Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 5.1887

Seite: 45
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sch es Häuschen. Am 6. März d. I. trug
es ein Festgewand, es war mit kleinen
Tannen, mit Blumen und Kränzen geziert,
denn an diesem Tage wurde zu Ehren des
trefflichen Mannes, der daselbst vor 87
Jahren das Licht der Welt erblickt hat,
eine durch Vermittlung und Veranlassung
eines Komite (bestehend aus den Herren
Oberamtmann Mesmer, Stadtschultheiß
Trenkle und Stadtbaumeister Spieler) im
Atelier der Bronzewaarensabrik von Paul
Stotz u. Cie. in Stuttgart gegossene, jetzt
an der Außenseite jenes Häuschens ange-
brachte einfache, sehr hübsche Gedenktafel
enthüllt mit der
Inschrift: „Ge-
burtshaus des
Joseph Anton v.

Gegenbaur, kgl.
württemb. Hof-
malers, geb. den
6. März 1800,
gest. zu Rom den
31. Jan. 1876."

Im obern Saal
des sogenannten
Kornhauses zu
Wangen wurde

zugleich aus
einige Wochen
eine Ausstellung
von Werken Ge-
gend aurs eröff-
net, welche eine
Sammlung von
etwa 52 Oelge-
mälden und 40
Nummern klei-
ner Aquarelle,

Tusch-, Kreide-,

Bleistiftzeichnungen des Gefeierten umfaßte.
Einem an uns ergangenen Wunsche der
Redaktion unseres „Archivs" entsprechend,
möchten wir es bei diesem Anlaß versuchen,
unfern Lesern, unter denen sich viele Freunde
und Verehrer des verehrten Meisters be-
finden, zuerst das auch kunstgeschichtlich

Literatur: Nekrolog von Wintterlin „Schwab.
Chronik" 1876, 92 und „Allgem. deutsche Bio-
graphie" 8, 496. Nekrolog im „Staatsanzeigcr"
1876, 34. Jugendbiographie im „Wochenblatt"
von Wangen 1854, 23. 25. Nagler und Seubcrt,
Künstlerlexika. „Fresken Gegenbaurs im Re-
sidenzschloß", (ohne Druckjahr) Hallberger, in 12°
und Eggers, Deutsches Kunstblatt 1854, 24.

sehr interessante Bild von Gegenbaurs Le-
beu und Werken in einer gedrängten Skizze
vorzusühren, sodann aber hieran anknüpfend,
über die erwähnte Ausstellung kurz Be-
richt zu erstatten.

I. Gegenbaurs Leben und Werke.

Das bekannte Wort Göthes im Tasso:
„Es bildet ein Talent sich in der Stille"
— es gilt ganz und voll auch von der
Jugendgeschichte unseres Künstlers, welche
wir nach dem zuverlässigen Bericht eines
seiner Jugendfreunde (s. „Wangen. Wochen-
blatt" 1854) im folgenden zuerst schildern

werden. Joseph
Anton v. Gegen-
baur ist geboren
den 6. März
1800 zu Wan-
gen im Allgäu,
als Sohn schlich-
ter, katholischer
Bürgersleute.
Sein Vater Ste-
phan war Spi-
talverwalter, ein
strenger aber ver-
nünftiger Mann,
der dem anskei-
menden Talente
seines Sohnes
niemals Gewalt
anthat, seine
Mutter Magda-
lena geb. Rud-
hard dagegen
hätte ihn am lieb-
sten zum geist-
lichen Stand be-
stimmt u. sah des-
wegen anfangs seine Neigung zur Malerei
nicht gerne. In der deutschen Schule war
der begabte, kecke und mnthwillige junge
Gegenbaur allen seinen Mitschülern voran
und erhielt bei den alljährlichen Visitatio-
nen um seiner schönen Handschrift willen
stets den ersten Preis. Im achten Jahr
schon malte er mit dem Griffel eine Hirsch-
jagd auf seine Schreibtafel, mit 12 Jah-
ren Federzeichnungen. Ein Schreiberei-
beflissener versprach seinem Vater, den
Knaben in einem Jahr soweit heranzubil-
den, daß er täglich wohl 2 Kronenthaler
verdienen könne. Außer der Schule schrieb
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