Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 5.1887

Seite: 33
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Zeit den Lesern des „Archivs" in einer
Beilage mittheilen. Die Kosten für diese
nothwendige Aenderung fallen nicht stark
ins Gewicht und sind jedenfalls nicht zn
scheuen: denn an der eigentlichen Wohn-
und Thronstätte Gottes soll doch am we-
nigsten gekargt werden. Wenn ich Namens
der kirchlichen Kunst und des kirchlichen
Dekorums baldmöglichste Entfernung jenes
Monstrums beantrage, so bin ich sicher,
den Gedanken und Wunsch von Hunderten
von Geistlichen ausznsprechen, welchen diese
Armseligkeit schon peinlich ausgefallen ist.

Noch soll wenigstens die Frage berührt
werden, welche schon da und dort aufge-
worfen wurde, ob nicht in Anbetracht des-
sen, daß die Vorstadt Berg eine er-
hebliche Anzahl Katholiken beherberge, die
neue Kirche für Stuttgart hieher zu ver-
legen wäre. Diesem Plane ist vor allem
entgegenzuhalten, daß der Nothstand, wel-
chem abgeholsen werden soll, nicht in Berg,
sondern in Stuttgart liegt, folglich dem-
selben auch nicht in Berg abgeholsen wer-
den kann. Dieser mockus procelleircli wäre
dem Verfahren dessen zu vergleichen, der
das dringende Bedürfnis; eines Hutes hätte
und diesem Bedürfnis; nun einstweilen durch
Anschaffung eines Schuhes genügen wollte.

Der Hauptstadt ist mit einer Vorstadt-
kirche nicht gedient, schon wegen der zn
großen Entfernung derselben. Für die
Vorstadt aber hat die Hauptstadt gar nicht
zu sorgen; denn die erstere ist nach Cann-
statt eingepfarrt und geht gern und fleißig
dorthin zur Kirche. Die Kirche in Cann-
statt ist allerdings zu klein, kann und soll
aber in naher Zukunft eine Erweiterung
erfahren. Wollte aber je einmal Berg mit
seinen 550 Katholiken mit einer eigenen
Kirche bedacht werden, so müßte nothwen-
dig ihr das noch ferner gelegene Gaisburg
mit 300 Katholiken zugetheilt werden. In
die Kirche dieser selbst großen Gemeinde
könnte dann aber, von der Entfernung
ganz abgesehen, kein erheblicher Theil der
Stuttgarter Parochie mehr eingepfarrt wer-
den. Diese Momente zeigen wohl, daß die
Kirchensrage von Stuttgart mit der von
Berg-Cannstatt keinenfalls verbunden wer-
den kann.

Unser Votum und unsere Bitte geht
also zum Schlüsse dahin, es möchte
von allen betheiligten Seiten

u u d IN a ß g e b e n d e n Behörden die
N o t h w e n d i g k e i t eines großen
Nothkirchenbaues für annähernd
2 0 0 0 Personen, zu erstellen in
der Nähe des Neckarthors, ins
Auge gefaßt und die A u s f ü h r u n g
dieses Baues m ö g l i ch st b e s ch l e n -
nigt w erd en.

Möchten wir bald sie begrüßen dürfen,
die dritte katholische Kirche von Stuttgart,
wenn auch ihre Erscheinung eine solche ist,
daß das Wort von ihr gilt: all ihre Schön-
heit ist von innen! —

Heber Ableitungen von (Christlichem
aus dem L)eidenthum.

Von Stadtpfarrer C. Koppler in Cannstatt.

(Fortsetzung.)

Andere, bisher heidnische Typen dräng-
ten sich als Sinnbilder des Christlichen
geradezu auf; so passend waren sie
hiefür. Dem Heiden nichts- oder nicht
vielsagend, enthüllten sie dem christlichen
Beschauer eine Fülle von Gedanken und
boten zugleich den Vortheil, daß man sie
ohne Furcht vor den Christenverfolgern
überall offen anbringen konnte. Der Fisch
bedeutete die hl. Taufe und den geheimniß-
vollen Ichthys, welcher Christus ist; der
Vogel war das Sinnbild des sich zum
Himmel anfschwingenden Heilandes und
der von der Leibes-Laft befreiten Menschen-
seele; die Scenen ans dem Hirtenleben
enthielten den verborgenen Hinweis ans
den guten Hirten, die Bilder der Weinlese
eine Anspielung ans die im Weinberg des
Herrn verrichtete Arbeit und auf den ihr
verheißenen Lohn; die vier Jahreszeiten
bezogen sich nicht nur auf unser vergäng-
liches Leben hier unter dem wechselnden
Mond, sondern auch auf den ewigen Früh-
ling dort drüben. — Wieder andere antike
Symbole waren nicht so fast heidnisch, als
vielmehr allgemein menschlich. Die christ-
liche Kunst benützte sie in ihrem allgemein
verständlichen Sinn. Doch wie wußte sie
diesen Sinn zn erweitern, zn erhöhen, zu
vertiefen und zn veredeln! Ein Thierchen
ohne Galle war die Taube nach dem Glau-
ben des Alterthnms, welchen noch die mit-
telalterlichen Minnesänger theilten; jetzt
galt sie, besonders mit dem Oellaub, als
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