Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 5.1887

Seite: 75
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sondern eine ebene Knie-
bank! Und ja nicht zu
hoch, sonst wird sie wie-
der zur Folterbank.

Was dann bei der
Kniebank ganz besonders
zu beachten, ist ihr Ver-
hältnis) zur Armbank.

Je weiter sie vom Loth
der Armbank hervortritt,
desto bequemer ist sie,
und umgekehrt wird sie
zur Tortur, und das
Knieen zur Unmöglich-
keit, wenn sie zu wenig
vortritt.

Die Armbank braucht nicht gar tief
(breit) zu sein. Was sie zu viel bekommt,
das entzieht sie der Sitz- und Kniebank.
Sehr häufig wird sie auch zu hoch ge-
macht, was namentlich das Knieen sehr
erschwert. Je höher sie ist, desto mehr
muß die Kniebant vortreten und dadurch
Raum wegnehmen.

Nach diesen Vorbemerkungen bitten wir
den Leser, unsere Skizze la und lb an-
zusehen, auf der die Elemente einer Kirchen-
bank in V20 Maß st ab angegeben sind, deren
Dimensionen sich folgendergestalt verhalten:

im Minimum im Maxinium

Fig. la Minimum.

Normalmaß.

Fig. Id Maximum.

!!

&

6 cm

7—11 cm

A — die Armbank hoch

80 cm

86 cm

dto. breit

10 cm

15 cm

8 — die Sitzbank hoch

46 cm

48 cm

dto. tief

29 cm

34 cm

K — die Kniebank hoch

13 cm

17 cm

dto. vorstehend

23 cm

30 cm

sich das Auge beleidigt davon ab und möchte
lieber die Unzier aus der Kirche entfernt
wissen. Hoffentlich wird der Techniker
nicht etwa irgend eine architektonische Lieb-
lingsform festnehmen, inn die arme Bank
in sie hineinzuzwängen oder gar zackige
und eckige Zierstücke anbringen, an denen
man sich die Kleider zerreißt. Auch wird
er nicht meinen, die nächste beste Kropf-
form und krumme Linie sei hinreichend
würdig, den Schwung seiner künstlerischen
Phantasie zu symbolisireu. Wenn der
Stand der Kasse Beschränkung gebietet,
oder ans dem Gehirn kein origineller Funke
schlagen will, dann —: je einfacher, desto
besser.

(Schluß folgt.)

Osterkerzenleuchter und Areuzpartikel.

Dies wäre der Rahmen, au welchen der
Techniker sich zu binden hat. Nun bleibt
es seiner Gestaltungskraft überlassen, das
Skelett anmutig und würdig mit Fleisch
und Blut zu überkleideu, soweit die Mit-
tel es ihm erlauben. Vor allem wird es
seine Sorge sein, die angemessene Form
für die Wangenstücke zu erfinden, welche
das Gestühl an seinen beiden Enden ein-
fassen und zugleich die Hauptträger des-
selben sind. Je mehr man diesen Wangen
ansehen wird, welchem zweifachen Zweck
sie zu dienen haben, desto befriedigender
wird ihr Anblick sein und der Kirche zur
Zierde dienen. Bemerkt man aber an den
Wangen Unnatur, Zwang, sinnlose Ver-
zierungen und Verkröpfungen, so wendet

Auf der Beilage sind zwei weitere Jnventar-
stiicke der neuen sriihgothischen Kirche von Dot-
ternhausen, ebenfalls gezeichnet vom Erbauer der
Kirche, Herrn Architekt Cades in Stuttgart,
zu sehen. Der Leuchter fiir die-Osterkerze,
zugleich fiir 12 weitere Kerzen eingerichtet und
auch fiir andere Zwecke mitzubenntzen, ist in
Schmiedeisen anszuführen und ausgeführt wor-
den (von Schmied Koch in Schömberg). Wie
sehr die Zeichnung diesem Material und dieser
Technik angepaßt ist und der letzteren Gelegen-
heit gibt, sich im besten Licht zu zeigen, lehrt ein
genaueres Studium derselben. Richtige Ausfüh-
rung des Entwurfes, welche bei den genauen De-
tailzeichnungen einem in feineren Arbeiten einiger-
maßen bewanderten Meister nicht zu schwer fal-
len sollte, wird in der Thal ein nobles, die Kirche
zierendes Werk schaffen, in welchem der Ernst
und die Kraft des Materials zur Geltung kommt,
die Härte und Kälte desselben durch die Macht
der Kunst geschmeidigt und erwärmt wird. Möchte
es nur gelingen, den Schmiedeisenarbeiten wieder
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