenmittel der
gewöhnlichen Oelfarben, und es kann mit solchen
Mnssinifarben auf jegliches Material, wie präpa-
rirten Kalkgrund, Stein. Holz, Pappe, Papier, Me-
tall, Malleinen oder Stoff gemalt werden, lieber
hierüber angestellte Versuche hoffen wir später ein-
mal weiteres mittheilen zu können. Brinzinger.

Literatur.

Praktisches Handbuch der kirchlichen
Baukunst. Zum Gebrauch des Klerus
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