Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 5.1887

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vor. Er beginnt in einem sanften tiefen
Ton und steigt allmälig zu lichter Färbung
empor. Im Mai 1833 fand das Bild
auf einer Ausstellung zu «Stuttgart großen
Beifall. („Kunstblatt" 1833, Nr. 71.)
Von größeren Kirchenbildern Gegenbaurs
bot die Ausstellung vier Altarblätter. St.
Sebastian, jetzt Seitenaltarbild der Stadt-
lirche zu Wangen, ist ein Jugendbild des
Meisters von 1820. Der jugendliche Offi-
zier Domitians, eine fast mädchenhaft weiche
Figur, ist nur mit dem Lendentnch beklei-
det, angebunden mit der linken Hand an
einen Baum, seine rechte Hand hängt schlaff
herab, die mauretanischen Bogenschützen
haben den von ihren Pfeilen Durchbohrten,
langsam Dahinsterbenden soeben verlassen,
links vom Beschauer unten am Baume
liegt sein Helm und Schild, ein roter
Kriegsmantel und Pfeile, in den Lüften
schweben drei Engelknaben, einer mit der
Siegespalme, ein zweiter mit einem Kranz,
ein dritter jubilirend. Das Inkarnat des
Gefesselten ist blendend weiß, der Heilige
selbst aber ohne Zweifel viel zu süß und
weichlich behandelt. Ein zweites Altarbild
am Hochaltar der Stadtkirche zu Wangen
stellt dar die heiligen drei Könige in Bethle-
hems Stall. Die Madonna in hochrothem
Gewand mit blauem Mantel hält in ihren:
Schooß das mit Linnen nur leicht bedeckte
Kind, rechts von ihr St. Joseph, vor dem
Kinde die drei Weisen, Gaben darbringend;
die Gewänder sind bei Melchior weiß
und purpurroth, beim schwarzen Kaspar-
gelb und dunkelblau, bei Balthasar weiß
und purpurroth, im Hintergrund der Stall,
arme Hirten mit Schafen links. Ueber
eine Mauer herein schauen zwei liebliche
Engelsknaben (deren Vorbilder vielleicht
die der Siptina in Dresden gewesen sind)
neugierig zu. Die Köpfe dieses Altar-
bildes, von denen saubere Skizzen in der
Ausstellung auflagen, sind sehr wirkungs-
voll. Ein drittes 1845 gemaltes Altar-
bild derselben Stadtkirche stellt die Ma-
donna als Himmelskönigin dar mit dem
Schleier und Diadem, das Kleid rosa,
Mantel blau mit meergrünem Futter, am
Saume mit Edelsteinen besetzt. Die auf-
recht stehende, kindlich mädchenhafte Him-
melskönigin schlägt züchtig die Augen nieder,
hält in dem Arme das Jesuskind mit gefalte-
ten Händen. Das Virgo prius ac poste-

rius des kirchlichen Adventshymnns kommt
in allen Madonnen Gegenbaurs in an-
mutigster Weise zum Ausdruck; ob es ihm
aber innner gelang, zugleich auch die Würde,
Kraft und Majestät der Regina Coeli
auszuprägen, scheint uns eine Frage zu
sein, die wir nicht durchweg bejahen möch-
ten. Vielleicht das beste Altarbild Gegen-
baurs ist die große Kreuzigungsgruppe
(Nr. 26), welche er 1832 für die Kirche zu
Christazhosen gemalt hat. Der Herr hängt
verscheidend am Kreuz, das edle Antlitz
voll Ergebung und Milde; unten links
vom Beschauer steht aufrecht die Mutter
der Schmerzen mit gefalteten Händen, das
Gewand rosa mit blauem Mantel, im Ant-
litz spiegelt sich der Ausdruck des innigsten
Mitleidens; rechts steht St. Johannes, die
Hände gekreuzt über der Brust, in grünem
Untergewand und hochrothem Mantel, voll
Liebe anfblickend zu seinem sterbenden Mei-
ster ; in: Hintergrund ist die in Finsterniß
gehüllte Stadt Jerusalem. Es ist ein Bild
von imponirender majestätischer Ruhe, die
Zeichnung von feinem Linienschwung, die
Färbung licht und klar, dem Künstler
selbst war es stets ein Lieblingsbild. Eine
vorzügliche Oelskizze desselben war gleich-
falls ausgestellt. Auch zwei Genrebilder
waren zu sehen. Nr. 19 Chiaruccia (Klärchen)
von der Villa Rosenstein, 1836 gemalt, zeigt
uns ein italienisches Landmädchen in der schö-
nen römischen Nationaltracht, eine Orange
schälend, mitdemTambourin, imHintergrnnd
eine italienische Landschaft. Ein 1819 ge-
maltes zweites Genrebild (Nr. 50), Eigen-
thun: des Herrn Pfarrers Alt in Pfärrich,
stellt dar den Priester Benedikt Mittel-
mann aus Wangen, geb. 21. März 1794,
und sein geistliches Bräutchen Theresia
Ehrle mit dem Kranz in den Locken, welche
dem Priester die Primizkrone darbringt.
Von den zahlreichen unverkennbar an Ra-
phael sich anschließenden Madonnenbildern
Gegenbaurs waren nur fünf vorhanden.
Zwei kleinere Salonbilder, Nr. 47 und 52,
haben zum Gegenstände die Mutter mit
dem göttlichen Kinde. Ersteres Bild, im
Besitz des Herrn Domkapitulars Zim-
merle in Rottenburg, zeigt uns die Ma-
donna in italienischer Tracht mit Kopftuch,
blaßrotheu: Gewand und grünem Mantel;
auf einem blauen Polster ruht das Kind,
die Mutter hält den dasselbe umhüllenden
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