Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 5.1887

Seite: 52
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rischen und künstlerischen Stufengang. Wir
beginnen mit der Betrachtung der Jngend-
werke. Es waren von solchen aufgelegt
Schreib- und Zeichnungshefte des Knaben,
Federzeichnungen und Kopieen meist bibli-
scher oder legendarischer Scenen, gefertigt
nach Kupferstichen des Niederländers Sa-
deler (wahrscheinlich des Jan Sadeler,
geb. 1550 zu Brüssel, gest. etwa 1600 in
Venedig), ferner drei Aquarelle (Nr. 1—3),
sämmtliche Stücke wurden 1814 ausge-
führt; sodann zwei jetzt sehr dunkle erste
Ölbilder (Nr. 4 u. 5) des jungen Latein-
schülers. Ans der Münchener Zeit waren
vorhanden sorgfältige Handzeichnungen,
Aktstudien, Köpfe, Kopieen von Statuen,
eine Oelskizze: Delphin mit zwei Kindern
ans der Jugendzeit (im Besitz von Hrn.
W. Schwarz). Eine Kirche mit Thurm
und Uhr in einer hell beleuchteten Land-
schaft (Nr. 6) soll ursprünglich für einen
Uhrmacher gemalt worden sein, jetzt Eigen-
tum von Hrn. Domänendirektor Wald-
raff in Wnrzach. Unter den verschiede-
nen, meist ans der ersten und mittle-
ren Zeit des Meisters stammenden Por-
traits nennen wir zuerst das schöne Selbst-
bildniß (Nr. 7); es stellt ihn dar, Pa-
lette und Malerpinsel in Händen haltend,
das Profil edel, jugendlich zart (1818);
Eigenthum des Hrn. Oberamtsarzt Or.
Braun in Wangen; desgleichen in dessen
Besitz ein zweites Portrait desselben mit
dunklerer Färbung (Nr. 8). Ein ande-
res Jngendbild des Meisters in Kreide-
zeichnung hat Hr. Kamerer Hanschel ans-
gestellt. Sein 1843 von einem Jngend-
frennd gemaltes Bild (Nr. 29), jetzt im
Besitz der Stadt Wangen, zeigt ihn im
mittleren Mannesalter. Nr. 9 u. 10 sind
Portraits der noch jugendlichen Eltern
Gegenbanrs (Eigenthum des Hrn. Ober-
amtsarzt vr. Braun). In der Staats-
galerie zu Stuttgart sind dieselben gleich-
falls in zwei Brustbildern, aber im späte-
ren Alter gemalt. Nr. 18 ist ein zier-
liches kleines Aqnarellportrait der Frau
Stadtbaumeister Schwarz in Wangen (1835
gemalt). Nr. 20 sind zwei Brustbilder vor:
Joseph Schäfer, Wirth in Wangen, und
seiner Frau (Pelzkragen, Frisur besonders
hübsch gemalt). 21 n. 22 Anton Schamm
(nobler, seiner Ausdruck des Blicks) und
dessen Frau in Wangen. 24 u. 25 sind

zwei Brnstbildnisse des 7 Stadtschultheiß
Weber und Frau (mit Buch, Halskette
und Kreuz), von leuchtendem Kolorit. Ein
Portrait von ll'aver Weber in Wangen,
1836 gemalt und das Bild der Stief-
mutter des Malers (Nr. 27 u. 28) sind
gleichfalls sorgfältig ausgeführt; letzteres
Bild mit interessantem Kostüm (Allgäuer
Radhäubchen, Kette sammt Kreuz, buntes
Halstuch). Nr. 33 ist ein Portrait der
Frau Direktor v. Hackländer in Stuttgart
(Augen, Haarfrisur, Korallenbrosche, Arm-
spange schön ausgeführt). Die zwei ge-
lungensten Portraits der ganzen Ausstel-
lung sind aber unzweifelhaft die viel später
als jene Jugendarbeiten gemalten Brust-
bilder des hochwürdigsten Herrn Bischofs
Or. Karl Joseph v. Hesele und des hoch-
würdigen Hrn. Stadtpfarrers von Stutt-
gart Anton v. Dannecker (gest. als Dom-
kapitular zu Rottenburg 21. Juni 1881).
Den hochwürdigsten Hrn. Bischof portraitirte
der 74jährige Künstler in dessen 65. Lebens-
jahr, im Chorrock und violetten Kragen, mit
bischöfl. Pektorale sammt Kette; der freund-
liche, ausdrucksvolle, wohlwollende Blick ist
etwas nach rechts gewendet, die linke Hand
ruht ans einem Buch; es ist ein wohl ge-
troffenes Portrait von merkwürdiger Frische,
nach seiner technischen wie geistigen Seite,
im Kolorit wie in der Auffassung gleich
vortrefflich, die Details sind mit liebevoller
Sorgfalt behandelt. Ein prächtiges Gegen-
stück hiezu bildete das Portrait des Herrn
v. Dannecker, von seinem langjährigen
treuen Freund Gegenbaur 1857 im kräftig-
sten Mannesalter (41 I.) gemalt, ebenfalls
mit Chorrock und violettem Kragen und
dem Abzeichen eines päpstlichen Hausprä-
laten, in der Rechten ein Buch haltend.
Der ruhige, ernste, nach links gerichtete
Blick zeigt die Entschlossenheit und Energie
eines festen Willens, die hohe breite Stirne
verräth die Schärfe des Verstandes und
die große geistige Begabung, welche dem
reich talentirten, gefeierten einstigen Stadt-
pfarrer von Stuttgart zu eigen gewesen
sind. Von den vielen mythologischen Ge-
mälden, welche Gegenbaur nach England,
sowie für reiche Kunstliebhaber gemalt hat,
war nur eines auf der Ausstellung, näm-
lich eine Nymphe mit einem Satyr, Eigen-
thum der Frau Direktor v. Hackländer,
dessen zarte, seine Ausführung von Ken-
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