Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 5.1887

Seite: 68
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bezeichnender Weise stets im zweiten Bnch Mosis
für die religiöse Knnstübnng eine besondere Er-
leuchtung von oben, besondere Inspiration des
Geistes Gottes verheißen und vorausgesetzt lvird
(2. Mos. 28, 3; 2. Mos. 31, 1 ff.; 35, SO ff.),
wie denn dem Moses selbst das Urbild der Slists-
hiitte in einer Vision auf dem Berg gezeigt wird
(2. Mos. 25, 9. 40).

Geschichte der christlichen Malerei.
Von Dr. Erich F r a n tz, Professor an
der Akademie in Münster. Freiburg, Her-
der, 1887. 1.—3. Lieferung ä 1,50 M.

Gleichzeitig mit der eben angekiindigten allge-
nieinen Kunstgeschichte erhalten ivir von derselben
Verlagshandlnng eine Spezialgeschichte der christ-
lichen Malerei, deren uns herzlich zu freuen wir
allen Grund haben. Der erste Eindruck- welchen
man nach der Lekliire von einigen Seiten gewinnt,
ist der, daß der Verf. vollkommen auf der Höhe
seiner Aufgabe steht. Es ist ein goldener Grund-
satz, welchen er als Leitstern für seine Arbeit sich
vorgesetzt hat: „wie in der geschichtlichen Darstel-
lung nur der wahre Pragniatismns, die Unter-
ordnung der Erscheinungen unter ein höheres
Prinzip im Lichte des göttlichen Heilsplanes,
fruchtbringende Resultate von dauerndem Werth
zu erzeugen vermag, so ist auch die Kunstge-
schichte ohne höhere Ideale und ohne diese ein-
heitliche , konsequent dnrchgcführte Auffassung
wenig mehr, als eine Aufzählung äußerer Mo-
mente, ohne das Wesen, den Kern der Dinge
und den Geist zu erfassen, ans dem heraus sie
geworden sind" (p. V). Die Feder des Verf.,
schon mannigfach in tüchtigen Arbeiten (FraBar-
tolomeo della Porta, Regensb. 1S79; Das hl.
Abendmahl von Leonardo da Vinci, Freiburg
1885; Giotto in Padua, Tübg. Quartatschr. 1879)
geübt und erprobt, schreibt einen edelschönen,
durchaus natürlichen und verständlichen Stil, der
belehrt und zugleich die Schönheit des Objektes
wiederleuchtet; die Sprache sticht überaus wohl-
lhnend ab gegen die manirirte Form Lübke's n. a.,
welche auf die Dauer so unerträglich >vird, als
der Anblick eines salbenbegossenen, glatt geschei-
telten Stntzerkopfes. Beide kunstgeschichtlichen
Werke des Herderschen Verlags kann und muß
man zur Anschaffung bestens empfehlen; als die
ersten grundlegenden knnsthistorischen Arbeiten von
katholischer Seite gehören sie in die Bibliothek
des Geistlichen wie des gebildeten Laien, vor
allem in jede Kapitels- und Jnstitutsbibliothek.

K c p p l e r.

I l l u st rirter Katalog der A u s st e l -
l u n g ki r ch sicher tu u st gegen st ä n d e
vom frühen Mittelalter bis zur
Gegenwart. VI und 122 Seiten in
Großoktav. Wien, bei Karl Gerolds Sohn.
1887. Preis 2 M.

