Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 5.1887

Seite: 28
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und der Bautechniker bearb. von Georg

Hecker, Priester der Erzdiözese München-

Freifing. Mit 105 in den Text gedruck-
ten Abbildungen. Freiburg, Herder, 1886.
Preis 3 M.

Des Vers. Absicht war, in einem und demsel-
ben Buch den Klerus mit dem mehr Technischen,
die Architekten mit dem mehr Kirchlichen nnd
spezifisch Katholischen am Kirchenbau bekannt zu
machen. Zu diesem Behuf gibt er zuerst einen
Abriss der Stilkunde, hierauf eine Unterweisung
über den Rohbau nnd alles, was mit ihm zu-
sammenhängt, sodann eine genaue Besprechung
der ganzen Ausstattung der Kirche, auch Anwei-
sungen für Kirchenrestaurationen und zum Schluß
in einem Anhang die verschiedensten Kostenvor-
anschlüge. Ein großes, weitschichtiges Material.
Seine Anordnung ist ihm soweit gelungen, daß
Geistliche und Techniker immerhin sehr viel aus
dem Buch lernen können. Dem Architekten wird
die Ueberzeugung aufgedrängt, welche vielfach in
seinen Kreisen fehlt, daß der Kirchenbau eine
Sache und Kunst für sich sei nnd daß der katho-
lische Kirchenbau etwas ganz spezifisch anderes sei,
als der protestantische oder jeder andere, daß bei
ersterem ganz strikte kirchliche Bestimmungen und
ganz gebieterische Bedürfnisse beachtet nnd befrie-
digt werden müssen. Der Klerus wird soweit in
das Technische eingeweiht, daß er bei Neubauten
nicht absolut mundtodt dasteht, sondern sein Wort
in die Wagschale legen kann, und beanspruchen
darf, gehört zu werden, wo er seine und der
Kirche Interessen am Bauwesen zu verfechten hat.
Möge also die Schrift weite Verbreitung finden und
nach beiden Richtungen hin segensreich wirken.

Zur Berücksichtigung bei einer zweiten Auf-
lage sowie zur Vermeidung von Mißverständnis-
sen, die ans dem Buch gezogen werden könnten,
machen wir noch ans einige Einzelnheiten auf-
merksam. Daß bei gothischcu Kirchen, auch wenn
sic noch so klein sind, das Gewölbe ganz un-
erläßlich sei (S. 3), kann nicht behauptet werden;
die Mehrzahl unserer gothischen Landkirchen hat
im Langhaus kein Gewölbe. — Wie kann der
Verf. S. 50, angesichts der Abbildung der St.
Peterskiche auf S. 51, behaupten: wenn es Re-
naissancekirchen gebe, die würdige Tempel Gottes
seien, so seien sie cs nicht wegen ihres Stils,
sondern trotz ihres Stils, d. h. weil an ihnen
der volle Charakter des Stils nicht zur Geltung
komme?! — S. 62 sollte in künftiger Auflage
die Weisung ausgenommen tverden, daß man die
Architekten nicht sogleich detailirte Pläne, sondern
zunächst nur Skizzen liefern lasse, um diese der
Begutachtung von Fachmännern zu unterbreiten;
vgl. „Archiv" 1886, S. 14. — Die Folgerung aus
der Vorschrift, coram exposito die Reliquien
nicht auf dem Altar zu belassen, S. 119, geht
viel zu weit; die Reliquien sind deswegen nicht
auf die Nebenaltäre zu verweisen, sondern haben
seit den ersten christlichen Zeiten auf dem Haupt-
altar eine Stätte gehabt. — Inwiefern die Kan-
zel mit theophorischen Prozessionen soll in Kol-
lision kommen können (S. 128), kann ich mir
nicht vorstellen. — Auf Kirchenbildern das Jesus-

kind „Rosen streuend, oder auf dem Kreuz schla-
fend" darzustellen (S. 142), ist ohne alles weitere
verwerflich zu nennen. Die Notizen aus der Ge-
schichte des Kreuzes (S. 143 t leiden an mannig-
fachen Unrichtigkeiten; vgl. Kraus, Realencykl.,
Art. Kreuz. — Im angehängten Verzeichnis;
bautechnischer Ausdrücke fehlen nicht wenige ter-
mini, die im Buch selbst gebraucht sind, wie
Schwalbenschwanz, Stichkappe, Kranz re.; bei
Flamme ist auf Maaßwerk verwiesen, ohne daß
hier das Wort erklärt wäre. Manche Definitio-
nen sind aus guten Büchern zu verbessern; mau
kann nicht sagen, der Lettner sei „eine steinerne
Brüstung zum Abschnitt des Chors vom Haupt-
schiff", Oberlicht sei „ein Fenster oberhalb des
Thürsturzes", Walmung sei „Abdachung bei Dä-
chern" u. s. f. Keppler.

Annoncen.

L)erder'sche Oerlaqsbandlung in
^reiburg (Baden).

Soeben ist erschienen nnd durch alle Buch-
handlungen zu beziehen:

tzowitt, E. Friedrich Overbeck.

Sein Leben und Schaffen. Nach seinen
Briefen und anderen Dokumenten des
handschriftlichen Nachlasses geschildert. Her-
ausgegeben von F. Binder. Vollständig
in zwei Bänden. Mit zwei Bildnissen
Overbecks, einem Facsimile nnd sieben Sti-
chen. 8°. (XXIV n. 1013 S.) Ick. >2.
In elegantem Original-Einband, Leinwand
mit Deckenpressung M. 16.

Dieses Werk will ein volles nnd lebendi-
ges Lebensbild des Wiederherstellers der christ-
lichen Malerei und damit einen neuen Anhalt
zu einer gerechten Würdigung seiner Schöpfun-
gen und Bestrebungen geben.

Kaufmann, L., Albrecht Dürer.

Zweite, verbesserte Auflage. Mit
einer Heliogravüre, fünf Licht-
drucken und neun Holzschnitten,
gr. 8°. (XIV u. 184 S.) M. 6. In eleg.
Original-Einband, Leinwand mit Decken-
pressung M. 8. — Einbanddecke M. 1.25.

Dieses Werk über Dürer, nicht ausschliess-
lich für den Fachgelehrten oder den speziellen
Liebhaber berechnet, stellt sich die Auf-
gabe , unter Berücksichtigung der Haupt-
resultate der wissenschaftlichen Forschungen
nur das Wesentliche und Charakteristische
über den Künstler und den Menschen zur
Darstellung zu bringen.

Die dem Werke beigegebenen 15 vor-
trefflichen Illustrationen sollen die Ilaupt-
richtungen der künstlerischen Thätigkeit des
Meisters zum Verständnisse bringen.

Stuttgart, Buchdruckerei der AkWGes. „Deutsches Bolksblatt".
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