Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 5.1887

Seite: 44
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munia sed finem diversum. (Contr.
Faust. XX, 20.) — Qui bene distinguit,
bene docet. „So wie einst Mars Rom,
Diana Syrakus und Ceres Henna be-
schützten, so sind nun die Heiligen Petrus,
Lucia, Johannes die Patrone dieser Städte."
(S. 54.) Nein, eben nicht s o — son-
dern anders! Dieses so kennzeichnet so
recht den Mann, welcher nicht zu unter-
scheiden weist. — Similia similibus. Wer
wird denn „die Klingeln oder Schellen,
insofern sie bei der Messe gebraucht wer-
den", mit den Glöckchen zusammenwerfen,
„die man den Schafen, Ziegen, Ochsen
und Pferden an den Hals hängt" ? Oder
wer wird die heidnisch-abergläubische An-
sicht von der Zauberkraft der tintinnabula
ohne weiteres auf die gleiche Stufe stellen
mit dem sehr vernünftigen, wohlbegründeten
Glauben an den schützenden Einflust ge-
weihter Kirchenglvcken bei Gewittern?
Natürlich unser Konsusionsrat, der auch
höchst ungalant das Korallenhalsband einer-
christlichen Frau ebenso heidnisch findet
wie die Schelle, welche ein gewisser Ele-
phant ans einem Basrelief im Vatikan am
Halse trägt! — Noch ein altchristliches
Stück findet er in der Vatikanischen Bib-
liothek, von welchem er wörtlich folgendes
bemerkt: „Ein Stück Metall in der Form
einer Handhabe läuft in zwei breite, dünn
geschlagene Streifen ans, woran vier
Glöckchen an jedem hängen. Eine leichte
Wendung der Hand mnstte also natürlich
die acht Glöckchen in Bewegung setzen.
Das Aufsinden eines solchen Werkzeugs
ist also ein Beweis, dast sein Gebrauch
in der Kirche nicht aus neuerer Zeit ist,
und folglich für die Vermnthung spricht,
daß es seinen Ursprung den: Heidenthum
verdankt." (S. 105.) Gibt es ein köst-
licheres post boe, ergo propter hoc?
Welch herrlicher Schluß! Und welch
herrliches Deutsch! Unser Cambridger
Doktor mag sich dafür bei seinem Ueber-
setzer bedanken. — Wann wird man end-
lich Ansehen, dast Mangel an Logik für
den Archäologen gerade nicht förderlich ist?

So weit waren unsere Erörterungen
gediehen und wer weist, wie weit sie sich
noch fortgesponnen, hätte nicht folgende
lakonische Postkarte uns jäh aus dem
Reich unserer Träume gerissen: „Gehen
Sie nach Weinsberg, aber etwas plötzlich!"

Ich gieng, sah nnb schrieb folgendes:
Mein Herr! Ich hoffte, Ihr Bestiarium
mit einem neuen Wunderthier, nämlich der
„Weinsberger Schlange" schmücken zu
können. Diese Hoffnung sollte sich nicht
erfüllen. Als Ersatz übersende ich Ihnen
diese Abhandlung, welche nachgerade selbst
zur langgezogenen Schlange geworden.
Da sie in sich zurückkehrend ebenso endet
wie sie angesangen, nämlich mit Schlangen-
betrachtnngen, gleicht sie auf nnb nieder
der ägyptischen Schlange Sescha und
Ananda, welche (als Sinnbild von dem
ewig in sich zurückkehrenden und sich von
neuem erzeugenden Kreislauf des Lebens,
vgl. Sepp I. 55) sich selbst in den
Schwanz beißt. Der Weinsberger Schlange
dagegen fehlt sowohl Kopf als Schwanz
als das, was dazwischen: kurz soviel als
alles, was zu einer ordentlichen Schlange
gehört. An der Abschrägung der Thüre
ist nichts weiter zu bemerken, als eine
defekte Stelle hüben und drüben. Ob sich
hier einmal eine Verzierung befunden, ist
fraglich; jedenfalls war es nicht der Kopf
und nicht der Schweif, da sich die beschä-
digten Stellen immerhin drei Fuß unter
der angeblichen Schlange, ganz nahe am
Boden befinden und mit jener nie in Ver-
bindung gestanden sein können. Die an-
gebliche Schlange ist überhaupt ein —
Rundstab, nicht anders als der Rundstab
an jeder attischen Basis. Nicht einmal
die Wunderhand eines Moses vermöchte
ihn zur Schlange zu verwandeln, viel we-
niger der Finger eines Heilbronner Ar-
chäologen ! Dieser wurde durch den jungen
phantasievollen Architekten (in der Zeitschr.
d. Ver. für württemb. Fbanken Jahrg. 1878
S. 207) irregeleitet, Sie durch ihn und
ich durch Sie. Schade für meinen geist-
reichen Erklärungsversuch! Wer wird aber
auch einem heutigen Archäologen glauben!
Uebrigens errando didicimus. Ihr ge-
treuer RELPEK.'

Anton v. Gegenbaur

und die Ausstellung seiner Werke
zu Wangen im Allgän.

Von Kaplan Brinzinger.
Gegenüber der Hospitalkirche zu Wangen
im Allgäu liegt etwas rückwärts von der
Hauptstraße ein kleines, bescheidenes, hüb-
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