Das Kuratorium des k. k. österreichischen Mu-
seums für Kunst und Industrie in Wien hat un-
ter dem Protektorat des Erzherzogs Rainer und
mit Unterstützung höchster und hoher geistlicher
und weltlicher Würdenträger ulid Behörden Heuer
in seinen Räumen eine hochbedeutsame Ausstel-

lung kirchlicher Gegenstände vom frühesten Mit-
telalter (6. Jahrhundert) bis zur Gegenwart ver-
anstaltet, welche am 19. März d. I. eröffnet
lvnrde unb am 31. August, wofern nicht Ver-
längerung eintritt, geschlossen iverden soll, lieber
iliren Inhalt gibt obiger trefflicher Katalog Auf-
schluß. Dieselbe umfaßt zwei ungleich große Ab-
theilungen, von welchen die erste (1047 Nummern)
die alten, die zweite (87 Nummern), um Gelegen-
heit zu Vergleichungen zu bieten, die neuen, theil-
weise verkäuflichen Sachen enthält. Der Schwer-
punkt der Ausstellung liegt sonach in ihrer ersten
Abtheilung.

Eine Allswahl des Besten, Kostbarsten und
Seltensten von theilweise unschätzbaren! Werth
aus den Kirchen, Stiften, öffentlichen Samm-
lungen und ans dem Privatbesitz in ganz Oester-
reich, Kunstwerke, welche sonst nur auf kostspieligen
Reisen, ja solveit sie Privatbesitz, oft gar nicht zu-
gänglich sind, wurden hier in der Hauptstadt der
Monarchie mit eben so viel Mühe als glücklichem Er-
folg zusammengebracht. Beispielsweise mögen ge-
nannt werden die Städte Brixen, Brünn, Graz, O1-
mütz, Prag, Salzburg und Wien (letzteres besonders
reichhaltig vertreten), ferner die berühmten Stifte
Admont, Göttweih, Heiligkreuz, Herzogenbnrg,
Klosterneuburg, Kremsmünster, Lambach, Lilien-
feld, Melk, Raigern, St. Florian, ^t. Paul,
Seiterstetten und Zwettl. Es lag nach der Vor-
rede in der Natur der Sache, wie in den dem
österreich. Museum vorgeschriebenen Zielen und
in den beschränkten Räumlichkeiten begründet, daß
die Ausstellung nicht die ganze kirchliche Kunst
umfassen konnte, sondern sich vorzugsweise auf
die Arbeiten der sogenannten Kunstindustrie, oder
die leichter transportablen Gegenstände beschrän-
ken mußte. Hienach theilt sich die erste Ab-
theilung (alte Kunstsachen) in die Unterablheilnn-
gen: Buchausstattung (illustrirte Handschriften,
Miniaturen, illustrirte Druckwerke) 192 Nummern;
textile Arbeiten 169 Nrn.; Holzarbeiten (Altäre,
Reliefs, Einzelsiguren, Kirchenmobilien) 146 Nrn.;
Metallarbeiten (der Glanzpunkt der Ausstellung,
wie bei der vorjährigen in Augsburg) 409 Nrn.;
Arbeiten in Elfenbein, Stein, Thon, Wachs,
Glas rc. 131 Nrn. Die zweite Abtheilung für
neuere Knnstprodukte umfaßt in 5 Rubriken textile
Arbeiten, Plastik in Holz, Stein, Metall, Glas-
gemälde uni) Varin. Der von der Verlagshand-
lnng bei verhältnißmüßig billigem Preis typo-
graphisch splendid ansgestattete Katalog behält
durch die genaue Beschreibung der einzelnen
Gegenstände, namentlich aber durch den jeweiligen
Nachweis, wo sich über dieselben in der Literatur
nähere Besprechungen, Beschreibungen oder Ab-
bildungen finden, soivie durch die trefflichen Illu-
strationen bleibenden Werth. Deren sind es im
Text 30, auf dem Umschlag 2 und im Anhang
auf 9 Tafeln in Hochquart 14. Auch Gold-
schmieden kann der Katalog besonders um der
letzteren willen (sie betreffen fast ausschließlich
Metallarbeiten, namentlich Monstranzen) als eine
ebenso schöne als wohlfeile Sammlung von Vor-
lagen zur Anschaffung und Verwerthnng empfoh-
len werden.

Bavendorf. Pfr. C. B n s l.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Vatksblait".
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