Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 5.1887

Seite: 38
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Wie man in der Zeit der roma-
nischen Bauweise dem Aeußern
der Kirche immer mehr Auf-
merksamkeit zuwandte und es mit
dem Innern auch bezüglich der

Fig. 123.

Portal am Münster zu Schlcttstadt.

Ausschmückung in Uebereinstim-
mnng zu bringen suchte, so er-
strebte man vor allem eine
reichere Gestaltung der Fenster-
öffnungen. Eine sehr schöne
Art der Verzierung bietet uns
Fig. 120. Wie der eingezeichnete Grund-
riß des ans Einsetzung einer Verglasung
eingerichteten Gewändes zeigt, ist letzteres
stark nach außen abgeschrägt, wodurch das
Fenster schon an Bedeutsamkeit gewinnt;
noch mehr aber gewinnt es durch das breite
mit flacherhabenem Blattwerk geschmückte
Band, welches sich rings hernmzieht und
es wie ein Nahmen umgibt. Es sei noch
besonders darauf hingewiesen, daß die Ge-
wände nicht hohe Steinpsosten sind, wie
in Fig. 115 und 116, sondern aus Schich-
ten von Mauerquadern bestehen, welche
ans ihrem natürlichen Lager ruhen — die

Fig. 126.

Kirchcnfenster von dcr Kirchc zu Türkheim bei Colmar (Elsaß).

In der Regel umgab man — wenn über-
haupt über das Nöthigste hinausgegangen
wurde — das eigentliche Fenster mit einem
zweiten Bogen, hinter dem es zurücklag,
so daß sich im Grundriß die Gestaltung
der Fig. 121 ergab. In die so entstan-
denen Ecken setzte man dann weiter ein
Säulchen mit Fuß und Kapitäl. Oft
setzte sich aus letzteres der einfache Fenster-
bogen ans, wie in Fig. 94, oft aber setzte
sich die Säule über dem Kapitäl fort, um
sich als Rundstab um den oberen Halb-
kreis zu schlingen, eine Bildung, die im
Durchschnitt die Fig. 122 ergibt. Wer-
den die Säulchen vermehrt, was jedoch
seltener geschieht, so kommt man zu einem
Reichthum, wie wir ihn an den Portalen
so oft bewundern können. Vgl. den einem
Portal entnommenen Grundriß in Fig. 123.
Ueberhaupt ist die Portalbildnng nur eine
reichere Anwendung derselben Verzierungs-
art und wir begnügen uns darum, auf die wei-
Fig. 124. Fig. 125. ter unten zu gebenden Abbildungen von Por-

^nftaguibumiflcii Da Michc 0u luMu-tm. taten zu verweisen. Einen Schritt weiter

das ganze Mittelalter hindurch am meisten kann man noch gehen, indem man den
übliche Anordnung. Säulchen wieder ihre Selbständigkeit nimmt

Die eben erwähnte Verzierungsweise ist und das ganze Gewände in eine Reihe
jedoch nicht die am häufigsten vorkommende, von Rundstäben und dieselben von einan-
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